Dienstag, 2. Oktober 2001

Harte Kritik für die FIFA

Verständnisvoll reagierten die anderen Teamspieler auf die Absagen von Mayrleb, Kogler & Co. ÖFB-Präsident Beppo Mauhart und Otto Baric sind schwer enttäuscht. Hier finden Sie die Reaktionen. Und: Der Schweizer Sportinfo-Dienst SIZ kritisiert die Entscheidung der FIFA, das WM-Quali-Spiel in Israel auszutragen, heftig.

Beppo Mauhart: "Es gibt wenig Verständnis für die Haltung der Neun, dass sie die Chance nicht wahrnehmen, zur WM zu fahren. Das ist ein Mangel an Professionalität. Die Tiroler dürften ein Kollektiv gebildet haben."

Otto Baric: "Ich bin enttäuscht. Das Klima in meinen Mannschaften war für mich immer das Wichtigste. Aber wir müssen und wir werden spielen. Natürlich sind wir schwächer, Wir werden aber alles tun, damit wir dort den notwendigen Punkt erreichen, ob es reicht, werden wir sehen."

David Levy (Israels Fußball-Verbandspräsident): "Bei uns ist es die Pflicht der Spieler, für die Nationalmannschaft zu spielen. Wenn jemand sich fürchtet, muss man das aber akzeptieren. Es gibt ja auch in England welche, die fliegen nicht zu Auswärtsspielen. Aber es braucht sich niemand zu fürchten, nach Israel zu kommen. Dass die Österreicher nun mit Neuen kommen, muss kein Nachteil sein, denn die kennen wir überhaupt nicht."

Sportinformation Zürich (SIZ): "Die FIFA hat mit ihrem Entscheid, für das WM-Qualifikationsspiel Israel - Österreich am kommenden Sonntag am Austragungsort Tel Aviv trotz österreichischen Protesten festzuhalten, einen veritablen Eklat ausgelöst. (...) In der Tat ist der Entscheid der FIFA schwer nachvollziehbar. In den Neunzigerjahren wurde beispielsweise Jugoslawien wegen des Bürgerkrieges während vier Jahren von EM- und WM-Qualifikationsspielen ausgeschlossen. Und vor wenigen Tagen kam die UEFA dem Wunsch der Glasgow Rangers nach, die UEFA-Cup-Partie gegen Machatschkala wegen der unsicheren Lage in der russischen Teilrepublik Dagestan auf neutralem Terrain auszutragen."

Martin Hiden: "Ich könnte mich durch die aktuelle Situation nicht so auf das Spiel konzentrieren, wie es notwendig wäre."

Andreas Herzog: "Es ist jedem frei gestellt worden, wir haben jetzt eine Mannschaft beisammen, mit der wir trotzdem in Israel bestehen werden. Am Sonntag werden wir eine schlagkräftige Mannschaft haben, meine Gedanken gelten ganz der sportlichen Komponente. Das Schlimmste für mich wird sicher der Flug, weil ich in letzter Zeit unter Flugangst leide. Es gibt aber nur ein Ziel: Qualifikation für die Spiele gegen die Türkei."

Ivica Vastic: "Ich akzeptiere die Entscheidung der Anderen, jeder hatte die freie Wahl. Ich glaube, dass dort die Sicherheit passt, Dinamo Zagreb hat in der vergangenen Woche UEFA-Cup in Tel Aviv gespielt. Für mich ist das Thema jetzt erledigt, ich konzentriere mich auf das Spiel in Tel Aviv. Dort brauchen wir einen Punkt, um gegen die Türkei spielen zu können."

Alex Manninger: "Das ist eine menschliche, persönliche Entscheidung der Neun. Dabei steht das Spiel im Hintergrund. So wie andere nicht durch einen Tunnel fahren, haben sie sich entschlossen, nicht in ein Land zu fliegen, wo Krieg ist. Für mich ist das ein Spiel wie jedes andere, ich habe mir gar nicht die Zeit genommen, um nachzudenken.

Markus Weissenberger: "Ich fliege mit, ich habe mich in der Früh entschieden. Ich denke, die Sicherheit dort passt."

Peter Sichrovsky (FPÖ-Generalsekretär): "Ich werde die Nationalmannschaft zum Entscheidungsspiel nach Israel begleiten. Ich werde dort versuchen, das österreichische Team tatkräftig anzufeuern und hoffe mit einer siegreichen österreichischen Mannschaft am Sonntag abend unversehrt wieder zurückzukommen. So sehr ich Verständnis habe für jene Spieler, die aufgrund der angespannten Lage in Israel an dem Spiel nicht teilnehmen möchten, bin ich froh darüber, dass der Großteil der Mannschaft trotzdem nach Tel Aviv fährt."

2.10.2001 11:41