Mauhart spricht ein Machtwort

Umfrage: Soll Österreich in Israel antreten?
Umfrage: Schafft Österreich die WM-Quali?
Israels Fußball-Teamchef Richard Möller-Nielsen hat am Sonntag Verständnis für die Sicherheitsbedenken des österreichischen Nationalteams geäußert, versuchte aber auch zu beschwichtigen. ÖFB-Präsident Beppo Mauhart sprach inzwischen ein Machtwort: Entscheidet die FIFA, dass das WM-Quali Spiel gegen Israel planmäßig am 7. Oktober in Tel Aviv stattfindet, dann fliegt das ÖFB-Team auch hin. Mittlerweile hat Otto Baric den Teamkader nominiert: Ganze 23 Mann werden ab heute zusammengezogen.
"Ich verstehe die Sorgen der Österreicher, wenn man in der Welt Bilder von Kämpfen, Feuer, brennenden Fahnen und weinenden Menschen sieht", erklärte Möller-Nielsen. "Aber das volle Stadion am Samstag im Spiel Hapoel Tel Aviv - Maccabi Haifa und viele andere Sachen, wo alles normal ist, werden nicht gezeigt", meinte Möller-Nielsen. Die FIFA verlangt von der israelischen Regierung schriftliche Sicherheitsgarantien für die österreichische Delegation. Ein vom ÖFB angestrebtes Match auf neutralem Boden wäre laut Möller-Nielsen ein großer Vorteil für die Baric-Truppe. "Das wäre gut für Österreich, denn es ist nicht so leicht, in Israel zu spielen."
Entscheidend für die Zukunft von Österreichs Fußball
Die mit einer Absage verbundenen Folgen wären "sportlich und wirtschaftlich eine ganz dramatische Entscheidung für die Zukunft des österreichischen Fußballs", sagte der ÖFB-Präsident am Donnerstag im Rahmen der Team-Pressekonferenz in Wien.
Daher werde er bei einer entsprechenden Entscheidung der FIFA die Situation am Montagabend eingehend mit der gesamten Mannschaft im Team-Quartier Hotel Holiday Inn am Handelskai besprechen. "Ich habe Verständnis dafür, dass es Sorgen jedes Einzelnen gibt. Sicher ist aber auch, dass wir uns diesem Spiel nicht entziehen können", so Mauhart. "Ich nütze nicht das Drohpotenzial aus, das wären mögliche Sanktionen, niemand wird gezwungen, nach Israel zu reisen, aber ich werde versuchen die Spieler zu überzeugen, dass es keine vertretbare und verantwortbare Alternative für uns gibt", sagte der ÖFB-Präsident.
Unabsehbare Folgen
Österreichs Fußballer hätten (noch) eine echte Chance, an der WM-Endrunde in Japan/Südkorea teilzunehmen. Bei einem Nichtantreten in Tel Aviv wäre nicht nur diese Möglichkeit dahin, sondern es drohte auch der Ausschluss von der WM-Qualifikation für 2006 in Deutschland. Neben der sportlichen Dimension gäbe es auch eine wirtschaftliche (Sponsoren) und auch außenpolitisch wäre ein Nichtantreten eine "nur schwer vertretbare Entscheidung".
"Die FIFA macht es sich nicht leicht"
Beppo Mauhart hatte am Donnerstagvormittag Kontakt mit der FIFA und mit dem schwedischen UEFA-Präsidenten Lennart Johansson (FIFA-Boss Sepp Blatter weilt derzeit bei Unter 17-WM in der Karibik). "Die FIFA macht sich die Entscheidung nicht leicht, prüft und überlegt", sagte Mauhart. "Wir werden uns sportlich und hinsichtlich des gesamten Fragenkomplexes jedenfalls sorgfältig und verantwortungsvoll vorbereiten."
Hoffen auf Fairness
Die ganze Welt wolle zur Normalität zurückfinden. Der Sport habe diesbezüglich im Allgemeinen und der Fußball im Besonderen eine große Aufgabe dazu beizutragen. "Trotzdem bleibt die Sicherheit unserer Spieler oberste Priorität", meinte Mauhart. "Wir brauchen aber keine öffentliche Diskussion darüber. Das nützt nur denen, die eine entsprechende Stimmung aufbauen wollen. Wir müssen alles für faire Rahmenbedingungen tun und hoffen auf eine faire Atmosphäre im Stadion." Die hatte man vor zwei Jahren beim 0:5 vermisst.
Sicherheitspaket
Es gibt Kontakte u.a. auch zum Innenministerium und mit Sicherheits-Generaldirektor Erik Buxbaum ein Gespräch. So werde ein Sicherheitspaket in Abstimmung mit den israelischen Behörden geschnürt. "Auf politischer Ebene ist alles getan worden, was man für so ein Spiel tun kann", sagte der ÖFB-Präsident.
Möglichst kurzer Aufenthalt
Sollte grünes Licht für ein Antreten in Israel gegeben werden, dann fliegt der ÖFB-Tross am Samstag (6.10./10 Uhr) mit einem Lauda-Charter nach Tel Aviv, wo das Flugzeug bis zum Rückflug am Sonntag um 23:30 Uhr bewacht bleibt.
