KfZ-Werkstätten fürchten 30% Umsatzminus

Auf geteilte Meinungen trifft die Ankündigung der Regierung, bei neuen Autos das Prüfintervall zu verlängern. Während der ARBÖ meint, der Vorschlag sei ein "Anschlag gegen die Verkehrs- und Betriebssicherheit", hat der ÖAMTC die geplante Neuregelung mit Vorbehalten begrüßt. Die KfZ-Werkstätten sehen bis zu 30-prozentige Umsatzeinbrüche auf sich zukommen.
Die Neuregelung beim Autopickerl sieht vor, dass neue zugelassene Fahrzeuge ab kommenden Jahr erst nach drei Jahren wieder einer Überprüfung zur Erlangung der Plakette unterzogen werden müssen. Die zweite Überprüfung erfolge nach zwei Jahren, erst dann werde es einen jährlichen Sicherheitscheck geben. Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (F) sprach anlässlich der Ankündigung der Maßnahme am Dienstag von einer "bürgerfreundlichen Maßnahme".
Der den Sozialdemokraten nahestehende Autofahrerclub ARBÖ bezeichnete am Mittwoch in einer Aussendung als "populistisch". Dass durch eine Erstreckung der Prüfungsintervalle dem Kraftfahrer gedient werde, sei eine "verkürzte Ansicht". Der Autofahrer profitiere durch die jährliche Kontrolle, da sie ihm ermögliche, sein Fahrzeug abgasmäßig richtig und verbrauchsmäßig sparsam zu nützen, argumentiert der ARBÖ in einem Beschwerdebrief an Verkehrsministerin Monika Forstinger (F).
Vorsichtiger äußerte sich der ÖAMTC zum Vorstoß der Bundesregierung. ÖAMTC-Jurist Fritz Tippel warnte zwar vor einem "überhasteten Beschluss" in der Angelegenheit, das Vorhaben an sich sei aber eine "Erleichterung für den Autofahrer". Um den Vorschlag fachlich beurteilen zu können, seien aber noch statistische Daten notwendig, wie häufig in den ersten drei Jahren Sicherheits- oder Abgasmängel bei Kraftfahrzeugen auftreten.
Die heimischen KfZ-Werkstätten befürchteten dagegen einen bis zu 30-prozentigen Umsatzrückgang durch die Erstreckung, da der Kunde mit der Überprüfung auf Verkehrstauglichkeit auch oft das normale Kilometerservice verbinde. "Viele Autobesitzer machen die 57a-Überprüfung und das Service in einem. Wenn sie jetzt erst nach drei Jahren die Sicherheitsüberprüfung machen müssen, warten sie mit dem Service vielleicht auch so lange. Und wer kann mit gutem Gewissen sagen, dass ein Auto nach drei Jahren nach verkehrstauglich ist?", meint Kersten Viehmann, Geschäftsführer der Kraftfahrzeugtechnikerinnung. Derzeit führen in Österreich 5.000 der 5.400 KfZ-Werkstätten die jährlichen Sicherheitsüberprüfungen durch.
Kritik an diesem Vorhaben kam auch von den sozialdemokratischen Wirtschaftstreibenden. Der freie Wirtschaftsverband (FWV) Wien bezeichnete das Vorhaben als "ein Paradebeispiel für einen von vornherein misslungenen Ansatz einer Verwaltungsreform". Der Staat erspare sich "keinen Schilling und keinen Posten - er verkauft nur die "Pickerln", so der Vertreter der Kfz-Branche im FWV Wien, Franz Steinbacher, am Mittwoch in einer Presseinformation. Nach Ansicht des FWV wird die Aufweichung der Regelung "im Umweltbereich Probleme nach sich ziehen, die noch nicht absehbar sind". Am schwerwiegendsten sei aber der Sicherheitsaspekt. Die Betriebssicherheit der Fahrzeuge auf Österreichs Straßen werde latent und massiv beeinträchtigt. Österreich habe bisher das vorbildlichste System innerhalb der EU gehabt. "Warum das ohne Not über Bord geworfen wird, ist nicht nachvollziehbar", erklärt der FWV.
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