Anschließend 7-stündiges Feuergefecht im Parlament

Beim schwersten Anschlag im indischen Teil Kaschmirs seit zwei Jahren sind am Montag mindestens 38 Menschen getötet worden. Etwa 75 wurden nach Angaben der Polizei verletzt.
Zunächst explodierte eine Autobombe vor dem Parlament in Srinagar. Die Täter, laut Polizei vermutlich Moslemrebellen, drangen dann in das Parlamentsgebäude ein, warfen Handgranaten und schossen auf die Sicherheitskräfte. Es kam zu einem rund siebenstündigen Feuergefecht, bei dem zwei der Angreifer getötet wurden.
Mindestens zwei der mutmaßlichen Moslemextremisten seien vor der Explosion in Polizeiuniformen gekleidet aus dem Auto gesprungen, hieß es. Der Fahrer in dem entführten Wagen kam bei der Detonation ums Leben. Zu dem Anschlag bekannte sich die militante Gruppe Jaish-e-Mohammed in einem Telefonanruf bei der Nachrichtenagentur AP. Der Anführer der aus Pakistan stammenden Gruppe, Massood Azhar, war 1999 mit einer Flugzeugentführung aus indischer Haft freigepresst worden.
Zum Zeitpunkt des Attentats hatten die Abgeordneten gerade eine Sitzung beendet, die allerdings in einem benachbarten Gebäude stattfand. Die Behörden erklärten, die Zahl der Toten läge sonst weit höher. Die etwa 100 Angestellten, die im Parlamentsgebäude arbeiteten, seien unverletzt entkommen. In der Umgebung des Parlaments zersprangen die Fenster von mehr als einem Dutzend Läden und eines Hotels.
Moslemrebellen führen seit 1989 einen blutigen Kampf gegen die indische Regierung. Sie verlangen die Unabhängigkeit des mehrheitlich moslemischen Kaschmirs oder den Anschluss an Pakistan. Indien wirft Pakistan vor, die Kämpfer aktiv zu unterstützen, was Pakistan bestreitet.
Indien und Pakistan haben bisher zwei Kriege um Kaschmir geführt. 1947, als Großbritannien den indischen Subkontinent in die Unabhängigkeit entließ und die mehrheitlich moslemisch besiedelten Gebiete an Pakistan fielen, optierte der Maharadscha von Kaschmir, Hari Singh, für den Beitritt seines Fürstentums zur Indischen Union. Etwa 60 Prozent der Fläche kamen zu Indien (1957 wurde der Unionsstaat Jammu und Kaschmir geschaffen), während der nordwestliche Teil als "Azad Kaschmir" (Freies Kaschmir) unter pakistanische Verwaltung gestellt wurde. Die Waffenstillstandslinie von 1949 bildet die Grenze. Das in einer UNO-Resolution festgelegte Selbstbestimmungs-Referendum wurde bis heute von Indien abgelehnt.
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