Sonntag, 30. September 2001

Böhms virtuelle Geisterbahn

Nach dem Konkurs seiner Internetcompany drohen Yline-Gründer Werner Böhm Untersuchungen durch den Staatsanwalt und Streit mit alten Freunden.

Der Wiener Rechtsanwalt Christof Stapf von der renommierten Wirtschaftskanzlei Neudorfer, Griensteidl, Hahnkamper, Stapf & Partner genießt in der Branche als Insolvenzexperte einen hervorragenden Ruf. Am Donnerstag vergangener Woche geriet aber sogar der durch Dutzende Masseverwaltungen abgebrühte 42jährige gebürtige Tiroler ins Staunen.

Anders als andere
Nach einem Besuch von Yline-Gründer Werner Böhm wundert sich Stapf: „Ich habe den Konkursantrag studiert. Doch aus den Informationen geht nicht eindeutig hervor, welchen Tätigkeiten das Unternehmen nachgegangen ist. Deshalb werde ich sämtliche Geschäftsfälle der Vergangenheit prüfen.“ Der Fall Yline, so ergänzt Stapf, sei „etwas anders gelagert als übliche Konkurse“. Mit dieser Analyse landet der Mann einen Volltreffer.

Denn die vom ehemaligen IBM-Mitarbeiter Werner Böhm im Mai 1998 gegründete Internetcompany entpuppte sich bis zu ihrem Konkurs in der Vorwoche (Schulden: 362 Millionen Schilling) als virtuelle Geisterbahn. Dem erst 37jährigen drohen nun nach dem Absturz Ermittlungen des Staatsanwalts. Die häßlichen Fragen: Hat der Mann seinen Aktionären wissentlich das wahre Ausmaß des Desasters verschwiegen – und hat er womöglich sogar gezielt vor dem Aus noch Vermögen ins trockene gebracht?

Transaktionen werden gefilzt
Masseverwalter, Insolvenzrichter und allenfalls der Staatsanwalt werden jede Transaktion des verschachtelten Unternehmens daraufhin filzen, wie es nach dem Yline-Börsengang im Oktober 1999, am Höhepunkt des Internetbooms, zur Pleite kam: Nach einem Höchstkurs der Aktie von 283 Euro sackte das Papier zuletzt auf 0,46 Euro ab – der Unternehmenswert stürzte von acht Milliarden auf gerade einmal 22 Millionen Schilling ab.

Auffällig ist jedenfalls, daß sich Böhm gegen das aufziehende Desaster offenbar gerüstet hat:
- Am 16. Dezember des Vorjahres wurde etwa im Wiener Handelsregister die ADU Privatstiftung eingetragen. Erst ein Blick in die Stiftungsurkunde verrät, wer sich hinter den drei Buchstaben verbirgt: „Stifter ist Mag.Werner Böhm mit einer Vermögenseinlage von einer Million Schilling“. Als ADU-Vorstände hat Böhm seine langjährigen Vertrauten, den Wiener Rechtsanwalt Walter Fleissner sowie Ex-Yline-Vorstand Anneliese Prem, installiert.

300 Mio. S in der ADU geparkt?
Welches Vermögen tatsächlich in der ADU geparkt ist, wird sich schwer herausfinden lassen: Hartnäckige Gerüchte, wonach es sich um rund 300 Millionen Schilling handelt, dementiert Böhm gegenüber FORMAT: „Es ist sehr viel weniger Bargeld. Im wesentlichen handelt es sich um Yline- Aktien. Begünstigt sind meine Kinder.“

- Einen Monat vor der Pleite ist Böhms Gattin als Mitgesellschafterin der Powerteam Consulting GmbH ausgeschieden, über die Böhm seine Yline-Gage verrechnet hat. Aktuell kursierende Gerüchte, er habe sich vorsorglich sogar von seiner Frau scheiden lassen, wischt Böhm vom Tisch: „Das betrifft zwar meine Privatsphäre, doch es stimmt einfach nicht.“ Die anlaufenden Aufräumungsarbeiten des Crashs haben bereits dazu geführt, daß alte Seil- und Freundschaften zerbrachen.

Böhm über "alte Freunde"
Böhm über den FPÖ-nahen steirischen Industriellen und Yline-Aufsichtsratschef Ernst Hofmann: „Der Mann war zuletzt illoyal.“ Auch zu seinem Intimus, dem Börsenbullen Michael „Mike“ Lielacher („Ich mag von Yline nichts mehr hören“), fällt Böhm nur noch ein: „Das heutige Übel hat mir allein dieser Herr eingebrockt.“

30.9.2001 13:13