Sonntag, 30. September 2001

"Peinliche Zwischenrufe der Politik"

Der Vorstandssprecher der staatlichen Beteiligungsholding ÖIAG, Johannes Ditz, räumt seinen Sessel. Ditz über seine Ablöse, Thomas Prinzhorn und die Grenzen der Privatisierung.

Die Kündigungsentschädigung bezifferte Ditz mit brutto 12,9 Mio. S. Das macht netto an die 7,5 Mio. S. In seiner letzten Pressekonferenz als ÖIAG-Chef ließ Ditz Enttäuschung durchblicken: Er habe zuletzt geglaubt, sich das Vertrauen (des Aufsichtsrates) erarbeitet zu haben, doch habe sich die Mehrheit der ÖIAG-Aufsichtsräte gegen ihn gewandt.

Einen offiziellen ÖIAG-Aufsichtsratsbeschluss gebe es noch nicht, sondern erst eine Einigung zwischen ihm, Ditz, und dem Präsidium, vorbehaltlich einer Zustimmung des Aufsichtsrates.

Johannes Ditz über seinen Abgang und die Schattenseiten der Privatisierung:

FORMAT: Ihr Ausstieg aus der ÖIAG wurde überraschend plötzlich finalisiert.Wollte man Sie so schnell loswerden?
DITZ: Nein, aber nachdem der Wunsch der Mehrheit der Kapitalvertreter im Aufsichtsrat nach meiner Ablöse eben da war, wollte ich die Geschichte rasch zu Ende bringen. Ich will ja niemandem im Weg stehen; ein Sesselkleber war ich noch nie.

FORMAT: Es hieß, Sie hätten dreißig Millionen Schilling gefordert und sich letztlich mit 12,9 Millionen zufriedengegeben.
DITZ: Das ist absoluter Unsinn, so viel Geld habe ich nie verlangt. Auf die rund dreizehn Millionen haben wir uns sehr rasch geeinigt.

FORMAT: Hat der Mohr nach diversen Privatisierungen und dem Rauswurf der AUABosse seine Schuldigkeit getan? Oder gehen Sie aus politischen Gründen? – Thomas Prinzhorn hat ja nie ein Hehl daraus gemacht, daß er Sie nicht gern in der ÖIAG sieht.
DITZ: Herr Prinzhorn ist Zweiter Nationalratspräsident, hat keine Kompetenz in ÖIAG-Fragen. Mich tangiert daher nicht, was er sagt. Für die ÖIAG ist der ÖIAG-Aufsichtsrat zuständig; und der arbeitet professionell. Leute wie Daimler- Vorstand Jürgen Hubbert oder Allianz- Vorstand Paul Achleitner lassen sich nicht mit politischen Aufträgen instrumentalisieren.

FORMAT: Es gibt ja subtilere Mittel als Aufträge oder Weisungen. ÖIAG-Präsident Heinzel ist ein guter Freund Prinzhorns …
DITZ: … und ich kommentiere das alles nicht mehr. Ich betreibe auch keine Ursachenforschung mehr, sondern habe mich mit den Fakten abgefunden.

FORMAT: Man wirft Ihnen auch die Telekom- Privatisierung, die unendliche AUAVorstandsablöse, Ihren mißglückten Versuch, Telekom-Chef Heinz Sundt abzulösen, vor. Was waren denn Ihre Fehler?
DITZ: Strategische Fehler habe ich keine gemacht, weder bei Telekom noch bei AUA. In Österreich ist es halt ein Sakrileg, wenn gleichzeitig zwei Managements in Diskussion kommen. Wenn man das jetzt aber als Grund für meine Ablöse konstruiert, kommt das schon sehr spät aufs Tapet. Bei der AUA ist es mir jedenfalls darum gegangen, die höchst emotionale Stimmung zu beruhigen, die Zwischenrufe aus der Politik zu stoppen. Von der Staatssekretärin bis hin zum Finanzministerium wollte man uns sagen, was zu geschehen hat – das war ja peinlich. Ich habe den AUA-Chefs die Zeit gegeben, ihre Bilanz fertigzustellen, und wollte mit ihnen gemeinsam den Übergang auf ein verjüngtes Team vornehmen. Das ist mir gelungen.

FORMAT: Hätten Sie eigentlich gern weitergemacht, oder müssen Sie nicht froh sein, daß der ganze Schrecken jetzt ein Ende hat?
DITZ: Ja, ich hätte schon sehr gern mit dem Management der Beteiligungsunternehmen weitergearbeitet. Von Voest Alpine bis zur OMV: Da gibt es jede Menge tolle Chancen und Herausforderungen.

FORMAT: Was werden Sie nach der ÖIAG tun? In den OMV-Vorstand wechseln?
DITZ: Sicher nicht. Für mich ist das Kapitel ÖIAG und auch ÖIAG-Beteiligungsunternehmen beendet. Ich lege mich nicht mehr fest, aber als nächstes mache ich einmal einen Entzug vom Workaholicdasein und denke in aller Ruhe und Gelassenheit darüber nach, wie es weitergeht. Ich habe Erfahrung im Jobwechsel – so what. Life goes on.

30.9.2001 12:40