Aus nach "Verwunderung, Verärgerung & Kränkung"

Der Vorstandssprecher der staatlichen Beteiligungsholding ÖIAG, Johannes Ditz, räumt seinen Sessel in der Kantgasse einvernehmlich bis Ende Dezember 2001. In der vorvergangenen Woche habe ihm das Aufsichtsratspräsidium (Alfred Heinzel und Hellwig Torggler) einen "golden handshake" für die Auflösung seines noch bis August 2004 laufenden Vorstandsvertrages angeboten. Die Kündigungsentschädigung bezifferte Ditz mit brutto 12,9 Mio. S. Das macht netto an die 7,5 Mio. S.
In seiner letzten Pressekonferenz als ÖIAG-Chef ließ Ditz Enttäuschung durchblicken: Er habe zuletzt geglaubt, sich das Vertrauen (des Aufsichtsrates) erarbeitet zu haben, doch habe sich die Mehrheit der ÖIAG-Aufsichtsräte gegen ihn gewandt.
Einen offiziellen ÖIAG-Aufsichtsratsbeschluss gebe es noch nicht, sondern erst eine Einigung zwischen ihm, Ditz, und dem Präsidium, vorbehaltlich einer Zustimmung des Aufsichtsrates.
Geordnete Übergabe und letzte Privatisierung
"Persönlich habe ich", sagte Ditz, "nach einer ersten Phase der Verunsicherung, einer leichten Verärgerung und zugegebenermaßen auch einer Kränkung die Entscheidung des Aufsichtsratspräsidiums zur Kenntnis genommen". Er sei bereit, sich zu verabschieden. Zu seinen abschließenden Aufgaben in der ÖIAG gehöre eine geordnete Übergabe und die Vorbereitung des letzten noch anhängigen Privatisierungsfalls, der aus der Staatsdruckerei herausgelösten Druckerei Strohal. "Ich schule gerne auch meinen Nachfolger ein", betonte Ditz.
Auch Abschied von Post und OMV
Ob wieder ein zweites ÖIAG Vorstandsmitglied (neben Peter Michaelis) gesucht wird, ist noch offen. Darüber hinaus wird Ditz bis 31. Dezember die von ihm ausgeübten Aufsichtspräsidentschaften bei den ÖIAG-Beteiligungen OMV und Österreichische Post zurücklegen. Bei den Austrian Airlines habe er sich auf ausdrücklichen Wunsch der ÖIAG bereit erklärt, bis zur nächsten Hauptversammlung den Aufsichtsratspräsidenten auszuüben.
Grund unbekannt
Als "Politopfer" sehe er sich nicht, sagte Ditz auf Journalistenfragen am Freitag. Zuletzt habe es keinen politischen Einfluss in der ÖIAG mehr gegeben, "endlich konnte man ruhig und sachlich arbeiten". Einen Grund für seine Ablöse habe er bisher nicht erfahren, sondern nur, dass eine Mehrheit der Aufsichtsräte zur Überzeugung gelangt sei, ihn abzulösen.
ÖIAG saniert
Ditz wies darauf hin, dass es mit dem zweiten Privatisierungsschritt der ÖIAG gelungen sei, "die ÖIAG-Schulden von 86,6 auf nunmehr 27,5 Mrd. S zu reduzieren." Die verbleibende jährliche Zinsbelastung von 1,4 Mrd. S könne die ÖIAG durch Dividendenerträge selbst bedienen. Darin sei bereits einkalkuliert, dass die Telekom Austria für 2001 keine Dividende zahlen werde. Die entscheidende Wende in der Verstaatlichten sei aber schon 1993 erfolgt, als der große Konzern (Austrian Industries) in kleine Einheiten aufgespalten wurde.
"TA-Börsegang richtig"
Den Börsegang der Telekom Austria (TA) im November 2000 bezeichnete Ditz auch aus heutiger Sicht als "absolut richtig". Der Fehler sei aus heutiger Sicht aber gewesen, "dass wir die völlig überzogenen Erwartungen nicht früher und schärfer gekontert haben", sagte Ditz. Bei einer noch späteren Privatisierung "hätte die Telekom keinen Preis mehr am Markt gehabt". Die Gerüchte der letzten Tage, dass die neuen Eigentümer der Telecom Italia (TI), Syndikatspartner bei Telekom Austria, ihren TA-Anteil (knapp 30 Prozent) verkaufen wollten, bezeichnete Ditz als unrealistisch. Denn laut Syndikatsvertrag sei es der TI verboten, ohne Zustimmung der ÖIAG vor 2003 ihren TA-Anteil an irgendwen zu verkaufen.
Über seine weitere berufliche Zukunft machte Ditz keine Angaben. Er habe bis jetzt keine Zeit gehabt, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Eine Rückkehr in die Politik schloss er in dieser Regierung aus.

