WIFO und IHS präsentieren ihre Berechnungen

Das Ziel: Nulldefizit. Des Finanzministers Traum ist laut Wirtschafts-Experten in unerreichbare Ferne gerückt! Ein Sprecher des Finanzministers Grasser kritisierte die Wirtschaftsforscher nun für ihre Prognosen: "Die sich auskennen halten am Nulldefizit fest"
Aus dem Finanzministerium kommt ungewohnte Kritik an den österreichischen Wirtschaftsforschern. Grund ist die Annahme von WIFO und IHS, dass angesichts der internationalen Entwicklung das Nulldefizit 2002 knapp verfehlt wird. Das veranlasst den Sprecher von Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F), Matthias Winkler, im "profil" zu der Aussage: "Wir wollen den Herren Wirtschaftsforschern nicht zu nahe treten, aber die Leute, die sich wirklich auskennen, halten weiterhin am Nulldefizit fest."
Die Wirtschaftsforscher hätten nämlich keinen Einblick in den Budgetvollzug, meinte Winkler. Überdies seien "die Prognosen in sich widersprüchlich."
Die Prognosen
Die neuesten Prognosen der österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitute WIFO und IHS für die Staatsfinanzen des heurigen Jahres: Das Defizit soll bei 0,7% liegen. Karl-Heinz Grasser hat die 0,5%-Marke angepeilt. Das von Experten errechnete Minus für 2001 soll 21 Milliarden Schilling betragen.
Grasser: Budget hält
Mit einer Überraschung wartet angesichts der trüben Konjunkturprognose für Österreich Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) auf. Er sieht - im Gegensatz zu beiden Wirtschaftsforschungsinstituten - die Aussichten zur Erreichung des gesamtstaatlichen "Nulldefizits" 2002 intakt. Der heurige Budgetvollzug (0,7 Prozent gesamtstaatliches Defizit) wird mit Sicherheit halten, sagt der Leiter der Budgetsektion, Gerhard Steger.
Wirtschaft erholt sich erst 2002
Eine Erholung soll erst im 2. Halbjahr 2002 einsetzen. Für das nächste Jahr rechnet das WIFO mit einem Wachstum von 1,9%. Das IHS rechnet mit nur 1,7%.
Unsichere Prognosen
"Die Prognose erfolgt unter großer Unsicherheit", merkt das Wifo in seinem Bericht an. Sollte die Rezession in den USA stärker ausfallen als derzeit erwartet und die EU-Staaten nicht konjunkturstabilisierend voll dagegensteuern können, würde das Szenario der Wifo-Prognose für Österreichs Wirtschaft noch deutlich unterschritten. Relativ optimistisch sei die Annahme, dass die Sparguthaben zugunsten von privaten Konsumausgaben abgebaut würden.
Das IHS weist ausdrücklich darauf hin, dass die Prognoserisken diesmal größer seien als üblich, da auch eine vorübergehende Stagnation der Weltwirtschaft nicht ausgeschlossen werden könne. Damit sei auch die Schätzung der Nettodefizitquote mit großen Unsicherheiten verbunden, dennoch sollte die Bundesregierung am Budgetkonsolidierungskurs festhalten. Das Wifo erwartet für heuer eine höhere Nettodefizitquote von 0,7 (Sommer 0,5) Prozent und für das "Nulldefizitjahr" 2002 von 0,3 Prozent des BIP, das IHS nennt 0,75 Prozent für heuer bzw. 0,2 Prozent für 2002.
Mehr Arbeitslose
Auf dem Arbeitsmarkt sehen die Wirtschaftsforscher nun eine deutliche Verschlechterung. Wohl gebe es heuer und 2002 um je 12.000 Jobs mehr, allerdings fast zur Gänze nur im Bereich Teilzeitarbeit. Die Arbeitslosenzahl werde im Jahresdurchschnitt knapp 200.000 erreichen. Die Arbeitslosenrate nach der nationalen Definition sehen die Institute nun heuer bei 6,0 und kommendes Jahr bei 6,1 Prozent.

