Mittwoch, 26. September 2001

Ölpreis abgefangen

Erstmals nach den Terror-Anschlägen in den USA kamen die Ölminister der Organisation Erdöl exportierender Länder am Mittwoch zu einem Treffen in Wien zusammen. Obwohl sich der Ölpreis im freien Fall befand, haben OPEC-Delegationskreise eine Kürzung der Ölfördermenge des Kartells ausgeschlossen. Nach der Beschluss-Fassung fing sich der Ölpreis wieder.

Die Vertreter der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) dürften sich am Mittwoch bei der 117. OPEC-Konferenz in Wien auf die Beibehaltung der derzeitigen Ölfördermengen geeinigt haben. Der offizielle Beschluss soll zwar erst am Donnerstag gefällt werden. Nach einer Runde informeller Gespräche in der Hotelsuite des Opec-Präsidenten Chakib Khelil haben die Ölminister Libyens, Kuwaits und des Irans aber bereits erklärt, dass man sich darauf geeinigt habe, den Ölhahn vorerst nicht anzufassen.

"Drosselungen ausgeschlossen"
"Wir sind übereingekommen, die Situation zu beobachten und die Produktion nur falls notwendig zu verändern", sagte der Delegierte Libyens, Ahmed Abdulkarim, nach den informellen Gesprächen. Hochrangige OPEC-Mitarbeiter hatten bereits vor den Gesprächen eine Drosselung der Ölfördermenge des Kartells ausgeschlossen. Angesichts der weltweiten Krisensituation nach den Terroranschlägen in den USA müsse derzeit von Gesprächen über Preise und Zielmengen Abstand genommen werden, hieß es im Vorfeld aus Delegationskreisen. OPEC-Präsident Khelil hatte außerdem betont, dass die fallenden Ölpreise "zum Großteil auf Spekulationen zurückzuführen" seien. "Die Preise werden von selbst wieder steigen", so Khelil.

Ölpreis im freien Fall
Den Mittwoch über befanden sich die internationalen Preise für Rohöl im freien Fall. In London war der Preis der marktführenden Nordseesorte Brent zur Lieferung im November am Mittwoch um 1,23 auf 21,15 Dollar gefallen und hat damit den tiefsten Stand seit beinahe zwei Jahren erreicht. Analysten halten kurzfristig einen Preis um die 20 Dollar für denkbar.

19,87 US-Dollar je Barrel
OPEC-Öl ist am Dienstag bereits unter diese Marke gefallen. Der Durchschnittspreis für die sieben wichtigsten Rohöl-Sorten der OPEC lag am Dienstag nur noch bei 19,87 US-Dollar (21,65 Euro/297,9 S) pro Barrel (159 Liter), nachdem OPEC-Öl am Montag noch 20,51 Dollar gekostet hatte. Am Freitag der Vorwoche mussten dafür sogar noch 23,98 Dollar bezahlt werden.

Damit lag der Preis für OPEC-Öl bereits deutlich unterhalb des vom Kartell angestrebten Preisbands von 22 bis 28 Dollar. Dass er eine Reduktion der Ölfördermengen dennoch nicht begrüße, rechtfertigte OPEC-Präsident Khelil damit, dass die Mechanismen der OPEC eine Drosselung der Produktion erst dann vorsähen, wenn der Preis für das Barrel an zehn aufeinander folgenden Arbeitstagen unter 22 Dollar liege. "Wenn er also drei Tage unter dieser Schwelle bleibt und dann wieder steigt, zählt das nicht", meinte Khelil unmittelbar vor der Sitzung am Mittwoch.

Preiserhöhungen würden Weltwirtschaft belasten
Außerdem hätte eine Verknappung des Angebots in der momentanen Situation einen sofortigen Anstieg der Preise zur Folge und würde die nach den US-Terroranschlägen ohnehin sehr sensible Weltwirtschaft zusätzlich belasten, hieß es am Mittwoch aus der OPEC.

Die Auswirkungen eines US-Gegenschlages seien derzeit noch nicht abzuschätzen. Das hänge von den Zielen ab und der Reaktion der Angegriffenen. "Man könnte eine kurze Welle der Spekulation befürchten." Ein Krieg könne die Nachfrage nach Kerosin anheizen, möglicherweise würden als Vorsorge auch größere Lagerbestände angelegt, sagte Khelil.

Preis-Erholung noch vor offiziellem Beschluss
Die Optimisten in der OPEC wurden offenbar bestätigt: Die rasante Talfahrt der Ölpreise scheint nun vorerst gestoppt. Ein Barrel (159 Liter) Rohöl aus der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) habe am Vortag 20,11 (21,92 Euro/301,57 S) Dollar gekostet und war somit um 24 Cent teurer als am Dienstag, teilte das OPEC-Sekretariat in Wien am Donnerstag mit.

26.9.2001 08:14