Dienstag, 25. September 2001

Angst vorm Fliegen hilft Bahnen nicht

In den ersten Tagen nach den Terror-Anschlägen verloren nicht nur die Fluglinien Kunden, sondern auch die Bahnen. Zwar glaubt die ÖBB nach den Terror-Anschlägen einen "sprunghaften Wechsel" von der Luft auf die Schiene zu bemerken - andere Bahn-Unternehmen sehen im Gegensatz dazu auch bei Bahnreisen einen Rückgang.

ÖBB-Generaldirektor Rüdiger vorm Walde versichert laut einem Bericht im "Wirtschaftsblatt", sein Unternehmen werde selbstverständlich alles tun, um diese neuen Passagiere durch besseren Service bei der Stange zu halten. Anlass war die Eröffnung des Welt-Eisenbahnkongresses im Wiener Internationalen Kongresszentrum.

Mittelfristig erwartet sich vorm Walde allerdings aus der Terror-Angst kaum neue Fahrgäste: An der Bequemlichkeit des Fliegens habe sich nichts geändert. Von verlängerten Check-In-Zeiten wie in den USA – die der Bahn im Mittelstreckenverkehr Zeitvorteile verschaffen könnten – sei in Europa nichts zu bemerken. Vorm Walde: "In Wien wurde schon vorher jeder Passagier kontrolliert. Daran hat sich nichts geändert."

Angst vor dem Reisen
"Die erste Auswirkung war sogar ein leichter Rückgang", widersprach dem ÖBB-Chef der Präsident der Internationalen Eisenbahn-Kongressvereinigung AICCF, der Belgier Etienne Schouppe: Auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Paris–Brüssel waren vor dem 11. September Zuwachsraten von fünf bis sieben Prozent registriert worden. Nach den Terror-Anschlägen seien die Fahrgastzahlen spürbar zurückgegangen. Die Angst vor Reisen berührt jede Art von Reisen.

Ist die Bahn konkurrenzfähig?
Die Konkurrenzfähigkeit der Bahn gegenüber Flugzeug und Strasse ist das Hauptthema des Eisenbahnkongresses, an dem sich 700 Delegierte aus 25 Ländern auf allen fünf Kontinenten beteiligen. Soweit die Vorträge der 75 Referenten vorliegen, werden die Chancen der Bahn nicht gerade optimistisch beurteilt. Die Bahnen können scheinbar auch noch in den vergangenen 30 Jahren im Infrastrukturausbau nicht mit Strasse und Luft mithalten.

25.9.2001 17:30