EU will Fördermengen-Erhöhung

Die Ölminister der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) kommen am Mittwoch erstmals nach dem Terroranschlag in den USA in Wien zusammen. Beobachter erwarten mit Spannung, ob sich die Minister dabei auf eine Erhöhung der Ölfördermengen einigen. Experten rechnen mit einer faktischen Null-Erhöhung, denn die Preise befinden sich bereits im freien Fall.
Die Finanzminister der EU haben erst am Samstag nach ihrem informellen Treffen in Lüttich erklärt, dass sie von den OPEC-Staaten Maßnahmen erwarteten, um den Ölpreis etwas zurückzuführen.
Für Erhöhung kein Grund - Nachfrage sinkt
OPEC-Präsident Chekib Khelil hat allerdings genauso wie Generalsekretär Ali Rodriguez bereits betont, dass er am kommenden Mittwoch keine Erhöhung der Fördermengen erwarte. Auch Marktteilnehmer sehen derzeit keinen Grund für eine Erhöhung. Denn: Die Anschläge in den USA drücken ohnehin auf die Nachfrage. Die drohende Rezession lässt den Ölbedarf eher sinken. Dazu kommt der gesunkene Bedarf nach Flugzeugtreibstoffen. Allein dadurch könnte der Ölpreis auf knapp über 22 Dollar fallen.
Auch keine Verkürzung zu erwarten
Die OPEC fürchtet, dass eine Erhöhung der Fördermengen einen Preiskollaps am Ölmarkt bewirken könnte. Auch eine Verkürzung ist aber derzeit unwahrscheinlich, weil es dafür weder Druck aus Amerika noch aus Europa gebe und sonst ein Preisausschlag nach oben entstehen könnte.
Ziel: Ein stabiler Ölpreis
Zahlreiche Vertreter der OPEC hätten zuletzt angekündigt, den Ölpreis stabil im vereinbarten Preisband von 22 bis 28 Dollar halten zu wollen. Dies bedeute zum jetzigen Zeitpunkt, die Fördermengen unverändert zu lassen. Das Treffen am Mittwoch werde daher voraussichtlich ein so genanntes "Non-Event" sein, dass die Preise überhaupt nicht beeinflusst.
Derzeit fallen die Preise
Wenige Tage vor dem Treffen gibt sich der Ölpreis mit deutlich fallender Tendenz. Für die OPEC ist der Preis für den Korb aus sieben Ölsorten als Bemessungsgrundlage maßgeblich. Er ist am Montag erstmals seit April vergangenen Jahres unter 23 Dollar gefallen. An der Londoner Ölbörse wurde für ein Barrel (rund 159 Liter) der Nordsee-Referenzsorte Brent nur noch 22,94 Dollar gezahlt und damit 2,50 Dollar weniger als noch am Freitag. Händler machten die Sorge vor einer einbrechenden Nachfrage für den Kursverfall verantwortlich. Zuvor war der Preis erstmals in diesem Jahr bereits unter 24 Dollar gerutscht.
Ein Grund für die stabile Entwicklung am Ölmarkt ist die seit Tagen bekräftigte Bereitschaft der OPEC, Versorgungsengpässe auszugleichen.
"Solange kein erdölproduzierendes Land angegriffen wird, wird es keine Veränderung der Fördermengen geben", so ein saudischer Ölexperte.

