Montag, 24. September 2001

Völlige Klarheit erst am Donnerstag

In der hoch verschuldeten Telecom-Italia-Gruppe wird derzeit der Ausstieg aus drei Auslandsengagements geprüft. Einem österreichischen Zeitungsbericht zufolge steht auch die 29,8- Prozent-Beteiligung an der Telekom Austria (TA) zur Debatte. Die Italiener schweigen sich noch aus; Klarheit soll es aber bis zum kommenden Donnerstag geben.

Die Reaktion der TI: "Kein Kommentar." Der Sprecher der Telecom Italia meinte aber: "Als persönliche Meinung kann ich nur sagen, dass es in dieser internationalen Marktsituation deutlich schwieriger ist, etwas zu verkaufen, als etwas zu erwerben".

Als fix gilt offenbar, dass drei Auslandstöchter dran glauben müssen: Der türkische Handynetzbetreiber Turkcell, die skandalumwobene Telecom Serbia und das Sorgenkind Telekom Austria.

Die Dossiers der Delinquenten liegen auf dem Tisch des neuen TI-Vorstands-Vorsitzenden Enrico Bondi, bestätige das Unternehmen. Laut der Mailänder Wirtschaftszeitung "Il Sole - 24 Ore" hat Bondi sogar schon eine Entscheidung getroffen. Details dazu nannten aber weder ein Sprecher des Unternehmens noch die Zeitung.

Klarheit am Donnerstag
Klarheit wird es erst am kommenden Donnerstag geben, wenn der neue TI-Großaktionär, Pirelli-Präsident Marco Tronchetti Provera, den neuen Strategieplan präsentiert. Provera kündigte schon Ende Juli an, dass er sich künftig auf das Kerngeschäft konzentrieren und Auslandsbeteiligungen abstoßen will.

Nur noch das Kerngeschäft
Zur Diskussion steht überraschend auch der Verkauf des Gelbe-Seiten-Anbieters Seat-Pagine Gialle und seiner TV-Tochter La7 (ehemals Telemontecarlo), die TI - noch unter Olivetti-Herrschaft - erst kürzlich gekauft hatte.

Riesige Schuldenlast
Analysten warten vor allem auf einen Finanzplan. Denn die Schuldenlast sei erdrückend: Gemeinsam mit der Dachholding Olivetti weise TI 42 Mrd. Euro (578 Mrd. S) Schulden aus. Angesichts von Konjunktur- und Telekomkrise dürften die Beteiligungen nur mit Verlusten verkauft werden können.

Der Vertrag bindet die ÖIAG bis 2008 an die TI und sichert der TI weiter gehende Rechte zu, als bei einem Viertel-Eigentümer üblich. Zudem ist TI über ihre Mobilfunktochter TIM mit 25 Prozent plus einer Aktie an der TA-Handytochter Mobilkom beteiligt. Insgesamt haben die Italiener für ihre Sperrminoritäten an A1 und TA seinerzeit 35,6 Mrd. S auf den Tisch geblättert.

Vorkaufsrecht
Wollte TI ihre 30 Prozent an Dritte verkaufen, hätte die Staatsholding ein Vorkaufsrecht. Unklar sei, ob die TI-Chefs nur die TA mit dem Festnetz und Internetgeschäft aufgeben, so der Bericht. Bisher sei der Verkauf des hochprofitablen Mobilkom-Anteils nie zur Disposition gestanden.

24.9.2001 10:04