Sonntag, 30. September 2001

Letzter Auftritt von Kurt Jara in Innsbruck?

Der SK Sturm bleibt dem FC Tirol in der max.Bundesliga an den Fersen. Auch wenn der 2:1-Heimsieg am Samstag gegen die Wiener Austria vielleicht etwas glücklich zustande kam, unter dem Strich durften sich die Grazer über die drei zusätzlichen Punkte auf dem Konto freuen. Freuen darf sich auch der Titelverteidiger, der beim 3:0 gegen den SV Salzburg souverän auftrumpfte.

"Ich bin begeistert, wie die Mannschaft derzeit spielt. Und es ist immer wieder ein Vergnügen, die Tabelle anzuschauen", freute sich Kurt Jara, wobei er allerdings nur den Namen seiner Mannschaft fixiert: Rang eins, 11 Spiele, neun Siege, zwei Unentschieden, keine Niederlage, 31:1 Tore, 29 Punkte. Lässt der Tirol-Trainer den Blick allerdings etwas nach unten gleiten, dann steht dort: 2. Sturm, acht Siege, drei Remis, eine Niederlage, 24:9 Tore, 27 Punkte. Das heißt ein Spiel mehr und zwei Zähler weniger.

Der HSV lockt
Durchaus möglich bis wahrscheinlich könnte es allerdings sein, dass Jara am Samstag zum (zumindest vorläufig) letzten Mal den FC Tirol von der Seitenlinie aus dirigierte. Denn der Hamburger SV lockt. "Ein Informationsgespräch über das Sportliche hat bereits stattgefunden, für das Finanzielle ist mein Rechtsberater Vinicio Fioranelli zuständig", sagt Jara, den sein Präsident Martin Kerscher ja nur gegen eine entsprechende Ablösesumme ziehen lassen möchte, wobei von Summen zwischen 2 1/2 bis zehn Millionen Mark die Rede ist.

Neue Herausforderung
"Man muss Prioritäten setzen, immer neue Herausforderungen suchen. Mein Vertrag läuft bis 2004. Wenn ich in Tirol bleibe, gehe ich fast schon auf den Rententeil hin", so der 51-Jährige, der nach seinem Gespräch mit HSV-Manager und Interims-Trainer Holger Hieronymus zur Erkenntnis kam, dass "man eigentlich ja zum HSV sagen muss, auch wenn eine Entscheidung noch nicht gefallen ist". Die sportliche Alleinverantwortung wäre Bedingung. Diese hatte bei den Hanseaten in den Jahren von 1981 bis 1987 schon Ernst Happel, einer der Vorgänger von Jara auch beim FC Tirol.

Happel war erfolgreich
In der Ära unter einem der erfolgreichsten Trainer der Welt (18 Titel) feierte der HSV mit dem Sieg im Europacup der Meister 1983 neben zwei Meisterschaften (82 und 83) und dem DFB-Pokalsieg (87) den größten Erfolg seiner Klubgeschichte. Als Spieler kickten beim HSV mit Norbert Hof (69/70) und Buffy Ettmayer (75-77) zwei weitere Wiener.

Nächste Runde am 10. Oktober
Doch zurück nach Österreich. Jara gab seinen Schützlingen am Sonntag und Montag (die Teamspieler müssen am Montag nach Wien zum ÖFB-Aufgebot einrücken) frei, "das haben sie sich wirklich verdient". Die Meisterschaft wird ja ohnehin erst am 10. Oktober fortgesetzt. Übrigens u.a. mit der Partie Austria Wien gegen den FC Tirol, während Sturm nach Kärnten muss.

Glück für Sturm
Nach der ansprechenden Vorstellung der Violetten gegen Sturm dürfen die Grazer zumindest auf Schützenhilfe der Wiener hoffen. Im Schwarzenegger-Stadion sorgte Mario Haas erst in der 82. Minute mit seinem siebenten Saisontor für den zehnten Heimsieg der "Blackies" gegen die Austria seit dem bisher letzten Erfolg der Wiener in Graz am 26. November 1994 mit dem 4:1 noch in der "Gruabn".

Pfeffer trotz Niederlage zufrieden
Während Ivica Osim in gewohnter Art trotz des Erfolges auch das Negative ("keine gute Mannschaftsleistung, personelle Probleme in der Abwehr usw.", was wohl auch mit der Abschiebung des finanziell aufmuckenden Feldhofer zu den Amateuren zu tun hat) hervorhob, zeigte sich Toni Pfeffer mit der Vorstellung seiner Elf, die nun vier Runden sieglos ist und drei Niederlagen in Folge auf dem Konto hat, zufrieden. "Wir können ruhig in die Zukunft schauen".

Stronach will wieder Spieler kaufen
Der Mann mit dem großen Geld und dem entsprechenden Einfluss, Frank Stronach, war immerhin mit der kämpferischen Leistung der Seinen zufrieden. "Das wird aber eine Zeit dauern, bis die Mannschaft richtig harmoniert." Und es sollen auch wieder neue Spieler gekauft werden, "weil wir nicht richtig eingekauft haben", kündigte Zaungast Stronach an.

Mandl ersetzte Wohlfahrt
Nach dem neuerlichen verletzungsbedingten Ausfall von Teamkeeper Franz Wohlfahrt, durfte der 22-jährige Burgenländer Thomas Mandl anstelle des 37-jährigen Wolfgang Knaller erstmals ran und machte seine Aufgabe recht gut. Der wieder genesene, nach Ansicht seiner Trainer aber wohl nicht völlig fite Christian Mayrleb, vor dem Osim am meisten Respekt gehabt hatte, kam hingegen etwas überraschend erst in der 60. Minute zum Einsatz.

30.9.2001 15:04