Erste Frau unter 2:20 Stunden

Olympiasiegerin Naoko Takahashi aus Japan hat am Sonntag beim 28. Berlin-Marathon für eine neue Weltbestzeit gesorgt. Die 29-Jährige unterbot in 2:19:46 Stunden mit einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg als erste Frau über die 42,195 km die magische Grenze von 2:20 Stunden. Die alte Bestzeit hatte Tegla Loroupe aus Kenia, die am 26. September 1999 an gleicher Stelle 2:20:43 Stunden gelaufen war, gehalten. Die Österreicher Michael Buchleitner und Dagmar Rabensteiner verfehlten hingegen die ÖLV-Bestmarken.
"Strecke und Wetter waren sehr gut und die Zuschauer haben mich hervorragend unterstützt. Ich wollte die Bestzeit unbedingt und bin nun natürlich sehr, sehr zufrieden und glücklich", freute sich Takahashi, die ihren ersten Marathon-Start nach den Olympischen Spielen absolvierte und in Summe 210.000 Mark (107.371 Euro/1.48 Mio. S) an Prämien kassierte, nachdem sie ihr Vorhaben, als erste Frau unter 2:20 zu bleiben, realisiert hatte.
Verhaltener Beginn, starkes Finish
Auch von Wind und leichtem Nieselregen ließ sie sich nicht abhalten. Takahashi, die sich in der Höhenlage von Boulder im US-Bundesstaat Colorado vorbereitet hatte, begann bei ihrem ersten Lauf in Europa und insgesamt sechsten Marathon-Rennen zunächst verhalten, ehe sie auf dem zweiten Teilstück enorm zulegte und dann immer schnellere Zwischenzeiten erzielte als ihre Vorgängerin Loroupe.
Aus dem erwarteten Duell zwischen der Olympiasiegerin und der bisherigen Weltbestzeitinhaberin wurde vor einem Millionen-Publikum an der Strecke nichts. Loroupe riss schnell ab, lag nach 5 km schon 39 Sekunden zurück und verlor am Ende in 2:28:03 als Zweite 8:17 Minuten auf die Japanerin, die auch Weltbestzeiten über 25 (1:22:31) und 30 (1:39:02) km erzielte. Dritte wurde die Berlinerin Kathrin Weßel (2:28:27).
"Hase" siegt bei den Männern
Bei den Männern siegte überraschend der als Tempomacher verpflichtete Joseph Ngolepus aus Kenia. In 2:08:47 Stunden behauptete sich der 26-Jährige bei seinem Marathondebüt vor seinen Landsleuten Willy Cheruiyot (2:09:08), der 2000 in Wien mit dem Streckenrekord von 2:08:48 ebenfalls als "falscher Hase" gewonnen hatte, sowie William Kiplagat (2:09:55) und erhielt dafür insgesamt 65.000 Mark (33.234 Euro/457.309 S).
Buchleitner ist grantig
Der Niederösterreicher Michael Buchleitner wurde in 2:13:03 Stunden 19. und verfehlte damit den angestrebten Uralt-Rekord des Tirolers Gerhard Hartmann (2:12:22/13.4.1986 in Wien) erneut. "Jetzt habe ich einmal die Schnauze voll", lautete der schwer enttäuschte Kommentar des 31-Jährigen, der bei seinem sechsten Marathon-Start zum fünften Mal unter 2:14 Stunden blieb. Den Halbmarathon hatte er in 1:05:32 noch voll ihm Zeitplan absolviert, doch ab Kilometer 29 musste er sich alleine bis ins Ziel quälen, weil die Gruppe, mit der er bis zu diesem Zeitpunkt mitgelaufen war, einfach ein zu hohes Tempo ging. "Das hat mir das Genick gebrochen."
Noch klarer blieb die Tirolerin Dagmar Rabensteiner, die in 2:38:03 auf Platz acht landete, über ihrer eigenen ÖLV-Bestmarke von 2:35:42 (15.10.2000 in Amsterdam). Ihr Trainer Hannes Langer war mit dieser Leistung zufrieden, die Athletin dagegen nicht. "Nachdem ich den Halbmarathon in 1:16 gelaufen war, habe ich mir mehr erwartet und bin deshalb enttäuscht."
Run for Peace
Das mit Abstand größte Laufspektakel in Deutschland mit einem Rekordetat von 5,8 Millionen Mark (2,97 Mio. Euro/40,8 Mio. S) vereinte rund 44.000 Teilnehmer aus 85 Ländern, die nach den Terroranschlägen am 11. September in den USA unter dem Motto "Run for Peace" und im Gedenken an die Toten mit einem Trauerflor am Ärmel antraten. Nahezu 38.000 Läuferinnen und Läufer, Skater, Rollstuhlfahrer und Power Walker nahmen die 42,195 km bei diesem City-Marathon vorbei an den Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt in Angriff. Hinzu kamen 6.300 Jugendliche beim Mini-Marathon.
