Kafelnikow als Nummer 1

Neun Top-20-Spieler treten bei der diesjährigen CA-Trophy in der Wiener Stadthalle an. An Nummer eins gesetzt ist der Russe Jewgenij Kafelnikow, doch der eigentliche Superstar ist Wimbledon-Sieger Goran Ivanisevic. Gemeinsam mit Stars wie Tim Henman, Carlos Moya, Alex Corretja oder Tommy Haas soll er für eine ausverkaufte Stadthalle sorgen.
Wien ist anders. Dies glauben die Organisatoren der 16. CA-Trophy vom 8. bis 14. Oktober in der Wiener Stadthalle. Die zuletzt sehr schwach besuchte Daviscup-Veranstaltung in Wels sei kein Zeichen eines Trends gewesen, der Kartenvorverkauf für die traditionsreiche und größte Tennisveranstaltung Österreichs ist bisher in etwa so verlaufen wie im Vorjahr. Auch sportlich sei man gut bedient. "Wir haben wieder ein ansehnliches Feld. Es fehlt vielleicht der absolute Topstar, aber wir haben neun der Top 20 in der Stadthalle am Start", meinte Turnierdirektor Peter Feigl am Mittwoch in einer Pressekonferenz in Wien.
"Märchenkind" Goran an Nummer 6 gesetzt
Ausgerechnet Jewgenij Kafelnikow führt das Feld der Gesetzten an. Der Russe, der mit einer lustlosen Leistung in Kitzbühel nicht nur das Publikum verärgert hatte, hat aber bei den US Open das Halbfinale erreicht. "Er ist nun einmal die Nummer sechs der Welt, aber eben auch ein Spieler zwischen Genie und Wahnsinn", so Feigl. Der eigentliche Star dieser Auflage der CA-Trophy (Dotation: 800.000 Dollar) ist wohl Goran Ivanisevic, der sich auf der vorläufigen Setzliste an sechster Stelle findet. Der Kroate hatte mit seinem Sensationssieg in Wimbledon für die Tennis-Story des Jahres gesorgt.
Keine Operation
Ivanisevic will übrigens seine schon längst fällige Schulteroperation noch weitere zwei (!) Jahre hinauszögern und mit Schmerz stillenden Mitteln weiter spielen. "Ich habe mit einigen Leuten gesprochen, die sich so einer Operation unterzogen haben und habe beschlossen, weiter die Zähne zusammenzubeissen", meinte der 30-jährige in einem Interview. Er wisse, dass es schmerzen würde, aber: "Es hat auch in den vergangenen drei Jahren weh getan und ich habe das mit Schmerztabletten geschafft."
Eine Operation würde ihn für mindestens vier Monate außer Gefecht setzen und ob er dann schmerzfrei wäre, ist ebenfalls nicht garantiert. Ivanisevic hatte zuletzt sein Heimatland Kroatien nach dem Sieg im Frühjahr über Österreich mit dem Erfolg über Italien in die Weltgruppe gehievt.
Prominentes Starterfeld
In Wien zu sehen sind auch Titelverteidiger Tim Henman (Feigl: "Er hat sich zum Publikumsliebling gemausert") und Vorjahrsfinalist Tommy Haas. Von der jungen "Garde" ist auch der im Entry-System derzeit an zwölfter Stelle liegende Schweizer Roger Federer im Einsatz. Daviscup-Finalist Fabrice Santoro, Alex Corretja sowie Carlos Moya scheinen ebenfalls noch im Kreis der Gesetzten auf.
Hipfl und Koubek mit Wild Cards
Für die österreichischen Daviscupper Markus Hipfl und Stefan Koubek sind zwei Wild Cards reserviert, die dritte wird bis zum letzten Moment für einen spät Entschlossenen bereit gehalten, könnte aber ebenfalls noch einem Österreicher zu Gute kommen. Über die Vergabe der drei Qualifikations-Wild-Cards entscheidet Daviscup-Kapitän Günter Bresnik.
Auch Michael Chang gibt sich die Ehre
Ein Fragezeichen steht auch noch hinter den US-Amerikanern Jan-Michael Gambill und Todd Martin wegen des auf diese Woche verlegten Daviscup-Duells USA-Indien. Auch der ursprünglich geplante Wien-Trip von Jungstar Andy Roddick, der schon zuvor aus privaten Gründen abgesagt hatte, wäre wohl ausgefallen. Gespannt ist man auch auf das erstmalige Antreten von US-Oldie Michael Chang sowie dem Aufsteiger Tommy Robredo (ESP). Auch Montreal-Sieger Andrei Pavel (ROM) wird stark eingeschätzt.
Auf Agassi und Sampras wird verzichtet
Natürlich standen auch die absoluten Charismatiker wie Andre Agassi, Pete Sampras, Gustavo Kuerten, Patrick Rafter und der frischgebackene US-Open-Sieger Lleyton Hewitt zur Diskussion. Doch einige schlossen ein Antreten in dieser Woche überhaupt kategorisch aus (wie Hewitt), Kuerten hat bereits eine Verpflichtung für das zur gleichen Zeit stattfindende Turnier in Lyon und bei einem Rafter habe man ja lange nicht gewusst, ob er überhaupt noch spielen wird. "Außerdem muss gesagt werden, dass die Gagenforderungen dieser Leute teilweise in keiner Relation mehr zur Kosten-Nutzen-Rechnung stehen", sagte Feigl.
Schnellerer Boden, kürzeres Spiel
Der Boden in der Stadthalle wird heuer übrigens um zehn bis 20 Prozent schneller gemacht, weil im Vorjahr die Matches im Schnitt 1:45 Stunden gedauert haben und das ist Feigl zu lang. Die "Side-Events" bilden einerseits wieder die CA-Tennis-Gala (7.10.), für die Ivanisevic und Mansour Bahrami verpflichtet wurden, sowie der Kids-Day (8.10.) vor der Wiener Stadthalle.
