Mittwoch, 26. September 2001

Vor dem Start ins Olympiajahr

Der Ski-Saisonauftakt steht vor der Tür, doch der absolute Superstar der letzten Jahre, Hermann Maier, wird nicht dabei sein: Die große Chance für das restliche ÖSV-Team, ins verdiente Rampenlicht zu fahren. Doch gerade bei den Männern wütet der Verletzungsteufel. Die neue Nummer eins im Herren-Team: Stephan Eberharter.

Der heimische Schnee hat sie wieder. Die österreichischen Skiasse haben nach dem Ausflügen auf Schweizer Gletscher und nach Chile in dieser Woche mit der intensiven Vorbereitung auf den Ski-Weltcup begonnen. Im Pitztal versammelte sich in dieser Woche fast die gesamte ÖSV-Elite - die Super G/RTL-Gruppe der Herren, die Abfahrts- und Slalom-Mannschaft der Damen und der Nachwuchs holen sich auf dem Tiroler Gletscher den Feinschliff für das Olympiajahr.

Durch Maiers Ausfall werden Karten neu gemischt
Für die Herren beginnt das Jahr ohne Hermann Maier, der nach seinem schweren Motorradunfall ausfällt. Eine Verlust, der die Mannschaft schwächt, aber auch die Chance beinhaltet, aus dem Schatten des "Herminators" zu treten. "Die Karten werden sicher neu gemischt", weiß auch Herren-Cheftrainer Toni Giger, "aber jeder muss einfach das nötige Selbstbewusstsein haben. Das Fehlen von Hermann kann sicher eine Chance sein, wenn die Anfangsdepression vorbei ist. Normalerweise sind Mannschaften an einem Superstar immer zerbrochen, wir haben aber konstant gute Leistungen gehabt. Das gibt Hoffnung."

Herren-Lazarett
Doch auch abseits von Maier sind nicht alle topfit. So werden Andreas Schifferer, Christoph Gruber, Werner Franz, der sich im Sommer die Hand brach, und Thomas Sykora nach Verletzungen ihr Comeback geben. Auch Hans Knauß - von einer langwierigen Kniekehlenentzündung geplagt - kann nach langer Zeit wenigstens schon wieder Ski fahren. Und auch Pepi Strobl kämpft mit Problemen, er musste die Anreise ins Pitztal wegen einer Sprunggelenksverletzung verschieben.

Eberharter bleibt cool
Die Rolle der Nummer eins im Team müsste so im kommenden Jahr Stephan Eberharter zufallen. Der Zillertaler nimmt das cool. "Damit beschäftige ich mich gar nicht. Was kommt, das kommt. Das Ziel sind natürlich Siege und wenn möglich ein Disziplinen-Weltcup", erklärt der Abfahrts-Vizeweltmeister. Eberharter hat sich konditionell diesmal sehr individuell vorbereitet. "Das hat auch sein gutes, jeder braucht seine Geheimnisse", erklärt er, auch wenn er selbst wenig neue Wege ging. "Die Zeit der großen Experimente ist vorbei." Das hofft "Steff" auch im Riesentorlauf, im Vorjahr seine Schwachstelle.

Schifferer optimistisch, Knauß geduldig
Die "Ex-"Verletzten trainieren im Pitztal schon alle fest mit. Andreas Schifferer fühlt sich nach Kapsel- und Seitenbandriss und Impressionsbruch im Knie bereits wieder blendend. "Ich bin wieder auf meinem alten Level, auch wenn ich mich in Chile in der Abfahrt zwei Mal verfahren habe." Tiefes Durchatmen gab es auch bei Hans Knauß: "Ich kann wenigstens frei Ski fahren, es ist sogar Teil der Therapie. Das gibt Auftrieb, nur brauche ich bei dieser Infektion viel Geduld."

"Meissi" macht den Trainern Sorgen
Bei den Damen läuft alles nach Plan. Die Topleute Renate Götschl, Michaela Dorfmeister und Brigitte Obermoser sind fit, nur Alexandra Meissnitzer macht nach wie vor Sorgen. Die Abtenauerin hat nach wie vor Probleme mit ihrer Patella-Sehne. "Sie ist so ehrgeizig, trainiert teilweise mit Tränen, aber eine Druckstelle unter der Sehne macht zu viele Schmerzen", erklärte Bernd Zobel. Cheftrainer Karl Frehsner organisierte einen Therapieaufenthalt in Basel zur Besserung.

Fehlt der letzte Biss?
Mit dem bisherigen Training ist Zobel zufrieden, nur eine leichte Kritik äußerte er. "Ich kenne die Mädchen noch nicht so gut, aber manchmal hatte ich in Chile den Eindruck, als ob der letzte Biss bei Einigen fehlt. Ich bin der Meinung, dass man bei allen Bedingungen ein Mal an seine Grenzen gehen muss. Nicht jeden Tag, aber doch kontinuierlich."

Stress pur
Der Terminstress vor dem Auftakt ist für die Skistars enorm. Jede Woche zumindest fünf Tage am Gletscher, dazwischen Auftritte wie die der Medaillengewinner von St. Anton am Samstag in Wien beim Tag des Sports. Und natürlich auch Zeit- und Qualifikationsläufe, bei denen bei den Herren auch Rainer Salzgeber, Mario Reiter, etc. eine neue Chance bekommen.

26.9.2001 14:54