Samstag, 29. September 2001

Opfer bekam seit Monaten Morddrohungen

Die eskalierende Gewalt in Nordirland hat wieder ein Menschenleben gefordert. In Lurgan südwestlich von Belfast wurde am Freitag ein Journalist vor seinem Haus erschossen. Das Opfer wohnte in einer Siedlung, in der sowohl Protestanten als auch Katholiken leben.

Der erschossene Mann war ein katholischer Journalist: Der Reporter Martin O'Hagan wurde aus einem vorbeifahrenden Auto erschossen, als er sich mit seiner Frau auf dem Nachhauseweg von einem Pub befand, wie die Polizei mitteilte. Die Frau wurde nicht getroffen. Martin O'Hagan ist der erste Journalist, der in dem seit drei Jahrzehnten andauernden Nordirlandkonflikt bei einem Anschlag ermordet wurde.

O'Hagan, der für die irische Zeitung "Sunday World" aus Nordirland berichtete, soll bereits seit mehreren Jahren Morddrohungen erhalten haben. Er hatte sich mit Reportagen über paramilitärische protestantische Gruppen viele Feinde gemacht.

"Anschlag auf die Pressefreiheit"
Der Herausgeber der Zeitung, Jim McDowell, sprach von einem Anschlag auf die Presse- und Meinungsfreiheit in Nordirland. 1993 war O'Hagan nach einem Bombenanschlag auf die Redaktionsräume der Zeitung in Belfast vorübergehend aus Nordirland geflohen. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat am Freitag.

Protestantenführer Trimble: "Feige Tat"
Der nordirische Protestantenführer David Trimble hat am Samstag den tödlichen Überfall auf einen katholischen Journalisten verurteilt, den eine Protestantenmiliz am Freitagabend verübt hatte. Trimble appellierte an die Bevölkerung, bei der Aufklärung der "feigen" Tat mitzuhelfen. Die Protestantenmiliz "Verteidiger der roten Hand" hatte sich zu dem Überfall bekannt.

29.9.2001 07:34