Freitag, 28. September 2001

Angeklagter will mit Gericht kooperieren

Der bosnische Ex-Minister und ehemalige Armeechef Sefer Halilovic hat sich vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal für nicht schuldig erklärt. Er wird für den Tod von 63 Kroaten im September 1993 verantwortlich gemacht. Halilovic, der sich freiwillig gestellt hat, gab an, dass er die Anklage nicht verstanden habe.

Nach dem Verlesen der Anklageschrift, in der ihm Verstöße gegen das Kriegsvölkerrecht vorgeworfen werden, sagte Halilovic: "In Namen des barmherzigen Gottes, ich erkläre, dass ich nicht schuldig bin".

"Ich habe verstanden, dass ich angeklagt bin, ich habe mit meinem Rechtsvertreter gesprochen, aber die Anklage habe ich nicht verstanden", zitierte die Belgrader Nachrichtenagentur Beta den 49-jährigen Halilovic, der noch vor einigen Tagen Flüchtlingsminister in der Regierung der moslemisch-kroatischen Föderation war.

Diskussion mit Anklägerin
Der Anwalt von Halilovic, Faruk Balijagjic, erklärte nach der ersten Verhandlungsrunde: "Wir werden mit dem Gericht in diesem Fall völlig kooperieren, weil wir die Feststellung der Wahrheit wollen, wie immer diese aussehen mag". Nach der nur etwa zehnminütigen Verhandlung hätte sich eine Diskussion zwischen der Chefanklägerin Carla del Ponte mit Halilovic und dessen Anwalt ergeben und es hätte den Anschein gehabt, dass diese Gespräche außerhalb des Gerichtssaals fortgesetzt würden, berichtete Beta.

Freiwillig gestellt
Halilovic hatte sich am 25. September freiwillig dem UNO-Tribunal gestellt. Er ist der insgesamt vierte Offizier der bosnischen Armee im UNO-Gefängnis in Scheveningen. Halilovic wird für den Tod von 62 kroatischen Zivilisten und einem Gefangenen im September 1993 in Grabovica und Uzdol verantwortlich gemacht.

Tötungen nicht verhindert
Als damaliger Kommandant der Operation "Neretva 93" und stellvertretender Kommandeur des obersten Stabs der Streitkräfte Bosniens habe er nichts unternommen, um die Morde zu verhindern oder die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, heißt es in der Anklage. So habe er etwa nicht interveniert, als Soldaten ankündigten, Zivilisten erschießen und die Leichen in den Fluss Neretva werfen zu wollen. In der Anklageschrift werden 33 Namen von Mordopfern aus Grabovica und 29 Namen von Zivilopfern aus Uzdol angeführt.

28.9.2001 08:45