Donnerstag, 27. September 2001

Gaza-Streifen vorübergehend offen

Israel hat den Palästinensern erneut eine 48-stündige Frist zur Beendigung der Gewalt im Nahen Osten gesetzt. Die mit Palästinenser-Präsident Yasser Arafat am Mittwoch vereinbarte Waffenruhe habe Sonntag Früh begonnen, sagte Außenminister Shimon Peres dem israelischen Armeerundfunk. Israelische Soldaten haben Sonntag früh im Norden des Westjordanlands zwei palästinensische Arbeiter bei dem Versuch erschossen, heimlich auf israelisches Gebiet vorzudringen. Trotzdem wurde beschlossen, die Abriegelung der Autonomiegebiete zu lockern.

Das israelische Sicherheitskabinett hatte sich am Morgen darauf geeinigt, an der vereinbarten Waffenruhe zunächst für 48 Stunden festzuhalten. Ein Sprecher von Ministerpräsident Ariel Sharon sagte zu AFP, sollte es Arafat nicht gelingen, die Gewalt innerhalb dieser Frist einzudämmen, werde das Sicherheitskabinett erneut zusammenkommen, um "Maßnahmen zur Selbstverteidigung" zu beschließen. Dazu gehöre auch die erneute Besetzung von Autonomiegebieten.

Arafat: "Vorsätzliche Eskalation"
Angesichts der anhaltenden Gewalt im Nahen Osten warf Arafat Israel vor, den Konflikt weiter anzuheizen. Trotz der politischen Verständigung mit Peres betrieben bestimmte militärische und politische Führer in Israel eine "vorsätzliche Eskalation", was zu einer weiteren Verschlechterung der Lage beitrage, sagte Arafat in Kairo. Er wollte darüber auch mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak bei einem Treffen zu Mittag beraten. Seit der Vereinbarung der Waffenruhe am Mittwoch kamen bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der israelischen Armee 18 Palästinenser ums Leben, Dutzende wurden verletzt.

Gaza-Streifen geöffnet
Die israelischen Behörden öffneten unterdessen im Gaza-Streifen den Grenzübergang Rafah nach Ägypten. Der Übergang sei zwischen 8.00 Uhr und 17.00 Uhr geöffnet, teilten die palästinenischen Sicherheitskräfte in Gaza mit. Die Grenze war am Mittwoch anlässlich des Yom Kippur-Festes aus Sicherheitsgründen geschlossen worden. Das israelische Sicherheitskabinett beschloss in seiner nächtlichen Sitzung auch, die Abriegelung der Autonomiegebiete wieder zu lockern. Laut öffentlichen Rundfunk sollten am Sonntag die Blockaden um die autonome Stadt Jericho im Westjordanland teilweise wieder abgebaut werden.

Wieder zwei Tote am Sonntag
Israelische Soldaten haben Sonntag früh im Norden des Westjordanlands zwei palästinensische Arbeiter bei dem Versuch erschossen, heimlich auf israelisches Gebiet vorzudringen. Nach Krankenhausangaben kamen die beiden 19 und 50 Jahre alten Männer aus den Flüchtlingslagern von Balata und Askar bei Nablus.

Die Soldaten schossen auf die beiden Wagen, mit denen die Männer versuchten, illegal über die Grenze zu gelangen. Dabei wurden drei weitere palästinensische Arbeiter leicht verletzt. Seit Mittwoch gilt erneut eine brüchige Waffenruhe zwischen beiden Seiten, die jedoch von beiden Seiten wiederholt verletzt wurde.

27.9.2001 21:32