Appell an Jugend

Mit einem Aufruf zum Frieden im Konflikt um die Enklave Nagorny Karabach hat Papst Johannes Paul II. seinen Besuch in Armenien begonnen. Die armenische Führung, die sich mit Aserbaidschan seit Jahren wegen der Enklave im Konflikt befindet, rief der Papst am Dienstag in Eriwan dazu auf, die Menschenrechte zu achten und sich für eine friedliche Lösung einzusetzen.
Der Papst wurde von Präsident Robert Kotscharian und dem Oberhaupt der armenischen Christen, Karekin II., als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche in Armenien empfangen.
Bei seinem dreitägigen Besuch in der ehemaligen Sowjetrepublik wollte der Papst an den Feierlichkeiten anlässlich der Christianisierung des Landes vor 1700 Jahren teilnehmen. Johannes Paul II. erinnerte in seiner Ansprache daran, dass Armenien das Christentum als erstes Land der Welt als Staatsreligion angenommen hatte. Er sprach - unter Anspielung auf den Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs - von "unsäglichem Terror und Leiden", die das armenische Volk im 20. Jahrhundert erlitten habe.
Die zwischen Armenien und Aserbaidschan umstrittene Enklave Berg-Karabach liegt auf aserbaidschanischem Territorium, wird aber fast ausschließlich von Armeniern bewohnt und von armenischem Militär kontrolliert. Seit 1991 wurden in einem blutigen Konflikt zahlreiche Bewohner in die Flucht geschlagen. Nur wenige kehrten seither zurück. Seit einem 1994 vereinbarten Waffenstillstand bemüht sich die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa um eine politische Lösung.
Der Papst reiste anschließend nach Etschmiadsin weiter, dem Sitz der apostolischen Kirche. Eine Rede dort musste er offenbar aus Erschöpfung abbrechen. Der Papst leidet an Symptomen der Parkinson'schen Krankheit. Ein Priester verlas den Rest der Rede. Johannes Paul II. verfolgte den Vortrag in einem Sessel zusammengesunken.
Der Papst war aus Kasachstan nach Armenien gekommen. Dort nutzte er auch seinen letzten öffentlichen Auftritt dazu, zum Frieden aufzurufen. Mit Blick auf die Terroranschläge in den USA und die angedrohte Vergeltung wandte er sich an die Jugend des zentralasiatischen Landes und bat sie, die Bemühungen um "Dialog und Harmonie" zu verstärken. "Wegen eurer geographischen Lage seid ihr ein Grenzland und ein Land der Begegnung", sagte Johannes Paul II. zum Abschied in Astana.
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