Neue Motivation für Kampf gegen Geldwäsche

Der Gedanke ist grausam und zynisch. Dennoch: Dass die Terroristen mit ihrer Tat Spekulationsgewinne gemacht haben, wird immer wahrscheinlicher. Die Ermittler hoffen sogar darauf. Denn möglicherweise führen die Spuren an der Börse zielgenau zu den Hintermännern des Anschlags.
Die britische Börsenaufsicht untersucht nach eigenen Angaben derzeit einige ungewöhnlich große Aktienmarkttransaktionen im Vorfeld der Anschläge in New York und Washington. Die Handelsvolumina in der Woche vor den Anschlägen seien hoch, aber nicht außergewöhnlich gewesen, sagte der Chef der Financial Advisory Authority (FSA), Howard Davies, am Dienstag in London.
Ungeachtet dessen habe es bei einigen Aktienwerten deutliche Bewegungen gegeben, die nun unter die Lupe genommen würden. Auch habe es einige "unerfreuliche" Beispiele von agressivem Short-Selling gegeben. Beim so genannten Short-Selling ("Leerverkäufen") spekulieren Investoren auf fallende Kurse und verkaufen Aktien, die sie gar nicht besitzen, sondern sich gegen eine Gebühr ausleihen.
Verdacht auch in Deutschland
Bundesbank-Präsident Ernst Welteke sagte am Wochenende unter Berufung auf eine Untersuchung in Deutschland, es gibt deutliche Hinweise auf ungewöhnliche Aktienbewegungen. Dies gilt nicht nur für die Aktien der unmittelbar betroffenen Branchen - wie Fluggesellschaften und Versicherungen -, sondern auch für die Gold- und Ölmärkte. Es ist aber sehr schwer, den Verdacht auch nachzuweisen.
Die größte Börsen-Untersuchung aller Zeiten läuft an
Die US-Börsenaufsicht SEC hat die größte und aufwendigste Untersuchung in der Geschichte der Finanzmärkte eingeleitet. Es geht um die Terroranschläge in New York und Washington. Hintergrund der gigantischen Ermittlung ist dabei ein grausamer Verdacht: Die Terroristen oder ihre Hintermänner haben möglicherweise die Weltfinanzmärkte benutzt, um mit ihrer Tat Millionen zu verdienen.
Denn wer wusste, dass der Anschlag auf das World Trade Center bevorstand, der konnte sich denken, dass bestimmte Aktien danach dramatisch fallen. Er musste sich die Stücke also nur leihen und verkaufen - um sie dann nach dem Attentat viel billiger zurückzukaufen und an den Verleiher zurückzugeben.
Derivat-Handel
Doch ein Insider konnte sich sogar noch auf unkompliziertere und effektivere Weise bereichern: Er brauchte nur eine der vielen Verkaufsoptionen auf diese Aktien zu erstehen, wie sie tagtäglich an den Terminbörsen gehandelt werden. Der Clou dabei: Sinkt der Kurs der Aktie, steigt der Preis der Verkaufsoption - und zwar überproportional.
20-fache Nachfrage für American Airlines-Optionen vor dem Anschlag
In der Tat haben die US-Behörden Grund für ihren Verdacht: So stiegen die Umsätze der in den USA gehandelten Verkaufsoptionen auf American Airlines vor der Terrorserie bis auf das 20fache des normalen Volumens. Um den Profiteuren auf die Spur zu kommen, wollen die US-Behörden von der Londoner, aber auch von vielen anderen europäischen Finanzaufsichtsbehörden alle Handelsdaten über sämtliche US-Wertpapiere, die an den jeweiligen Finanzplätzen gehandelt wurden - und zwar zwischen dem 27. August und dem 11. September.
Auffällige Kursbewegungen auch bei deutschen Aktien
Aber auch bei deutschen Firmen, die von dem Anschlag betroffen sind, gibt es auffällige Kursbewegungen: So knickten die Aktien von Lufthansa, Allianz und Münchener Rück in den Tagen vor dem Anschlag, bei leicht erhöhten Handelsumsätzen, auffällig ein. Die deutsche Wertpapieraufsicht untersucht den Vorgang inzwischen.

