U-Richter muss eine Sperre verfügen

Erfolgreicher Kampf gegen den Terror - auf der finanziellen Seite: In Wien wurden sechs verdächtige Konten eingefroren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Ein Millionen-Konto dürfte auch mit Top-Terrorist Osama bin Laden zusammen hängen. Es gehört einer Hilfsorganisation, die Waffenkäufe für Bosnier im Balkankrieg finanziert und organisiert haben soll. Ein Teil der Gelder soll von bin Laden stammen.
Über eine dauerhafte Sperre der Konten muss ein Untersuchungsrichter entscheiden. Mehr als 5 Milliarden Schilling für die Balkangeschäfte flossen laut Ermittlungen über Wien - ein Teil der Gelder soll von Bin Laden stammen. Eine weitere Spur soll nun über Luxemburg direkt ins wirtschaftliche Zentrum des Netzwerks von Osama bin Laden führen.
Finanzmittel von Osama Bin Laden, der von den USA für den Anschlag auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington verantwortlich gemacht wird, sollen über die in Wien ansässige "Third World Relief Agency" (TWRA) geflossen sein.
Über die TWRA sollen Geldmittel für den Kampf der bosnischen Muslime im Balkankrieg beschafft worden sein. Die TRWA wurde aus Spenden islamischer Staaten (wie Saudi-Arabien und dem Iran) aber auch von reichen privaten Geldgeber gespeist und hätte auch zur Finanzierung von Waffenlieferungen gedient.
Keine konkreten Personen im Verdacht
Seit 1992 verfügte die TRWA über Konten. Insgesamt dürften zwischen 1992 und 1995 rund 350 Mio. Dollar oder umgerechnet mehr als 5,12 Mrd. S. über die TRWA-Konten geflossen sein. Bei der gerichtlichen Überprüfung eines ihrer Konten vor mehreren Jahren konnte die Hilfsorganisation allerdings nachweisen, dass die Gelder nur für humanitäre Hilfslieferungen verwendet wurden. Konkrete Verdachtspersonen, die mit den Konten in Verbindungen stehen, gibt es bisher noch nicht.
Als Chef der TWRA soll der Sudanese Elfatih Hassanein fungiert haben, der in Wien offiziell als Kulturattaché der sudanesischen Botschaft akkredidiert war. Ausgestattet mit einem Diplomatenpass hätte sich Hassanein als Waffenbeschaffer für den damaligen bosnischen Präsidenten Alija Izetbegovic betätigt. Hassanein war zudem Osteuropa-Beauftragter der "National Islamic Front", jener islamistischen sudanesischen Partei, die Osama Bin Laden zu Beginn der neunziger Jahre gestattete, im Sudan Camps zur Terroristen-Ausbildung einzurichten.
Die TWRA soll auch Verbindungen zu dem verurteilten ägyptischen Scheich Abdel Rahman unterhalten haben, der in den USA wegen des ersten Anschlags auf das World Trade Center im Jahr 1993 inhaftiert ist.
Hassanein wurde 1994 wegen Missbrauchs der österreichischen Gastfreundschaft des Landes verwiesen. Er ist im Wiener Firmenbuch jedoch weiterhin als Mehrheitsgesellschafter und Geschäftsführer einer Trade for Aid HandelsgmbH eingetragen. Als weiterer Gesellschafter und zweiter Geschäftsführer fungiert Elfatih Hassaneins Bruder Sukarno, der mittlerweile auch den Vorsitz bei der TRWA übernommen hat, die weiterhin in Österreich tätig ist.
Die angesehe US-Tageszeitung "Washington Post" berichtete bereits im Jahr 1996 über die finanziellen Kontakte Bin Ladens nach Wien: "Der reiche Saudi Osama Bin Laden, der im Verdacht steht, militante Islamisten im Nahen Osten zu unterstützen, hat der TWRA Geld zukommen lassen, damit diese Waffenkäufe tätigen kann."
Bin Ladens Spur könnte nach Luxemburg führen
In den Ermittlungen gegen die Hintermänner der Terroranschläge in den USA prüft die Luxemburger Justiz eine Spur, die direkt ins wirtschaftliche Zentrum des Netzwerks von Osama Bin Laden führen könnte. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, wollte ein französischer Anwalt kürzlich im Auftrag eines Mandanten über Luxemburg eine Finanztransaktion in zweistelliger Millionenhöhe organisieren.
"Wegen des Verdachts auf Geldwäsche und einer vermuteten Verbindung zum finanziellen Umfeld des Terroristen Osama Bin Laden" hat die Bank das Geschäft abgelehnt und der Staatsanwaltschaft gemeldet, sagte Lucien Thiel, Chef des Luxemburger Bankenverbandes. Bereits am vergangenen Mittwoch hatte der Direktor im luxemburgischen Finanzministerium, Jean Guill, mitgeteilt, die Kommission zur Überwachung des Finanzsektors (CSSF) hat alle Geldinstitute zur Überprüfung ihrer Buchhaltung aufgefordert.
USA sperren 24 Mio.Dollar der Taliban und El Kaidas
Die USA haben nach eigenen Angaben Vermögenswerte in Höhe von 24 Millionen Dollar (26,3 Mill. Euro/361 Mill. S) der in Afghanistan regierenden Taliban und der radikal-islamischen El-Kaida-Gruppe gesperrt. Dies sagte US- Präsident George W. Bush bei einer Kabinettssitzung am Donnerstag. "Wir haben gerade angefangen", sagte er. US- Finanzminister Paul O'Neill sagte anschließend, 62 Länder hätten bisher Anweisung erteilt, die Konten von extremistischen Gruppen zu sperren. Insgesamt 102 Staaten hätten ihre Bereitschaft signalisiert, sich an diesem Vorgehen zu beteiligen.
Nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York und das US-Verteidigungsministerium bei Washington haben die USA einen internationalen Kampf gegen den Terrorismus ausgerufen. Dazu gehört nach ihren Angaben auch, die Finanzierung der von ihnen des Terrorismus angeklagten Gruppen zu unterbinden. Für die Anschläge machen die USA den Chef der El Kaida, Osama bin Laden, verantwortlich, den die Taliban Gastrecht gewährt haben.

