Überblick: Wer wie viele Jobs kündigt

Einige bekannte Namen unter den großen europäischen Fluggesellschaften werden nach Einschätzung der britischen Billigfluggesellschaft Easyjet schon bald vom Himmel verschwinden. US-Linien müssen mehr als 100.000 Mitarbeiter kündigen! Welche Airlines in der Krise stecken, wo Jobs wackeln, sehen Sie auf unserer Tabelle:
"Wenn wir in den kommenden sechs Monaten nicht drei bis sechs der alten Staatslinien verlieren, dann funktioniert der Markt nicht", sagte Easyjet-Chef Stelios Haji-Ioannou. Dies habe aber nichts mit den Auswirkungen des Terroranschlags gegen die USA zu tun, sondern sei eine mehr als überfällige "Marktentscheidung". Pleitekandidaten für ihn: Sabena, Swissair, TAP Portugal, Olympic, Aer Lingus "und vielleicht auch KLM". Staatliche Hilfen lehnt er ab. Statt zu klagen, sollten die Firmen "sich lieber verkleinern und ihre Preise senken".
Swissair spart - Gate Gourmet streicht 3.000 Jobs
Die Swissair ergreift radikalere Maßnahmen, um ihr Überleben zu sichern. Das Unternehmen will die Flugaktivitäten und das flugverwandte Geschäft restrukturieren. Ableger Crossair soll voll integriert werden. Bei Gate Gourmet werden 10 Prozent der über 30.000 Stellen gestrichen.
Sicherheitszuschlag bei KLM
Die niederländische Fluggesellschaft KLM erhebt ab sofort einen Sicherheitszuschlag von 5 US-Dollar (5,43 Euro/74,8 S) für jeden Flugschein. Wie ein Sprecher am Montag in Amsterdam mitteilte, hat der Zuschlag mit zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen seit den Terroranschlägen in den USA zu tun.
Neue Deckungssumme verbietet Jets auf einigen Flughäfen die Landung
Bei Neuverträgen wird die Deckung von 1 Mrd. Dollar auf nur noch 50 Mill. Dollar (54,3 Mill. Euro/748 Mill. S) gesenkt und die Prämien kräftig erhöht. Einige Flughäfen erlauben allerdings Fluggesellschaften mit dem geringeren Versicherungsschutz für Drittschäden keine Landung. Staatliche Haftungsgarantien können den Fluggesellschaften kurzfristig aus der Klemme helfen.
Krisengeschüttelte US-Flugbranche
Die krisengeschüttelte US-Flugbranche bekommt als rasche Hilfe 15 Milliarden Dollar (16,2 Mrd. Euro/223 Mrd. S). Die Finanzminister der EU haben sich darauf verständigt, den angeschlagenen europäischen Fluglinien keine direkten Beihilfen, sondern zeitlich begrenzte Garantien für Haftungen zu geben. Man will Wettberwerbs-Verzerrungen vermeiden. Um die Flugsicherheit zu erhöhen, soll unter anderem das Projekt "single sky" kommen: Eine einheitliche Luftraum-Überwachung.
Explosion der Versicherungskosten
Allein die Ausgaben für Luftverkehrsversicherungen werden durch die Prämienerhöhungen bei den Drittschäden aus dem Risiko "Krieg und Terror" verdreifacht. Damit nicht genug: Ab Dezember - wenn die neuen Verträge für die AUA-Flotte abgeschlossen werden, droht auch eine Steigerung der Kaskoprämien für das Krieg- und Terrorrisiko um das 5 bis 15-fache.
Die Situation der einzelnen Flugunternehmen:
| Fluglinie | Land | Ankündigung der Flugzeughersteller |
| Alitalia | Italien | + Streichung von 2.500 Arbeitsplätzen + Verkauf der Boeing 747 geplant |
| AER Lingus | Irland | + Abbau Flugkapazitäten um mindestens 25 Prozent + Einstellung der Flüge zwischen Irland und Washington sowie Newark + Flugzeugflotte wird um sieben Maschinen reduziert + Niedrigere Flugfrequenz |
| Air France | Frankreich | + es werden keine weiteren Flugzeuge angemietet + Betrieb von 17 Maschinen wird eingestellt + Flugangebot wird reduziert, v.a. nach Nahost + Weniger Cargo nach Nordamerika |
| American Airlines | USA | + Abbau von mindestens 20.000 Stellen |
| American Trans Air | USA | + zeitweiser Abbau von 1.500 Arbeitsplätzen + Reduzierung der Flugkapazitäten um 20 Prozent |
| American West | USA | + Abbau von 2.000 Arbeitsplätzen + Reduzierung der Flugkapazitäten um 20 Prozent |
| Asiana Airlines | Korea | + Reduzierung der Umsatzerwartung um zehn Prozent + Gewinn vor Steuern fällt um 30 Prozent + erwarteter Verlust: mehr als sechs Milliarden Won |
| Boeing Co | USA | + Abbau von bis zu 30.000 Arbeitsplätzen bis 2002 + Prognostizierter Rückgang bei Flugzeug-Lieferungen: 2001 - Rückgang auf 500 von zuvor erwarteten 538 Maschinen 2002 - Rückgang auf rund 400 von zuvor erwarteten 510 bis 520 Maschinen |
| British Airways | Großbritannien | + Abbau von 7.000 Arbeitsplätzen + Kürzungen bei Transatlantikflügen + Verkauf des Konzernsitzes, um Geld aufzutreiben |
| Continental Airlines | USA | + Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen Kürzungen bei Flugplänen + Verschiebung Börsengang der Tochter ExpressJet |
| Delta Air Lines | USA | + Abbau Flugkapazitäten um 20 Prozent |
| Iberia | Spanien | + Umsatzrückgang um 30 Prozent + Nettoverlust 2001 möglich |
| Korean Air Lines | Korea | + geschätzter Verlust von 20 Mrd. Won (14,4 Mio. Dollar) + 2001 Ebit-Verlust von 12 Mrd. Won + 2001 Umsatzrückgang auf 5,86 Billionen Won von zuvor sechs Billionen Won |
| KLM | Niederlande | + Erwarten 2001 operativen Verlust |
| Lufthansa AG | Deutschland | + schließen 2001 operativen Verlust nicht aus + Bestellung von bis zu 19 Flugzeugen auf Eis gelegt + Reduktion der Flotte um 28 der 236 Passagiermaschinen + Einstellungsstopp + Abbau von Stellen durch Fluktuation |
| Northwest Airlines | USA | + Reduzierung der Flugkapazitäten um 20 Prozent + erwägen möglichen Arbeitsplatzabbau |
| SAS | Schweden | + erwarten "signifikant negative" Auswirkungen + werden Kapazitäten kürzen |
| U.S. Airways | USA | + Abbau von 11.000 Arbeitsplätzen + Flugpläne werden um 23 Prozent gekürzt |
| United Airlines | USA | + Flugpläne werden weltweit um 20 Prozent gekürzt + Abbau von 20.000 Stellen |
| Varig | Brasilien | + Abbau von 1.750 Stellen + Reduktion der Flotte: Regional 14% Interkontinental 8% |
| Virginia Atlantic | Großbritannien | + Abbau von 1.200 Stellen + fünf Flugzeuge bleiben am Boden + Transatlantikflüge werden um ein Fünftel reduziert |

