Freitag, 21. September 2001

Keine Stornos von laufenden Projekten

Der von den USA angedrohte Militärschlag gegen Afghanistan könnte drastische Auswirkungen auf Österreichs Außenhandel mit der gesamten Krisenregion haben. Investitionen in die Privatisierung und Diversifizierung der nationalen Wirtschaften im Nahen Osten, vor allem in den Tourismus, dürften verschoben, neue Produktionskapazitäten nicht erschlossen werden.

"Die Kaufleute der arabischen Welt sind vorsichtig und überlegt. In dieser Situation werden sie sicherlich eine 'Wait and See'-Haltung einnehmen", analysiert der Nahost-Experte der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Fritz Langer.

In den vergangenen zwei bis drei Jahren seien heimische Firmen in der arabischen Welt besonders aktiv gewesen. Gute Geschäfte vor allem bei Konsumgütern - etwa bei Fruchtsäften und Energy Drinks, die in den neuen Luxushotels von westlichen Touristen gefragt seien - konnten angebahnt werden, so Langer. Österreichische Firmen würden nun auf diesem ohnehin schon schwierigen und sensiblen Markt einen merkbaren Rückschlag erleiden.

Österreich hat im Jahr 2000 Fahrzeuge, Maschinen, chemische Erzeugnisse und Konsumgüter im Wert von 10,5 Mrd. S (763 Mill. Euro) in den Nahen Osten exportiert, in die Türkei Waren im Wert von weiteren 6,6 Mrd. S sowie nach Afghanistan und Pakistan von mehr als 400 Mill. S. Diese Krise komme zum ungünstigsten Zeitpunkt, so Langer. Denn in diesen Wochen hätten die Bestellungen für das zweite Halbjahr eintreffen sollen. Dieses Neugeschäft dürfte Österreich nun entgehen und werde schwer nachzuholen sein, befürchtet Langer: "Es ist zu befürchten, dass die Auswirkungen auf den österreichischen Außenhandel nicht unter einem Rückgang von zehn Prozent bleiben werden".

Noch im ersten Halbjahr 2001 konnten beachtliche Steigerungsraten in Österreichs Handel mit der Krisenregion erzielt werden, belegen die jüngsten Daten der WKÖ-Außenhandelsstatistik. In den Nahen Osten wurden Waren im Wert von 6,1 Mrd. S geliefert, um 28 Prozent mehr als in der entsprechenden Vorjahresperiode.

Als Vorsichtsmaßnahme im Hinblick auf einen möglichen militärischen Gegenschlag der USA in Afghanistan hat der Öl- und Gaskonzern OMV seine Mitarbeiter aus Pakistan schon komplett abgezogen. Auch die Außenhandelsstelle der Wirtschaftskammer ist nicht mehr besetzt.

21.9.2001 13:15