Asiatische Börsen mit Verlusten - Wall-Street belastet

Die bereits zuvor stark angeschlagenen Europäischen Aktienmärkte haben ihre seit den Terroranschlägen in den USA dramatisch beschleunigte Talfahrt auch am Freitag fortgesetzt. Praktisch alle Indizes der europäischen Finanzplätze wiesen am Freitag durch die Bank ein Tagesminus von mehr als fünf Prozent auf. Auch der Wiener ATX konnte sich von den internationalen Kurseinbrüchen nicht abkoppeln.
Um 14:30 Uhr notierte der heimische Index bei 1.038,24 Punkten und damit 5,14 Prozent unter dem Vortagesschluss.
Der deutsche Leitindex DAX fiel bis 14:30 Uhr im Tagesvergleich um 6,50 Prozent auf 3.562,08 Punkte. Seit Monatsbeginn weist der DAX damit ein dramatisches Minus von mehr als 31 Prozent auf. Sollte sich der Index bis Ende September nicht erholen, würde der DAX damit den historisch größten Monatsverlust aller Zeiten erleiden, führte die Bankgesellschaft Berlin-Aktienstrategin Gertrud Traud gegenüber der APA aus: "Das hat es absolut noch nie gegeben". Den bisher größten monatlichen Verlust erlitt der DAX im Oktober 1987. In diesem Monat büßte der Index im Zug des internationalen Börsencrashs 21,52 Prozent an Wert ein.
Im Jahresvergleich hat der DAX so wie viele andere Leitindizes bereits knapp die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Zum oben genannten Zeitpunkt weist der DAX seit Ende des Vorjahres ein Minus von 44,6 Prozent aus. Noch schlimmer erwischt hat es die US-Technologiebörse Nasdaq mit einem Minus von 48,93 Prozent im Nasdaq 100. Der Dow Jones wies zum Handelsschluss am Donnerstag ein Minus von 22,4 Prozent seit Ende 2000 aus. Der Tokioter Nikkei-Index hat im Jahresvergleich bereits 30,7 Prozent eingebüßt.
Zahlreiche europäische Qualitätsaktien haben ihr Kursniveau damit im Jahresvergleich bereits halbiert. Die schlimmsten Verluste mussten die schwer geprügelten Titel der Telekombranche einstecken. Alcatel büßten seit Ende 2000 bereits 80,7 Prozent an Wert ein, KPN verloren 77,4 Prozent und France Telecom 68 Prozent gefolgt von Nokia (minus 67,0 Prozent) und Siemens (minus 62,0 Prozent).
Die im DAX gelisteten Aktien weisen derzeit bereits im Schnitt ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis von 13 aus und sind damit im historischen Vergleich deutlich unterbewertet, so Traud. Gemessen am aktuellen Kursniveau der Anleihenmärkte sei die Unterbewertung "gigantisch". "Es ist erstaunlich, dass überhaupt noch Leute Aktien verkaufen", so die Expertin. Derzeit würden aber fundamentale Bewertungen nur eine untergeordnete Rolle spielen, die Börsen werden von der Psychologie gesteuert.
Ein Krieg gegen den Terror dieses Ausmaßes sei eine große Unbekannte für den Markt. Vor einem etwaigen Gegenschlag der USA wolle sich kein Investor positionieren. Unter der Annahme stabiler Preisniveaus und Ölpreise ist die Expertin aber optimistisch, dass sich die Bewertungslücke zwischen Anleihen und Aktien von der Aktienseite schließt und die Börsen sich bald erholen. Lediglich bei längeren kriegerischen Auseinandersetzungen könnte sich das Bild weiter eintrüben.

