Freitag, 21. September 2001

Große Nachfrage nach 10-Tages-Vignetten

Die Preise wurden deutlich erhöht und dennoch: Die Einnahmen aus dem Verkauf der Autobahn-Vignetten werden 2001 nicht so hoch liegen wie erwartet, weit weniger "Pickerl" wurden verkauft. Die Vignetten bringen dem Staat um 100 Millionen Schilling weniger als erhofft. Dennoch aber um 1,4 Milliarden mehr als noch 2000.

Die starken Preiserhöhungen für die heurige orange Autobahnvignette haben deutliche Veränderungen im Kaufverhalten der Autofahrer zur Folge gehabt. Dies bedeutet für 2001 um 100 Mill. S geringere Einnahmen als ursprünglich errechnet, teilte die mit der Einhebung der Maut beauftragte Österreichische Autobahnen und Schnellstraßen AG (ÖSAG) mit. Besonders nachgefragt sind seit den Preiserhöhungen die 10-Tages-Vignetten, die relativ zwar am teuersten sind, die aber gezielter erworben werden können.

Schock nicht geschockt
Die ÖSAG hatte in ihren Vorausberechnungen für das heurige Jahr mit Einnahmen von 4,3 Mrd. S (312 Mill. Euro) gerechnet - tatsächlich werden es bis Jahresende aber wohl nur 4,2 Mrd. S werden. "Wir sehen das trotzdem als Erfolg", meint der für die Vignetten zuständige ÖSAG-Manager Wolfgang Schock. "Bei so massiven Preisveränderungen sind die Erlöse kaum punktgenau vorherzusagen." Vor der Preiserhöhung waren 2000 2,8 Mrd. S erlöst worden - um ein Drittel weniger als der nun für heuer erwartete Wert. Die Einnahmen aus dem Pickerl fließen - abzüglich 8 Prozent Betreiberkosten für das Vignettensystem - zweckgebunden in den Bau, die Erhaltung und Sanierung von Autobahnen und Schnellstraßen.

Bis Ende Juni hat die ÖSAG um 13 Prozent weniger Jahresvignetten für Pkw verkauft - und sogar um rund 50 Prozent weniger 2-Monatsvignetten - deren Verkaufspreis am stärksten angehoben worden war. Dagegen wurden in den ersten sieben Verkaufsmonaten um beinahe 40 Prozent mehr 10-Tagesvignetten für Pkw erworben, deren Preis "nur" um die Hälfte auf 105 S gestiegen ist.

Vor allem Haushalte, die über mehr als einen Wagen verfügen, sind für die Zweit- und Drittautos auf die 10-Tages-Vignette umgestiegen - ebenso wie die ausländischen Urlauber und Transitreisenden. "Die Käufer haben damit sehr preisbewusst reagiert, die Vignettenmoral hat sich aber nicht verschlechtert", zeigt man sich bei der ÖSAG zufrieden. Nur 2 Prozent der inländischen und 8 Prozent der ausländischen Fahrzeuge sind auf vignettenpflichtigen Strecken ohne Pickerl unterwegs. Und weil mit den Preisen auch die Strafgelder kräftig angehoben wurden, wird die ÖSAG heuer um knapp 50 Prozent mehr Strafgelder einnahmen als 2000.

Trotz der teilweise erfolgten Verdoppelung der Pickerlpreise im vergangenen Jahr konstatieren die Vignettenmänner für Österreich ein "günstiges Preis-Leistungsverhältnis". Im statistischen Schnitt zahle ein Pkw-Fahrer auf den heimischen Autobahnen 26 Groschen pro Kilometer. Bei den europäischen Ländern mit einem vergleichbaren Mautsystem liege der durchschnittliche Kilometersatz zwischen 40 Groschen (Slowenien) und 1,17 S (Spanien).

21.9.2001 10:34