Fluggesellschaften vor Bankrott

Die Versicherungswirtschaft hat den deutschen Fluggesellschaften die Verträge für das Risiko "Krieg und Terroranschläge" gekündigt. Betrug die Deckungssumme bisher 1 Milliarde (!) US-Dollar, werden Versicherungen in Zukunft nur mehr 50 Millionen US-Dollar je Flugzeug übernehmen. Dadurch sind viele Fluggesellschaften schwer gefährdet. In den USA haben Kongress und Weißes Haus Einigkeit über ein 15 Milliarden Dollar-Hilfspaket für die schwer angeschlagene Flugbranche erzielt.
Nach den Terroranschlägen müssen mittlerweile über 100.000 Mitarbeiter amerikanischer Fluglinien gekündigt werden. Noch am Freitag sollen beide Kongresskammern - Abgeordnetenhaus und Senat - das Maßnahmenpaket offiziell verabschieden.
Deutsche Fluggesellschaften vor dem Zusperren
Die Versicherungen werden den deutschen Fluggesellschaften die Verträge für das Risiko von Terroranschlägen kündigen. "Die Folge ist, dass ab Montag, spätestens am nächsten Donnerstag, wenn die letzten Verträge auslaufen, Luftfahrtunternehmen wegen des Risikos einer unzulänglichen Deckung den Betrieb einstellen müssten", sagte Detlef Winter, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft deutscher Luftfahrtunternehmen (ADL). Ein Sprecher der Lufthansa in Frankfurt bestätigte die Kündigung der Versicherungsverträge.
Winter sagte, neue Verträge würden statt einer bisherigen Deckungssumme von 1 Milliarden US-Dollar (1,1 Mrd Euro) nur noch mit 50 Millionen US-Dollar je Flugzeug abgeschlossen. Selbst bei einer Bereitschaft, die Prämienzahlungen deutlich zu erhöhen, seien die Versicherungen nicht bereit, die Deckungssumme zu erhöhen.
Die Versicherer hätten den Fluggesellschaften mitgeteilt, dass ein höheres als die angebotenen 50 Millionen US-Dollar derzeit nicht versicherbar sei, sagte Winter. Dafür gebe es derzeit keine Rückversicherer. "Das Zusatzrisiko einer so stark herabgesetzten Deckungssumme kann von den Fluggesellschaften nicht übernommen werden."
Staatshaftung oder Bankrottwelle
Eine kurzfristige privatwirtschaftliche Lösung sei derzeit nicht absehbar. "Als einziger Ausweg bleibt, dass der Staat für das Risiko Krieg und Terror die Staatshaftung erklärt. Komme es nicht rechtzeitig zu einer Lösung, dass die Flugzeuge nach einem formellen Beschluss der Bundesregierung in Staatspatronage übernommen werden, werde es von nächster Woche an große Probleme im Luftverkehr geben.
Ein Sprecher der Lufthansa sagte, sein Unternehmen reagiere "äußerst befremdet über das Verhalten der Versicherungen". Sie wollten Profit aus der derzeitigen Situation schlagen. Die Lufthansa habe das Problem aber im Griff und gehe davon aus, dass die Maschinen starten könnten. Details wollte er nicht nennen. Er bestätigte, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gebe, über die die Lufthansa auch im direkten Gespräch mit der Bundesregierung sei. Die Gespräche würden aber nicht öffentlich geführt.

