Mittwoch, 19. September 2001

Nach besänftigenden Opec-Äußerungen

Der Ölpreis ist am Mittwoch nach weiteren besänftigenden OPEC-Kommentaren zur Sicherheit der Öl-Lieferungen trotz Sorgen über eine möglicherweise bevorstehende weltweite Rezession erneut zurückgegangen. Händlern zufolge hat die OPEC Sorgen um mögliche Lieferengpässe beschwichtigt.

An der Londoner International Petroleum Exchange fiel das Barrel (1 Barrel = 159 Liter) für die marktführende Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im November am Mittwochnachmittag zeitweise unter 27 Dollar und kostete gegen 15.00 Uhr MESZ mit 27,02 Dollar genau einen Viertel-Cent weniger als am Vortag.

Am Markt wird eine Einflussnahme der USA auf das Kartell erwartet. Händler sprachen von ersten Anzeichen für eine weitere konjunkturelle Abschwächung. Der Ölkonzern Shell senkte seine Wachstumsprognosen für die nächsten Jahre.

In den vergangenen zwei Handelstagen hatte sich das Barrel bereits jeweils um mehr als einen Dollar verbilligt. Unmittelbar nach den Anschlägen der vergangenen Woche war der Preis auf rund 31 Dollar je Barrel geklettert. Der Preis für ein Barrel des von der OPEC beachteten Warenkorbs sieben verschiedener Rohölsorten war am Dienstag um 80 Cent auf 25,82 Dollar gefallen.

Händler sagten, die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) habe den Markt überzeugt, die Preise weiterhin unter Kontrolle zu haben. Saudi-Arabiens Ölminister Ali al-Naimi hatte am Vormittag Sorgen über Lieferengpässe und steigende Ölpreise gedämpft. Al-Naimi sagte, sein Land und die OPEC würden alle Lieferengpässe ausgleichen. "Ich kann ihnen versichern, es wird keine Angebotsengpässe geben", sagte er. Der Minister sagte außerdem, es sei noch zu früh zu sagen, ob die OPEC bei ihrem Treffen nächste Woche Änderungen der Fördermengen beschließen werde. "Wir in Saudi-Arabien, in Zusammenarbeit mit den anderen Opec-Förderländern, fühlen uns dem Ziel eines stabilen Ölmarktes verpflichtet", sagte er.

Der Illustrierten "Stern" sagte der Minister: "Wir wissen sehr wohl, welche Folgen knappes Öl für die Weltwirtschaft hätte." Al-Naimi sagte mit Blick auf die jüngsten Ölpreiserhöhungen: "Die momentanen Übertreibungen sind völlig ungerechtfertigt." Er nannte den Ölpreis-Anstieg der vergangenen Tage eine "verachtenswerte Prämie auf die Anschläge" und bezeichnete ihn als "einen regelrechten Terror-Zuschlag". Die arabischen Staaten unterstützen seiner Einschätzung nach den Kampf gegen den weltweiten Terrorismus.

Am Markt wird eine Einflussnahme der USA auf die OPEC erwartet. Die in Washington ansässige Petroleum Finance Corp geht davon aus, dass die US-Regierung einen hohen Druck ausüben wird. "Die Vereinigten Staaten werden wahrscheinlich Druck auf die wichtigsten Mitglieder der OPEC ausüben, damit diese eine mildere Einstellung in Bezug auf die Ölpreise in den kommenden Monaten einnehmen, selbst wenn die Märkte Ruhe bewahren", teilte das Unternehmen seinen Kunden am Mittwoch mit.

Als erstes Anzeichen für eine Vertiefung des konjunkturellen Abwärtstrends machten Händler einen Rückgang der Nachfrage nach Flugzeug-Kraftstoffen aus. Da sich der Ölpreis in der von der OPEC angestrebten Marge zwischen 22 und 28 Dollar pro Barrel liege, sei kommende Woche auch nicht mit einer Erhöhung der Fördermengen beim Treffen der Ölminister zu rechnen, hieß es.

Der niederländisch-britische Mineralölkonzern Royal Dutch/Shell revidierte am Mittwoch die Wachstumsprognose für seine Öl- und Gasproduktion für die kommenden Jahre nach unten. Bis 2005 werde nur noch mit einem Produktionswachstum von jährlich drei Prozent gerechnet, teilte der Mineralölkonzern in Den Haag mit. Zuvor war Shell noch von einem jährlichen Wachstum von fünf Prozent ausgegangen. Die Prognose sei von früheren Zielen unter anderem deshalb heruntergesetzt worden, weil sich der Zugang zu wichtigen Reserven verschlechtert.

19.9.2001 16:35