United Airlines kündigt 20.000 Mitarbeiter

Die Krise in der Luftfahrtindustrie in Folge der Terroranschläge von New York und Washington hat nun auch den Flugzeughersteller Boeing erreicht. Der Flugzeugriese will bis Ende 2002 30.000 Mitarbeiter entlassen. Die Lufthansa kündigt einen Investitionsstoppan und Lufthansa-Partner United Airlines kündigt 20.000 Mitarbeiter. US-Airways will 11.000 Jobs streichen. Notpläne sollen die Flugbranche in den USA und in Europa vor dem Absturz bewahren.
Als Begründung für die Kündigungen nannte ein Unternehmenssprecher von Boeing die rückläufige Auftragslage. Boeing beschäftigt insgesamt 199.000 Mitarbeiter.
United Airlines entlässt 20.000 Mitarbeiter
Auch der Lufthansa-Partner United Airlines entlässt nach Presseinformationen 20.000 Mitarbeiter. Das Weiße Haus und Kongressführer einigten sich unterdessen auf ein Hilfspaket in Höhe von 15 Milliarden Dollar (16,2 Mrd. Euro/223 Mrd. S), berichtete der US-Fernsehsender CNN.
Finanzspritze für die angeschlagenen Airlines
Die US-Regierung wird den durch die Terroranschläge in die Krise geratenen Fluglinien unter die Arme greifen. Das Hilfspaket könnte schon am Freitag dem Kongress vorgelegt werden, berichtete CNN. Damit soll den ohnehin angeschlagenen Fluggesellschaften für die Verluste nach den Terroranschlägen kompensiert und die neuen Sicherheitsmaßnahmen unterstützt werden. Transportminister Norman Mineta sagte, das Paket werde Schnellhilfen umfassen wie auch eine langfristige Unterstützung. Auf lange Sicht fielen unter anderem Kosten bei Sicherheitsmaßnahmen und teure Versicherungen an. Die Fluggesellschaften hatten Gesamthilfen in Höhe von 24 Milliarden Dollar verlangt. Die deutsche Lufthansa plant im Gegensatz zu anderen Fluggesellschaften aber keine Entlassungen im Zuge der USA-Krise.
Air Canada braucht umgerechnet 28 Mrd.S
Auch die kanadische Fluglinie Air Canada, Montreal, ist in Turbulenzen. Am Mittwoch bestätigte die Airline, die kanadische Regierung um eine Finanzhilfe von rund drei Mrd. kanadische Dollar (2,06 Mrd. Euro/28,4 Mrd. S) bitten zu wollen. Die Airline schätzt, dass die dreitägige Unterbrechung des Flugverkehrs in Folge der Terroranschläge in den USA das Unternehmen rund 100 Mill. kanadische Dollar kosten werde.
Auch die Europäische Union könnte nach den Worten des Vorsitzenden der Euro-Gruppe und belgischen Finanzministers, Didier Reynders, Hilfen für die von den Terroranschlägen in den USA belasteten Branchen bereit stellen. Die EU-Minister und die Europäische Kommission seien dabei, die Folgen der Katastrophe auf die Bereiche Transport, Energie und Versicherung zu analysieren, so Reynders.
Verkehrskommissarin Loyola de Palacio hat zurückhaltend auf Subventions-Forderungen der europäischen Fluggesellschaften nach den Anschlägen in den USA reagiert. Die Einbußen für Airlines in den USA seien "ungleich gravierender" ausgefallen, sagte de Palacio.
Schweizer Minister schließt Staatshilfen für Swissair nicht aus
Der Schweizer Wirtschaftsminister Pascal Couchepin schließt Staatshilfen für den angeschlagenen Luftfahrtkonzern Siwssair nicht länger aus. Die Sprecherin des Volkswirtschaftsministeriums (EVD) Katja Mäder bestätigte einen Bericht der Zeitung "Blick", wonach Cochepin zu Unterstützungen bereit sein, wenn die USA ihren Fluggesellschaften finanziell unter die Arme greifen würden.
"Wenn die Rahmenbedingungen sich nicht ändern, gibt es kein Geld", sagte sie. Staatshilfen der USA könnten eine solche Änderung der Rahmenbedingungen darstellen, erklärte die Sprecherin.
Einbußen von bis zu 50%
Starke Kurseinbußen von bis zu 50 Prozent verzeichneten Aktien der Fluggesellschaften
+ Continental,
+ Delta,
+ der AMR Corp als Muttergesellschaft von American Airlines, die zwei Maschinen bei den Terroranschlägen verloren hatte.
+ US Airways - die am Abend ankündigen musste, 11.000 Mitarbeiter zu kündigen, ihre Kapazitäten um 23 Prozent drosseln will und eine Gewinnwarnung verschickte - fielen am Montag an der Wall Street 6,04 Dollar oder mehr als 52 Prozent auf 5,57 Dollar.
+ Die Papiere von America West gaben mehr als 65 Prozent auf drei Dollar nach.
+ Die Aktien des Flugzeugherstellers Boeing lagen zeitweise mit 17 Prozent im Minus, und auch die Anteile von Flugzeugzulieferern gaben nach. Einbußen verzeichneten auch Finanz-, Reise- und Unterhaltungswerte.
Continental hatte nach den Terroranschlägen in New York und Washington nicht ausgeschlossen, dass die erwartete Krise der internationalen Flugindustrie zu einem Konkurs des Unternehmens führen könne.
An den deutschen Aktienmärkten konnte die Aktie der Deutschen Lufthansa AG entgegen der Erwartung mancher Marktteilnehmer ihr Kursniveau nach Eröffnung an der Wall Street halten, tendierte jedoch mit minus Die Krise in der Luftfahrtindustrie in Folge der Terroranschläge von New York und Washington hat nun auch den Flugzeughersteller Boeing erreicht. Der Flugzeugriese will bis Ende 2002 30.000 Mitarbeiter entlassen. Auch Lufthansa-Partner United Airlines kündigt 20.000 Mitarbeiter. US-Airways will 11.000 Jobs streichen und die kanadische Fluglinie Air Canada benötigt Milliarden. Notpläne sollen die Flugbranche in den USA und in Europa vor dem Absturz bewahren.
2,6 Prozent auf 10,80 Euro weiter schwach. Auch die Aktien der anderen großen europäischen Fluggesellschaften verbuchten erneut deutliche Verluste.
Sabena verliert auf Transatlantik-Strecke täglich eine Million Euro
Ohne sofortige und uneingeschränkte Umsetzung des Businessplans werde Sabena "nicht bis Jahresende überleben", erklärte der Verwaltungsratspräsident Fred Chaffart. Dies gelte auch unter Einbezug der Rekapitalisierung und eines zusätzlichen Kapazitätsabbaus.
Wegen Streichungen von Atlantik-Flügen hat Sabena nach den Anschlägen in den USA täglich eine Mill. Euro (13,76 Mill. S) verloren. In den kommenden Monaten erwartet Sabena laut der Mitteilung zudem einen "spürbaren Rückgang" der Nachfrage.
Anzeichen wie der Einbruch der Reservierungszahlen oder die Zunahme von Passagieren, die nicht zum Check-in erscheinen, seien "Vorläufer einer größeren Rezession in der gesamten Flugverkehrsindustrie". Der Pilotenstreik von Anfang September kostete Sabena zudem fünf Mill. Euro.
Der Verwaltungsrat der zu 49,5 Prozent Swissair gehörenden Sabena rief daher nach seiner Sitzung vom Montag die Sozialpartner zur raschen Umsetzung des Businessplans auf. Dagegen stellen sich bislang indes die Piloten quer, die die gerichtlichen Bussandrohungen nach ihrem Streik angefochten haben.
Die Swissair-Aktien sind am Montag heftig unter Druck geraten.
An der schweizerisch-britischen Börse virt-x sackten die Titel bis gestern Mittag um 17,1 Prozent auf 48,5 Franken (32,4 Euro/445,4 S) ab. Damit haben die Swissair-Aktien seit den Anschlägen am Dienstag beinahe 40 Prozent an Wert verloren. Befürchtungen über hohe Umsatzeinbußen, steigende Kosten auf Grund schärferer Sicherheitsmassnahmen und ein Anziehen des Ölpreises hätten den Kurs der ohnehin schon angeschlagenen Gesellschaft weiter belastet, sagten Händler.

