Ersparnis für Haushalte 20 Prozent

Zwei Wochen vor der Vollliberalisierung des heimischen Strommarktes verspricht der Verbund der Großindustrie und dem Gewerbe Einsparungen von bis zu 50 Prozent. Haushalte sollen beim Strombezug rund 20 Prozent billiger davon kommen. Insgesamt werden die Einsparungen auf 13 Mrd. S (945 Mill. Euro) geschätzt.
"Je nachdem wie intensiv sich der Regulator E-Control der Liberalisierung annimmt, könnte noch die eine oder andere Milliarde dazukommen, erklärte Verbund-Vorstand Johann Sereinig am Montag vor Journalisten.
Nach der Vollliberalisierung habe Österreich die fortschrittlichste Marktordnung in der gesamten EU. Für die heimischen Energieversorgungsunternehmen (EVU) bedeute dies eine "enorme Herausforderung". Der Verbund sei davon besonders hart getroffen worden. In den ersten beiden Jahren habe er ein Viertel seiner Erlöse verloren. Landesversorger hätten dem Verbund in diesem Zeitraum 35 Prozent weniger Strom abgenommen und 60 Prozent weniger gezahlt.
Der Verbund habe daher sein Geschäft neu orientiert. Heuer werde der Konzern erstmals im Auslandsgeschäft mehr als im Inland umsetzen. An der Frankfurter Strombörse zähle man einen Umsatzanteil von rund 20 Prozent schon zu den größten drei Stromlieferanten. Vor allem die Reformstaaten würden zunehmend an Bedeutung gewinnen: In Polen und Slowenien habe man bereits Tochtergesellschaften gegründet.
Auch im Inland drehe das Geschäft nach einer Neuausrichtung heuer wieder ins Plus. Dabei baue man vor allem auf das Geschäft mit Großkunden mit einem Verbrauch von über 100.000 Kilowattstunden. Nach der Vollliberalisierung würden voraussichtlich in der ersten Stufe 15 Prozent dieser Kunden, im nächsten Jahr sogar 25 Prozent den Stromlieferanten wechseln.
Derzeit verfügt der Verbund bei Großkunden über einen Marktanteil von 14 Prozent, mittelfristig soll der Anteil auf gut 20 Prozent steigen. Ein Fünftel seiner Produktion will der Verbund dann im Direktvertrieb verkaufen.
Wesentlich werde dabei der direkte Stromverkauf an Großfirmen mit mehr als 100.000 Kilowattstunden Verbrauch über die Internetseite http://www.austrian-power.com sein. Im Internethandel mit Strom erwarte der Marktforscher Forester Research ein Wachstum der weltweiten Umsätze von derzeit rund 50 Mrd. Dollar auf 250 Mrd. Dollar (271 Mrd. Euro/3.732 Mrd. S) bis 2004 voraus. Als nach eigenen Angaben erste österreichische und kontinentaleuropäische Plattform wolle der Verbund an diesem Zukunftsmarkt maßgeblich partizipieren, erklärte der Geschäftsführer der Verbund StromvertriebsgmbH, Christian Kern.
In Großbritannien, wo solche Plattformen bereits bestünden, würden im kommenden Jahr rund 14 Prozent des Stroms über das Internet eingekauft. "In Österreich halten einer Umfrage zufolge 56 Prozent der Stromeinkäufer in den Unternehmen den Stromeinkauf via Internet für interessant", so Kern. In den ersten ein bis zwei Jahren will der Verbund 500 Gigawattstunden über das Internet verkaufen. In weiterer Folge soll das Angebot auch auf die Nachbarländer ausgedehnt werden.
Der Verbund gewährt seinen Internetkunden beim Einkauf via Internet 5 Prozent Rabatt. Auf die ersten 5 Mill. Kilowattstunden, die ab sofort via Web verkauft werden, gibt es noch einmal 5 Prozent.

