Dienstag, 18. September 2001

Besonders Asien betroffen

Am Mittwoch gab es wieder teilweise kräftige Ausschläge an den Finanzmärkten. Während die US-Aktienbörsen nach einem zunächst positiven Start wieder ins Minus rutschten, gaben die Notierungen an den Rentenmärkten aus Angst vor einer Flut von neuen Staatsanleihen als Reaktion auf die Anschläge in den USA deutlich nach. Der deutsche Börsen-Index DAX fällt am Mittwoch im Verlauf um mehr als vier Prozent. An der Wall Street fällt der Dow Jones-Index nach einer Talfahrt zu Beginn schließlich "nur" um 1,5 Prozent gegenüber Dienstag auf 8763 Punkte.

Die japanische Notenbank intervenierte zum zweiten Mal in dieser Woche an den Devisenmärkten zu Gunsten des Dollar, der aber nur zwischenzeitlich gegen den Yen und auch gegen den Euro leicht zulegte. Die Preise von Öl und Gold gaben nach.

Besonders deutlich war die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Anschläge auf das World Trade Center in New York und das US-Verteidigungsministerium in Washington am Mittwoch an den Märkten für fest verzinsliche Wertpapiere zu erkennen. Die Notierungen europäischer und amerikanischer Rentenpapiere rutschten wegen der Furcht an den Märkten vor einer Flut neuer Staatsschuld-Titel deutlich ab. Außerdem hatte das US-Finanzministerium am Montag angekündigt, ihre geplanten Rückkäufe von Staatsanleihen im September ruhen zu lassen und erst im Oktober wieder aufzunehmen.

Renditen stiegen und sanken wieder
Händler sagten, Sorge bereiteten vor allem erwartete Neuemissionen von US-Staatsanleihen, mit denen der Wiederaufbau nach den Anschlägen vom 11. September und mögliche militärische Gegenschläge finanziert werden könnten. Bei entsprechend sinkenden Kursen stieg die Rendite langlaufender US-Staatsanleihen auf zeitweise fast 5,6 Prozent an, nachdem sie bereits am Vortag auf 5,55 Prozent in die Höhe gesprungen war. Im Zuge der schwächeren Entwicklung der Aktienmärkte gaben die Renditen am Abend aber wieder etwas nach.

Japanische Notenbanken investieren in US-Dollar
Die japanische Notenbank intervenierte zum zweiten Mal in dieser Woche zu Gunsten des von den Anschlägen belasteten US-Dollar. Als Folge legte der Dollar im Vergleich zum Yen zwischenzeitlich um einen Yen auf 118,11 Yen zu, gab später aber wieder nach. Zum Euro legte der Dollar nur vorübergehend zu. Am Abend wurde die europäische Gemeinschaftswährung für mehr als 93 Cent und damit wieder über dem New Yorker Schlusskurs vom Dienstag gehandelt.

Weltweite Rezessions-Angst
Die Furcht vor einer weltweiten Rezession und einer militärischen Eskalation nach den Anschlägen in den USA lastete derweil erneut auf den europäischen Aktienmärkten. Der FTSE-Eurotop-300-Index der wichtigsten Aktienwerte lag am Nachmittag mit 2,6 Prozent im Minus, und auch im deutschen Aktienhandel konnte das Börsenbarometer Dax seine Zuwächse nicht halten und rutschte am Nachmittag ebenfalls um 2,7 Prozent ins Minus. "Über dem Markt schwebt weiter das Damoklesschwert eines drohenden Krieges", sagte ein Händler. Die in Deutschland angekündigten Erhöhungen der Tabaksteuer und der Versicherungssteuer zur Finanzierung eines Anti-Terror-Pakets im Volumen von drei Milliarden Mark wirkten sich am deutschen Aktienmarkt dagegen nicht aus.

Investoren fürchten vor allem, dass der private Konsum in den USA als Folge der Anschläge abnehmen und damit die US-Konjunktur in die Rezession drücken könnte. "Die Menschen werden nicht kaufen, bis sie in etwa wissen, wie die militärische Antwort (der USA auf die Anschläge) sein wird", sagte Michael O'Sullivan von der Commerzbank. "Erinnern Sie sich an den Golf-Krieg? Als die erste Kugel abgefeuert war, gingen die Märkte nach oben." Gleichzeitig gehen viele Experten davon aus, dass die acht Leitzinssenkungen der US-Notenbank Fed in Folge ab Anfang kommenden Jahres die Konjunktur stützen würden. Zuletzt hatte die Fed ihre Leitzinsen am Montag gesenkt, gefolgt von Zinssenkungen auch in der Euro-Zone, in Japan und in Großbritannien.

18.9.2001 18:36