Nikkei verliert bis 6.15 MEZ 2,03 Prozent

Nach den deutlichen Verlusten an der Wall Street vom Vortag haben die asiatischen Börsen im Handelsverlauf am Freitag schwächer tendiert. In Tokio verzeichneten neben Exporttiteln aus dem Automobilsektor wie Toyota und Chipaktien, die unter einem stärkeren Yen litten, auch Bankenwerte zum Teil starke Verluste. Die europäischen Börsen sind am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit der Asienkrise 1997 gestürzt.
Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag gegen 6.15 Uhr MESZ mit 2,03 Prozent im Minus bei 9586 Punkten, nachdem der Index zuvor ein neues 17-Jahrestief bei 9382,95 Punkten markiert hatte.
Die Aktie des japanischen Autobauers Toyota Motor büßte im Handelsverlauf 7,48 Prozent auf 2720 Yen. Seit der Anschlagserie in den USA am Dienstag vergangener Woche verlor die Toyota-Aktie damit rund ein Viertel ihres Wertes. "Für viele Banken ist Toyota einer der wenigen Werte in ihren Portfolios, der immer noch einige latente Gewinne beinhaltet", sagte ein japanischer Fondsmanager. Sein Kursrutsch schmerze wirklich. Die Nissan-Aktie brach um 12,74 Prozent auf 411 Yen ein. Unter den Bankenwerten gaben Mizuho Holdings 4,59 Prozent auf 520.000 Yen nach.
Bei den Chipaktien gaben Tokyo Electron 7,35 Prozent auf 4790 Yen ab. Nach Einschätzung von Branchenkennern habe die Nachricht des US-Herstellers von Maschinen für die Chipproduktion Applied Materials, etwa zehn Prozent aller Stellen zu streichen, die Zuversicht der Investoren bei den Titeln des Sektors weiter gedämpft.
Der Hongkonger Aktienmarkt verzeichnete ebenfalls Verluste, nachdem die Einbußen an der Wall Street nach Einschätzung von Händlern erneut Befürchtungen über eine weltweite Rezession aufkommen ließen. Die Rede von Präsident George W.Bush vor dem US-Kongress habe dagegen wenig Einfluss auf den Markt gehabt, hieß es. Der Hang-Seng-Index beendete den Vormittagshandel (Ortszeit) mit einem Minus von 3,99 Prozent auf 8946,16 Punkten.
Unter den Einzelwerten gaben HSBC 6,35 Prozent auf 69,75 Hongkong-Dollar nach. Zeitweilig büßte der Wert auf 69,25 Hongkong-Dollar ein, den tiefsten Stand seit Februar 1999. Händler verwiesen auf Befürchtungen, eine nachgebende Weltkonjunktur könne die Gewinne des Bankhauses schmälern.
DAX brach um 5,18 Prozent ein
Vor allem Fluggesellschaften, Versicherungskonzerne und auch Autohersteller zogen die Leitindizes quer durch den Kontinent nach unten.
Die Frankfurter Aktienbörse stürzt am Donnerstag im späten Geschäft ab. Der DAX brach um 18:21 Uhr MESZ um 209,19 Einheiten oder 5,18 Prozent auf 3.832,61 Punkten ein. Die Erholungsversuche vom Mittag wurden zunichte gemacht. Bis auf Deutsche Post, Telekom und SAP notieren alle Werte im Minus. Lufthansa und Preussag gehören mit zweistelligen Prozentverlusten zu den Hauptverlierern. Händler berichten von "nahezu willenlosen Verkäufen", die sie zum Teil auf Zwangs-Liquidationen großer Portfolios zurückführen.
Das Hauptproblem sei, dass es nur Unsicherheit und schlechte Nachrichten gebe. Auch die als aufmunternd gemeinte Rede Alan Greenspans vom Nachmittag habe sich als "Rohrkrepierer" erwiesen. Hier habe die negative Interpretation überwogen, die erneute Inflationsängste über die Geldmengensteigerung befürchtet. Lufthansa führen die Verliererliste mit 12,2 Prozent Minus an. Die Unternehmensmeldung, einen Verlust "vermeiden zu wollen", sei vom Markt als glasklare Gewinnwarnung verstanden worden, heißt es. "Nach einem erwarteten Gewinn von rund 400 Mill. Euro ist das eine Enttäuschung", meint ein Händler.
In London fiel der Leitindex FTSE 100 um 2,2 Prozent auf 4619 Punkte und damit auf das Niveau der Asienkrise. Auch in Paris ging es abwärts. Der Leitindex CAC 40 gab um 2,3 Prozent auf 3800 Punkte nach. An der New Yorker Wall Street fiel der Dow-Jones-Index um 1,5 Prozent auf 8624 Punkte, die High-Tech-Börse Nasdaq stürzte erneut um knapp 1,8 Prozent auf 1500 Zähler.
Detailegebnisse aus Frankfurt
Preussag stürzen in Frankfuert um 11,5 Prozent. Das Unternehmen habe sich mit der Ankündigung, erst "nächste Woche" eine Überprüfung der Ertragsprognosen vorzunehmen und sie gleichzeitig am Berichtstag zu bestätigen, einen Bärendienst erwiesen. "Wer will schon eine Woche auf schlechte Nachrichten warten", heißt es dazu aus dem Handel.
Ganz oben auf der Verliererliste auch die Technologie-Werte außer SAP Infineon brechen nach der Umsatzwarnung von Philips Semiconductor erneut um 8,4 Prozent ein. Siemens verlieren 7,6 Prozent, Epcos 3,1 Prozent. Nach einer Hochstufung durch Dresdner Kleinwort Wasserstein konnten sich Epcos sogar lange gegen den Trend im Plus behaupten.
Gewinner sind dagegen SAP
Sie profitieren von einer Bestätigung der Umsatz- und Ergebnisprognose für die ersten neun Monate. "Unter 100 EUR sollte der Kurs nicht fallen", sagt ein Händler. Der Wert verbessert sich um 1,5 Prozent. Deutsche Telekom notieren mit schwankenden Vorzeichen im Tagesverlauf mit 0,7 Prozent im Plus. Hier setze sich die Stärke von US-Telekom- Werten fort, heißt es dazu im Handel.
Degussa brechen wegen des hohen US-Anteils am Umsatz ein, der bei rund einem Viertel liegt. Gerade der Bauchemie-Bereich leide unter einer Rezession, heißt es. Die Warnung von Goldman Sachs, Anfang nächster Woche die Gewinnaussichten der gesamten Branche reduzieren zu wollen, drückt den Titel um 7,7 Prozent.
Ebenfalls unter Goldman Sachs leiden die Versicherer
Der US- Broker hatte die Gewinnschätzungen nahezu aller Branchenwerte drastisch reduziert. Dazu kommt eine neue Schätzung der Schadenssumme der Münchener Rück. "Gegenüber der ersten Schätzung ist das eine Verdoppelung", sagt ein Händler zur Belastung durch die US-Terroranschläge mit rund zwei Mrd. Euro. Münchner Rück verlieren 6,5 Prozent glatt, Allianz geben 6,7 Prozent ab. Unter den Bankwerten verlieren Commerzbank 10,7 Prozent, "weil sie der schwächste Bankwert sind", sagen Händler. Nach der gescheiterten UniCredito-Übernahme gebe es keine Fantasie für den Wert.

