Wieder 500 Millionen öS mehr

Keine Ende in Sicht bei der Libro-Pleite. Jetzt explodierten die Forderungen der Gläubiger um weitere 500 Millionen ÖS auf sagenhafte 4,6 Milliarden Schilling. Das Ausgleichsangebot musste deshalb nochmals modifiziert werden.
Die Forderungen an die insolvente Buch- und Papierhandelkette Libro sind in den vergangenen Tagen explodiert. Insgesamt haben bis jetzt 1.500 Gläubiger 4,6 Mrd. S angemeldet, berichtet Johann Kosstal vom Kreditschutzverband von 1870 (KSV). Damit stiegen die Forderungen um eine halbe Milliarde über den im Ausgleichsstatus angenommenen Wert von 4,1 Mrd. S. Aus diesem Grund musste bei der Gläubigerbeiratssitzung am Freitag das Ausgleichsangebot noch einmal modifiziert werden.
Gläubiger erhalten eine Quote von 40 Prozent Voraussetzung für die Bestätigung ist nach wie vor eine Barquote von 7,5 Prozent. Diese muss allerdings nicht auf einmal, sondern kann in zwei Tranchen bezahlt werden. Die erste Tranche von 4 Prozent muss im Oktober, 14 Tage nach Rechtskraft der Ausgleichsannahme, vorliegen. 3,5 Prozent müssen am 31. Dezember fließen. Damit erhalten die Gläubiger bis Jahresende 105 Mill. S. Weitere 8 Prozent müssen im Juni 2002 am Tisch liegen. Die Finanzierung der Barquoten wird aus dem laufenden Kreditrahmen erfolgen. Voraussetzung für die Annahme des Ausgleiches sind die Rückstehungserklärungen der Gläubigerbanken für ihre Forderungen von 2,3 Mrd. S und eine Ausweitung des Kreditrahmens um weitere 300 Mill. S zur Finanzierung des Weihnachtsgschäfts.
Nach wie vor offen ist die Zukunft der Libro-Internet-Tochter Lion.cc. Für die rund 20 deutschen Libro-Filialen zeichnet sich, wie berichtet, eine Lösung ab. Für den Bereich Amadeus liegen bis jetzt drei Angebote vor, darunter der deutsche Douglas-Konzern, der neben Parfümeriewaren in Deutschland auch Bücher anbietet.
Bei Libro laufen die Geschäfte derzeit sehr gut
Der Tagesumsatz liegt, so Libro-Manager Werner Steinbauer, im Schnitt bei über 20 Mill. S. Spitzenwerte seien 32 Mill. S. Das Schulgeschäft liege heuer nur knapp unter dem Vorjahresniveau. Man habe jedenfalls gegenüber der Konkurrenz keine Marktanteile verloren.
Eine endgültige Entscheidung über den Libro-Ausgleich werden die Gläubiger bei der Abstimmung in der Ausgleichstagsatzung am kommenden Freitag treffen. Grundsätzlich, so KSV-Experte Kosstal, handle es sich um einen Hoffnungsausgleich, der aus eigener Kraft nicht finanzierbar sei.

