Freitag, 21. September 2001

Tirols Torsperre ist gebrochen

Ein Drittel der Meisterschaft ist abgeschlossen und das Rennen um den österreichischen Fußball-Meistertitel scheint zu einem Zweikampf zwischen Titelverteidiger FC Tirol Innsbruck und dem SK Sturm Graz zu werden. Tirol setzte sich am Samstag in Bregenz mit 2:1 durch und liegt weiter zwei Punkte vor dem SK Sturm, der beim SV Salzburg mit 2:0 gewann.

Der FC Tirol kam auch in Vorarlberg nicht vom Erfolgsweg ab, Marc Ziegler allerdings ist seine Serie los. Ausgerechnet der Tiroler und ehemalige FCT-Spieler Florian Sturm beendete mit einem Volleytreffer die Torsperre des deutschen Torhüters nach 1084 Minuten. "Der Ärger über das Ende der Serie ist da, aber wenn ich die Tabelle ansehe, dann ist wieder alles in Ordnung", meinte Ziegler, der längst den österreichischen Rekord von Otto Konrad aus der Saison 92/93 (904 Minuten) überboten hatte.

Mit den Schlagzeilen hat Ziegler auch wieder Vereine aus der Heimat auf sich aufmerksam gemacht. In Bregenz waren Beobachter von Werder Bremen, die ein Auge auf den früheren Stuttgarter geworfen haben. "Das ehrt uns, denn es zeigt, dass wir gute Spieler haben", meinte Trainer Kurt Jara. "Wenn das richtige Angebot kommt, können wir über jeden reden. Ich möchte Ziegler nicht verlieren, aber wir haben auch andere gute Keeper."

Das Ende der Serie seiner Nummer eins war Jara völlig egal, einzig die Fortsetzung jener seiner Mannschaft, die nunmehr schon 13 Meisterschaftsspiele ohne Niederlage (zuletzt am 4. Mai in Bregenz) ist, zählte. "Wichtig sind nur die drei Punkte. Die Torsperre war fast schon mehr Belastung, ich bin ganz froh, dass sie endlich gefallen ist. Ärgerlich ist, dass wir uns in den letzten zehn Minuten das Spiel selbst schwierig gemacht haben", so Jara.

Nach den Ausfällen von Gilewicz und Jezek konnte Jara auf seine Ersatzstürmer bauen, Edi Glieder sicherte den Tirolern mit seinem Kopfball-Doppelpack (45./51.) den Sieg. Bleibt zu hoffen, dass Glieder seine Treffsicherheit bis Dienstag konserviert, denn Gilewicz wird mit seinem Zehenbruch wohl auch im UEFA-Cup-Rückspiel gegen Viktoria Zizkov pausieren müssen.

Während Tirol derzeit auf zwei Hochzeiten tanzt, kann sich Sturm ganz auf die Meisterschaft konzentrieren. In Salzburg setzten sich die Grazer aber erst entscheidend durch, als Kapitän Ivica Vastic in der zweiten Hälfte aufzuspielen begann.

"Wenn Ivica schläft, schläft die ganze Mannschaft. Spielt er gut, richtet sich das Team an seiner Leistung auf. Ich frage mich was passiert, wenn Ivo gar nicht spielt", meinte Trainer Ivica Osim. Und weiter: "Es war eigentlich ein typisches Sturm-Spiel, es hätte auch 7:5 ausgehen können. Wir haben nicht unverdient gewonnen, aber wir sind mit den Chancen sehr leichtfertig umgegangen. Von Salzburg war ich sehr positiv überrascht, wir sind in den ersten 20 Minuten geschwommen."

Salzburgs Lars Söndergaard konnte bei seinem Heimdebüt als Cheftrainer mit der Leistung seiner Elf zufrieden sein, allerdings nicht mit der Chancenauswertung. Gut ein halbes Dutzend bester Möglichkeiten vergaben die "Mozartknaben", vor allem Heiko Laessig, der mehrmals am hervorragenden Sturm-Goalie Sidorczuk scheiterte.

"Wenn wir in den entscheidenden Momenten das Tor gemacht hätten, hätten wir gewonnen. Von wenn und hätte kann man sich im Fußball aber nichts kaufen", so Söndergaard, der hofft, dass der Verein auf dem Transfermarkt aktiv wird. Seit Wochen trainiert der 24-jährige kroatische Stürmer Goran Tomic (zuletzt Vicenza) in Salzburg mit, Söndergaard hätte ihn schon gerne in seiner Mannschaft.

21.9.2001 14:24