HSV will Osim verpflichten

Der Sturm-Trainer denkt ernsthaft an seinen Abschied aus Graz nach. Beim deutschen Klub HSV steht er ganz oben auf der Wunschliste.
Für Asima Osim, Gattin von Sturm-Trainer Ivica Osim, ist es längst zur Routine geworden. Es regt sie schon gar nicht mehr auf, wenn in der Grazer Wohnung das Telefon heißläuft. Asima Osim: „Das ist seit 37 Jahren so. Ich habe mich daran gewöhnt.“ Nur so heftig wie in den letzten Tagen war es schon lange nicht mehr. Mitten in die Fußballmeisterschaft platzte die Meldung: Der deutsche Traditionsklub HSV will Ivica Osim verpflichten.
Wunschkandidat Osim
Was ist dran? Mehr, als so manchen Leuten in Graz wahrscheinlich lieb ist. Tatsache ist, dass der HSV Trainer Frank Pagelsdorf Montagabend gefeuert hat. Wahr ist auch, dass die Norddeutschen Osim, der seit sieben Jahren bei Sturm ist, mehrmals kontaktiert haben. HSV-Pressesprecher Gerd Krall: „Osim ist für uns einer der interessantesten Kandidaten überhaupt.“ Zumindest in der Hansestadt ist man wild entschlossen, Osim in den nächsten zwei Wochen als neuen Trainer vorzustellen. Schnelles Handeln ist gefragt, denn nach sechs Spielen liegt der HSV mit fünf Punkten nur auf dem 12. Tabellenplatz. Bei den Fans macht sich Unmut breit.
15 Mille Ablöse
Einer bleibt überraschend ruhig: Sturm-Präsident Hannes Kartnig. Er kann sich nicht vorstellen, dass Osim ihm und Sturm den Rücken kehrt. Nicht nach den ganzen Erfolgen (2x Meister, 3x Champions- League-Teilnehmer). Kartnig: „Was soll Osim bitte in Hamburg machen? Der passt dort gar nicht hin. Wenn’s nicht läuft, wissen Sie, was da los ist? Also ich kenn meinen Trainer. Der packt die deutsche Presse nicht.“ Außerdem will Kartnig Osim nicht so einfach ziehen lassen. Immerhin gibt es einen gültigen Vertrag bis Sommer 2003. Kartnig: „Damit es gleich alle wissen, erst ab 15 Millionen Schilling Ablöse lasse ich mit mir reden.“
„Osim ist wie Happel“
Eine Summe, die den sechsfachen deutschen Meister HSV, mit einem Jahresbudget von 700 Millionen Schilling, nicht abschrecken wird. Osim hat außerdem in Hamburg sehr prominente Fürsprecher. Etwa seinen bosnischen Landsmann und HSV-Regisseur Sergej Barbarez. Oder Verteidiger Andrej Panadic aus Kroatien. Ihn hatte Osim als Teamchef 1992 ins damals noch geeinte jugoslawische Nationalteam geholt. Und noch einer kämpft für Ivica Osim: Horst Hrubesch, der unter Österreichs Trainer-Legende Ernst Happel (1981 bis 1987 beim HSV) in Hamburg spielte und später sein Co-Trainer in Tirol war. Hrubesch, der selbst als Pagelsdorf-Nachfolger im Gespräch ist: „Osim ist ein ganz Großer. Er ist wie Happel, hat dieselben Qualitäten.“
Beim Namen Happel ist beim HSV ohnehin jeder sofort elektrisiert. Unter ihm wurde der Klub zweimal Meister (1982, 1983) und Europacupsieger (1983). Und der HSV will wieder einen Trainer mit großem Namen verpflichten. Möglich, dass Ivica Osim schon in der übernächsten Runde gegen Nürnberg auf der HSV-Trainerbank sitzt – und dabei auf einen alten Bekannten trifft: Klaus Augenthaler, Ex-GAK-Trainer und jetziger Nürnberg-Coach.
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