Freitag, 21. September 2001

Netzwerk der Terrorgruppen ist weltumspannend

An die Stelle einer einzelnen, fest umrissenen Organisation ist ein internationales Geflecht verschiedener Terrorgruppen getreten. Nach Ansicht von US-Ermittlern stellt die Bin-Laden-Gruppe eine neue Form von Terrorismus dar: Über die genaue Struktur von El Qaida (Die Basis) gehen die Ansichten jedoch auseinander.

Der saudiarabische Dissident Saad El Fagih erklärte 1999 dem US-Fernsehunternehmen PBS, El Qaida ist lediglich eine Art Register von 20.000 bis 30.000 Freiwilligen, die in Afghanistan gegen die Rote Armee gekämpft hätten. Nach der Klageschrift eines Gerichts in Manhattan, vor dem Bin Laden und andere 1998 wegen der Bombenattentate auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania angeklagt wurden, ist El Qaida jedoch eine streng geführte Organisation, die eng mit Untergrundorganisationen in der gesamten islamischen Welt zusammenarbeitet.

Die Anfänge der Organisation gehen bis 1989 zurück. Ausgehend von dem "Maktab al Khidmat" (Büro für Dienste) mit Filialen in Afghanistan, Pakistan und dem New Yorker Stadtbezirk Brooklyn entwickelten Bin Laden und sein Mitstreiter Muhammad Atef offenbar eine eigene Organisation, die sich El Qaida nannte. Bis 1991 soll sie ihre Hauptsitze in Pakistan und Afghanistan gehabt haben. Dann sei sie nach Sudan übergesiedelt.

Zentrale in den Bergen Afghanistans?
Seitdem soll sie in den Bergen Afghanistans ihre Lager unterhalten, gedeckt von den in Kabul regierenden radikalislamischen Taliban. Ziel der Gruppe ist laut Anklage der Kampf gegen nicht-islamische Regierungen, allen voran die USA. Als "Ungläubige" gelten Bin Laden und seinen Fundamentalisten auch die Staats- und Regierungschefs im Nahen Osten.

Engen Verbindungen zu anderen Jihad-Gruppen
El Qaida funktioniert einerseits als eigenständige Organisation, unterhält nach Erkenntnisssen der US-Ermittler aber auch ein engmaschiges Beziehungsnetz zur Jihad-Gruppe und der Gamaa Islamiya (Islamische Gruppe) in Ägypten, der Nationalen Islamischen Front in Sudan, der Hisbollah im Nahen Osten, einzelnen Regierungsvertretern in Iran und Gruppen in zahlreichen Ländern von Bosnien-Herzegowina bis Bangladesch. Bin Laden unterhält Trainingslager und Unterkünfte für Terrorgruppen in Afghanistan, Pakistan, Kenia und Somalia. Zwei Investment-Firmen, ein landwirtschaftliches Unternehmen, eine Bau- und eine Transportfirma sichern die finanzielle Grundlage.

Mitglieder werden auf Bin Laden eingeschworen
Vor Gericht präsentierten die New Yorker Ankläger im vergangenen Februar ein ehemaliges Mitglied der Organisation. In einem speziellen Zeugenschutz-Programm sagte Jamal Ahmed al Fadl aus. El-Qaida-Mitglieder werden offenbar auf Bin Laden eingeschworen. Wichtige Entscheidungen trifft ein beratendes Gremium. Den Mitgliedern werde bei ihrem Training eingeschärft, dass es erlaubt sei, auch Unschuldige zu töten, sagte Al Fadl. Ihm sei gesagt worden: "Wenn es ein guter Mensch war, kommt er in den Himmel, war es ein böser Mensch, kommt er in die Hölle."

El Fadl organisierte nach eigenen Worten zwei Kamel-Karawanen, um russische Gewehre nach Ägypten zu schmuggeln. Er habe von 1989 bis 1993 für Al Qaida Geldkoffer mit bis zu 100.000 Dollar in bar transportiert. Einen Kämpfer samt Waffe nach Tschetschenien einzuschleusen, habe rund 300 Dollar gekostet. El Fadl zufolge versorgte der sudanesische Geheimdienst die Organisation mit Waffen, darunter auch mit Stinger-Luftabwehrraketen.

21.9.2001 12:05