Besuch in Armenien und Kasachstan

"Die Menschen guten Willens sollen allen eine Zukunft in Frieden garantieren!" Diesen eindringlichen Appell richtete Papst Johannes Paul II. an die Gläubigen in Kasachstan, kurz nach seiner Ankunft am Flughafen. Heute begann unter strengen Sicherheitsvorkehrungen sein sechstägiger Besuch in Kasachstan und Armenien.
Seine 95. Auslandsreise führt den Heiligen Vater auch in die Hauptstädte Astana (Kasachstan) und Eriwan (Armenien) sowie das armenische Kirchenzentrum Etschmiadzin.
Seinen Besuch begann der Papst mit einem Friedensappell und einem besonderen Gruß an die islamische Glaubensgemeinschaft. Er rief die Repräsentanten der Kulturen und Traditionen des Vielvölkerstaates zu einem friedlichen Zusammenleben auf. Die Moslems (rund die Hälfte der Bevölkerung gehört nominell der islamischen Glaubensgemeinschaft an) und "die Menschen guten Willens" mahnte der Papst, "allen eine Zukunft in Frieden zu garantieren".
Ausdrücklich würdigte der Papst die mit der Unabhängigkeit Kasachstans vor zehn Jahren verfügte Schließung des Atomtest-Zentrums von Semipalatinsk und den einseitigen Verzicht auf Nuklearwaffen. "Kontroversen dürfen nicht mit Waffengewalt, sondern müssen mit friedlichen Mitteln, mit Verhandlungen und Dialog gelöst werden", so der Papst auch im Hinblick auf die Ereignisse in und um Afghanistan.
Kasachstan sei ein "Land der Märtyrer und der Gläubigen, ein Land der Deportierten und Helden, ein Land der Denker und Künstler", führte Johannes Paul II. in seiner Rede aus. Sein Besuch erfolge zehn Jahre nach der Unabhängigkeit Kasachstans nach einer langen Periode der Dunkelheit und des Leidens. Die wiedererlangte Freiheit habe im Land ein festes Vertrauen in die Zukunft geweckt und neue Perspektiven für Frieden und Fortschritt eröffnet. Brüderlichkeit, Dialog und Verständnis im Inneren des Staates mit seinen mehr als 100 Nationalitäten seien unverzichtbare Voraussetzungen, um "Brücken solidarischer Zusammenarbeit mit anderen Völkern, Nationen und Kulturen zu bauen", sagte der Papst. Voraussetzung sei dabei ein Geist der Offenheit, sodaß alle Menschen und Gruppen die gleichen Rechte und Freiheiten, insbesondere die Religionsfreiheit, genießen können.
In Armenien wird das 1.700-Jahr-Jubiläum der Christianisierung des Landes begangen. Die armenisch-apostolische Kirche hat sich nach dem Konzil von Chalcedon 451 - wie die anderen altorientalischen Kirchen - von der allgemeinen Kirche getrennt. In den vergangenen Jahren ist es zu einer theologischen und pastoralen Annäherung zwischen armenischer Kirche einerseits, katholischer und orthodoxer Kirche andererseits gekommen.
In Eriwan wird Johannes Paul II. auch das Mahnmal für die Opfer des Völkermords an den Armeniern besuchen. Dieser Völkermord war 1915 durch die vom jungtürkischen "Komitee für Einheit und Fortschritt" gestellte kaiserlich-osmanische Regierung planmäßig in Gang gesetzt worden. Insgesamt fielen diesem ersten Genozid des 20. Jahrhunderts zwischen 1915 und 1922 rund 1,5 Millionen Armenier zum Opfer.
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