Freitag, 21. September 2001

109 österreichische Städte & Gemeinden machen mit

Umfrage: Werden Sie Ihr Auto heute stehen lassen?

Salzburg und Graz - dort standen Tausende Autofahrer im Stau. Und das ausgerechnet am autofreien Tag!
Am Samstag sollten die Menschen freiwillig aufs Auto verzichten - als Beitrag zum Klimaschutz. In ganz Europa. In Österreich machen 109 Städte und Gemeinde bei der Aktion mit. Hier ein Überblick, was wo los war.

Das war in Wien los
"Der Verkehr rund um die Einkaufszentren ist so wie eh und je," sagte ein Sprecher des Touringclubs. Ab 10.00 Uhr waren in der City die Rotenturmstraße, der Fleischmarkt und die Sonnenfelsgasse gesperrt. Auch die Mariahilferstraße wurde gesperrt und zur Laufmeile umfunktioniert.

Stau und Ärger in Salzburg und Graz
Die Grazer sahen rot am autofreien Tag: Zahlreiche Sperren wurden früher errichtet als angegeben!

In Salzburg kam es vor allem im Stadtteil Maxglan - dem Beginn der autofreien Route durch die City bis zur Linzer Gasse - zu Staus. Hunderte verägerte Autofahrer machten ihrer wut telefonisch Luft - sie riefen bei der Polizei an. Häufigste Kritik: Die Straßensperren wurden bereits um 8.00 Uhr - und nicht wie auf Flugblättern angekündigt um 10.00 Uhr - errichtet.

Friedlich verlief eine Protestaktion der Gemeinde Zederhaus (Lungau) gegen den Transitverkehr auf der Tauernautobahn. Etwa 250 Personen blockierten von 9.30 Uhr bis 10.00 Uhr beide Richtungsfahrbahnen. Die Veranstalter forderte von den zuständigen Politiker eine "ökologische Kehrtwende". Sonst verkommt der autofreie Tag zur Alibiaktion.

Das war in Niederösterreich los
Insgesamt nahemn 25 NÖ-Gemeinden teil. In Korneuburg zog der City-Bus probeweise seine Runden. Ein Teil des Hauptplatzes war von 10.00 bis 14.00 Uhr gesperrt, hinter dem Rathaus konnte bei einem Lokalaugenschein aber ein stärkeres Verkehrsaufkommen bemerkt werden.

In Baden herrschte "normaler Einkaufsverkehr".
In Mödling bestand bis 16.00 Uhr eine örtliche Umleitung. Denn entlang der Hauptstraße ging der "Streetevent 'Erlebnis ohne Auto'" über die Bühne. Die Bevölkerung konnte aber auch probeweise den Busbetrieb bis zur U 6-Station Siebenhirten in Anspruch nehmen.
In Hainburg an der Donau dominierte alternative Mobilität - der Einkauf zu Fuß, per Fahrrad oder mittels Pferdekutschen.

Das war in Kärnten los
Es beteiligten sich Klagenfurt und Spittal/Drau (die großen Plätze der City waren gesperrt). In Klagenfurt waren alle Straßen innerhalb des Ringes für den gesamten Autoverkehr gesperrt. Dies galt auch für Anrainer und Tiefgaragen. Als "Entschädigung" galt Nulltarif für öffentliche Busse (Kosten trägt die Stadt). In zahlreichen Geschäften wurde ein "Fußgängerrabatt "in Höhe von zehn Prozent gewährt.

Das war in Tirol los
Einen Tag früher als "Resteuropa", am Freitag, wurden die Autos aus dem Zentrum der Festungsstadt Kufstein verbannt. Ein "überdurchschnittlich großer Erfolg", meinte Bürgermeister Herbert Marschitz.

In Hall und Kitzbühel hatte die Aktion kaum Auswirkungen auf den Verkehr. In Hall herrsche Samstag Vormittag in der Innenstadt ohnehin ein Fahrverbot. In Kitzbühel seien wegen des trüben Wetters kaum Gäste unterwegs.

Das war im Burgenland los
Im Burgenland machten die Gemeinden Oberwart und Pöttsching mit. Außerdem wollen die Grünen in Eisenstadt die Menschen dazu animieren, das Auto in der Garage zu lassen. Mit einem kostenlosen Citybus soll der Bevölkerung gezeigt werden, wie man Alltagswege ohne Pkw bewältigen kann.

In Oberwart herrschte am Vormittag bereits heftiger Betrieb beim multikulturellen Oktoberfest im Stadtpark. Die Straßen rund um die "Wies'n" wurden zur Fußgängerzone erklärt. "Die alternativen Fortbewegungsmittel wie Rikschas und Elektroautos wurden gut angenommen", so Organisator Josef Wild.

In Pöttsching wurde auf der Hauptstraße ein Dorffest gefeiert. Als alternative Verkehrsmittel dienten Ponies und der "Gmoabus".

Das war in Oberösterreich los
In Linz verlief der Verkehr "ruhiger als normal" - das könne aber auch daran liegen, dass viele bei dem schlechten Wetter aus Ausflugsfahrten verzichteten. Über Umleitungen wegen gesperrter Straßen langten keine Beschwerde ein.

In Steyr und in Wels sei - laut Polizei - "genauso viel Verkehr wie immer" gewesen. "An den autofreien Tag halte sich dort offensichtlich niemand," so ein Polizist. Oberösterreich ist das Bundesland, in dem die meisten Gemeinden - 34 - am autofreien Tag teilnehmen.

Das war in Vorarlberg los
28 Städte und Gemeinden machten mit. Regen und kühles Wetter bremsten die Aktivitäten.

Der Gemeindeverband "Öffentlicher Personennahverkehr Unteres Rheintal" ("Landbus Unterland") ließ die Land- und Stadtbusse wie an Werktagen fahren. Die Fahrgeldeinnahmen des Tages werden für den Ankauf von Jahreskarten für Bedürftige zur Verfügung gestellt.

Auto ade: Zumutbare Potenziale des Umstiegs
Rund 51 Prozent aller Wege werden in Österreich mit dem Auto zurückgelegt. 16 Prozent mit den Öffis, so Minister Molterer. 27 Prozent der Österreicher absolvieren ihre Erledigungen zu Fuß, fünf von Hundert benutzen das Rad: "Es gibt zumutbare Potenziale des Umstieges, ohne Lebensqualität zu verlieren." Einen maßgeblichen Anteil an den Fahrten haben die Kurzstrecken: Mehr als die Hälfte aller mit dem Pkw zurückgelegten Strecken sind kürzer als drei Kilometer.

Umweltfreundliche ÖBB
Zu mehr umweltfreundlicher Mobilität beitragen wollen auch die ÖBB: Rund ein Drittel des benötigten Stromes beziehe die Bahn derzeit aus eigenen Wasserkraftwerken. Auf der Straße kommen Bussen mit der Euronorm 3-4 zum Einsatz, was wieder weniger Emissionen und eine zusätzliche Lärmreduzierung bedeute, so ÖBB-Generaldirektor Rüdiger vorm Walde: "Wir versuchen, die Techniken einzusetzen, die auf dem letzten Stand sind." Als besonderes Zuckerl bietet die Bahn vom 22. September bis zum 20. November die Vorteilscard um 960 Schilling anstatt wie bisher um 1.290 Schilling an.

Ziel: Verkehr um 2 bis 5 Prozent reduzieren
Wolfgang Mehl vom Klimabündnis Österreich: "Wenn es uns gelingt, den Verkehr in den Städten um zwei bis fünf Prozent zu reduzieren, dann bedeutet das um 3.000 bis 4.000 Tonnen weniger CO2 in der Luft". Erfolge in der Automobiltechnik bei der Reduzierung des Schadstoffausstoßes würden jedoch durch stärkere und schnellere Autos wieder "verpuffen".

21.9.2001 13:54