Freitag, 21. September 2001

"Es gibt absolut keinen Vorvertrag"

Die vom ÖIAG Aufsichtsrat betriebene vorzeitige Ablöse von ÖIAG Vorstandssprecher Johannes Ditz dürfte für Aufsichtsratspräsident Alfred Heinzel zum Kraftakt werden. Ditz macht nicht den Anschein, als ob er den Sessel in der Kantgasse ohne weiteres räumen wolle.

Heute, Freitag, erklärte Ditz, dass er jetzt einen Anwalt eingeschaltet habe, der für ihn die Verhandlungen mit der ÖIAG führen solle. Dass es, wie Zeitungen berichtet haben, einen "Vorvertrag" gebe, in dem er, Ditz, erklärt habe, er würde "zum Wohle des Unternehmens" unter Wahrung seiner Rechte ausscheiden, dementierte Ditz.

"Einen Vorvertrag gibt es absolut nicht". Sondern er habe "in einer schwierigen Situation" im Juni mit Aufsichtsratspräsident Alfred Heinzel eine Option für die Auflösung seines Vertrages bei Selbstkündigung vereinbart. "Diese Option habe ich nicht wahrgenommen, sondern gesagt, dass ich bleiben möchte", so Ditz. (Im Juni war Ditz mit der von ihm betriebenen Ablöse von Telekom-Austria-Chef Heinz Sundt gescheitert und hat den Aufsichtsratsvorsitz bei Telekom Austria zurückgelegt, den sein ÖIAG-Vorstandskollege Peter Michaelis übernommen hat).

Gestern Donnerstag, war Ditz zu einer Aussprache beim ÖIAG Aufsichtsratspräsidium (Präsident Alfred Heinzel und Vizepräsident Herwig Torggler) geladen worden. "Dabei wurde mir mitgeteilt, dass eine Mehrheit der ÖIAG Aufsichtsräte meine Ablöse und die Beendigung meines Vertrages wünscht", sagte Ditz heute. Er habe daraufhin seine Enttäuschung ausgedrückt, da er erwartet habe, dass ihm das Vertrauen ausgesprochen werde. "Ich glaube, dass ich gute Arbeit geleistet habe", verwies Ditz auf die zuletzt geglückten Privatisierungen der Austria Tabak und des Dorotheums, die der ÖIAG zusammen mehr als 11,5 Mrd. S eingespielt haben.

"Ich muss den Wunsch des Eigentümers zur Kenntnis nehmen", sagte Ditz. Er habe bei der gestrigen Aussprache ersucht, ihm die Bedingungen für eine vorzeitige Vertragsauflösung zu nennen. Bisher sei das noch nicht erfolgt.

Einen Termin für seine Ablöse gebe es ebenfalls nicht, sagte Ditz. Das sei Sache des Aufsichtsrates bez. des Präsidiums, die jetzt am Zug seien. "Wahrscheinlich müsste eine kontinuierliche Übergabe erfolgen, denn ich habe eine Verantwortung gegenüber den Unternehmen. Ich bin voll committed und stecke mitten in der Arbeit". Wegen seiner weiteren beruflichen Zukunft habe er sich deshalb bisher nicht den Kopf zerbrochen.

21.9.2001 12:06