Dienstag, 18. September 2001

Hubschrauber abgeschossen

Tschetschenische Rebellen haben am Montag, die Stadt Gudermes angegriffen und in der Nähe der Hauptstadt Grosny einen Militärhubschrauber abgeschossen. Bei den beiden Angriffen kamen mindestens 14 russische Soldaten ums Leben, darunter nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax auch zwei ranghohe Generäle.

Der Hubschrauber wurde beim Anflug auf die Militärbasis Chankala bei Grosny beschossen und stürzte anschließend ab. Dabei starben nach russischen Angaben neun Soldaten, darunter auch General Anatoli Posdnjakow, der eine Kommission für die Zusammenarbeit zwischen Militär und der prorussischen Regierung in der abtrünnigen Kaukasusrepublik leitete.

Beim Angriff auf Gudermes, wo zahlreiche Behörden der prorussischen Regierung untergebracht sind, starben mindestens fünf Soldaten, wie aus Regierungskreisen verlautete. Der russische Fernsehsender RTR berichtete am Montag unter Berufung auf die tschetschenische Verwaltung, 400 Separatisten seien von mehreren Seiten in die nordtschetschenische Stadt eingedrungen. In späteren Berichten war von rund 100 Angreifern die Rede.

In Gudermes war am Nachmittag angesichts der widersprüchlichen Angaben beider Seiten völlig unübersichtlich. Rebellenberichte über weitere Gefechte in Argun zehn Kilometer östlich von Grosny wurden von der pro-russischen Verwaltung in Tschetschien dementiert.

Unklar blieb die Lage auch am Nachmittag. Während der von Russland nicht anerkannte tschetschenische Präsident Aslan Maschadow versicherte, Gudermes sowie die Ortschaft Noschai-Jurt im Südosten des Landes seien unter vollständiger Kontrolle der Rebellen, wurde dies von russischer Seite umgehend dementiert. Nach Angaben der pro-russischen Verwaltung war die Lage in Gudermes bereits am Mittag wieder unter Kontrolle. Die Stadt sei von der russischen Armee abgeriegelt worden. Dagegen behauptete der Führer einer radikalen Rebellengruppe, Mowladi Ugudow, allein eine Gruppe russischer Soldaten, die sich in einem Regierungsgebäude verschanzt hätte, leiste noch Widerstand. Laut Ugudow wurden bei den Kämpfen insgesamt elf Rebellen getötet.

Rebellenführer Ugudow berichtete ferner von einem Selbstmordanschlag seiner Kämpfer gegen die Militärverwaltung von Argun. Dabei seien rund ein Dutzend Soldaten getötet worden. Die lokale Polizei bestätigte zwar einen Bombenanschlag auf das Haus des pro-russischen Verwalters in Argun; nach ihren Angaben gab es jedoch keine Opfer. In der Hauptstadt Grosny wurden die russischen Truppen in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Die gesamte Stadt wurde für den Verkehr gesperrt, während Soldaten in den Außenbezirken bereits damit begannen, in Erwartung weiterer Angriffe Gräben auszuheben.

18.9.2001 15:51