Humanitäre Katastrophe befürchtet

Militärexperten haben die Kampfkraft und Ausrüstung des Taliban-Regime bewertet: Danach sollen in Afghanistan rund 45.000 Mann unter Waffen stehen. 650 Kampfpanzer und sogar 15 Kampfjets könnten die "Gotteskrieger" mobilisieren. Allerdings bestehen Zweifel an der Einsatztauglichkeit des Kriegsmaterials. Indessen steht Afghanistan eine humanitäre Katastrophe bevor. Rund eineinhalb Millionen Menschen verlassen ihre Heimstätten (Die Bilder der Massenflucht). Die Bevölkerung hat Angst vor einem Vergeltungsschlag der USA gegen den im Land vermuteten Terrordrahtzieher Osama Bin Laden (Weltkarte: seine Terrorzellen).
Die Milizen der Taliban-Regierung in Afghanistan haben nach einer Analyse der Militärexperten von Jane's (London) 45.000 Mann unter Waffen. Sie verfügen über 650 Kampfpanzer und gepanzerte Fahrzeuge sowie über 76 Flugzeuge, darunter etwa 15 Kampfjets. Die Milizen sind mit Standard-Infanteriewaffen, in erster Linie AK-47 Kalaschnikows, sowie Maschinengewehren, Raketenwerfern, Mörsern und anderen Artilleriewaffen ausgerüstet.
Die gefürchtete Luftabwehr der Taliban
Für die Luftabwehr seien die Milizen mit tragbaren Raketen gerüstet, unter anderem vom Typ "Stinger", die die USA in den 80er Jahren der Opposition gegen die sowjetischen Besatzer geliefert hatten. Die fünf MiG-21 und zehn Su-22-Kampfflugzeuge sowie fünf Angriffs-Hubschrauber vom Typ Mi-35 "Hind" stammen sämtlich aus sowjetischer Produktion.
Bei der Einsatztauglichkeit der Ausrüstungen seien Zweifel angebracht, betonten die Jane's-Experten. In der Hauptstadt Kabul seien nach der Kampfpause des Winters jedoch Kampffahrzeuge "in gutem Zustand" gesichtet worden. Es sind überwiegend sowjetische T-62 und ältere T-54/55, zum Teil im Bürgerkrieg gegen die "Nordallianz" erbeutet.
Humanitäre Katastrophe droht
Aus Furcht vor einem Vergeltungsschlag der USA sind nach Informationen des UNO-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR Zehntausende Afghanen auf der Flucht. Sie seien in Richtung Pakistan und Iran unterwegs. Die Hilfe des Welternährungsprogramms (WFP) war schon zuletzt starken Beschränkungen unterworfen, in 17 der 32 Provinzen des Landes habe sich die Lage "dramatisch" verschlechtert.
Taliban schließen afghanischen Luftraum
Das afghanische Taliban-Regime hat den Luftraum des Landes gesperrt, berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf einen "internationalen Diplomaten". Durch den Luftraum Afghanistans gehen rund 110 Flüge täglich.
900.000 innere Flüchtlinge
Derzeit gibt es mindestens 900.000 innere Flüchtlinge, die aus ihren Heimatorten geflüchtet oder vertrieben worden sind; sie irren auf der Suche nach Wasser und Nahrung durch das Land und sind vollständig auf internationale Lebensmittelhilfe angewiesen. In den überfüllten Flüchtlingslagern werde die Lage immer bedrohlicher, die hygienischen Bedingungen seien katastrophal.
Iran hat Grenzen dichtgemacht
Der Iran hat die Schließung der Grenzen zu Afghanistan beschlossen. Militär und Polizeikräfte seien in Stellung gegangen, um einen Massenansturm von Flüchtlingen abzuwehren, meldeten die iranischen Medien am Sonntag. Der Iran hat in den vergangenen Jahren bereits zwei Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan aufgenommen, vor allem Angehörige der schiitischen und tadschikischen Minderheiten.
Die in Afghanistan herrschenden Taliban-Milizen hatten am Samstag mit Angriffen auf Nachbarstaaten gedroht, die den USA bei einer "Aggression" Hilfe leisten sollten. Der oberste Taliban-Führer Mullah Muhammad Omar hat die Moslems in aller Welt aufgerufen, angesichts der amerikanischen Drohungen einen "Heiligen Krieg" (Jihad) zur Verteidigung ihres Glaubens vorzubereiten. Es gehe nicht um das Schicksal von Bin Laden, sondern um die Feindschaft gegen den Islam. "Hier sind die wahren Moslems, hier ist der wahre Islam, hier erhebt sich die wahre Stimme des Glaubens", sagte Omar. Die USA würden darin eine Gefahr sehen.
Tausende Flüchtlinge in Pakistan - China schließt Grenze
Nach den Terroranschlägen in den USA hat China seine Grenze zu Pakistan weitgehend dicht gemacht. Das Ministerium für Öffentliche Sicherheit habe die Schließung kurz nach den Anschlägen vom Dienstag angeordnet, sagte Regierungssprecher Ablimit Ibrahim. Peking fürchtet, dass Terroristen in China Unterschlupf suchen könnten.
Pakistan unterbricht Transithandel nach Afghanistan
Unterdessen hat Pakistan den Transithandel nach Afghanistan unterbrochen, um der Forderung nach Auslieferung des gesuchten Top-Terroristen Osama bin Laden an die USA Nachdruck zu verleihen. Die offizielle Delegation Pakistans, um mit Afghanistan zu verhandeln ist in Kandahar angekommen.
Das Binnenland Afghanistan muss das Gros seiner Im- und Exporte über Pakistan und die Hafenstadt Karachi leiten. In pakistanischen Lagerhäusern warten Importe im Wert von über 100 Millionen Dollar auf den Weitertransport nach Afghanistan.
Keine Einreise aus Pakistan nach China
Am Mittwoch und Donnerstag blieb der Grenzverkehr zwischen Pakistan und China den Angaben zufolge komplett ausgesetzt. Seitdem dürften Personen nach Pakistan ausreisen, aber niemand dürfe aus Pakistan nach China einreisen, sagte Ibrahim. Wie lange diese Regelung gelten werde, sei noch nicht bekannt. Pakistan grenzt an Afghanistan, wo sich Osama Bin Laden, der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge, aufhalten soll. Auch China hat eine direkte Grenze mit Afghanistan, die sich allerdings nur über ein kleines Gebiet erstreckt.
Familiendrama in St. Pölten16:26
Bluttat: Tochter Zeuge?Vater schoss auf Sohn und richtete sich selbst. Waffenbesitz des 37-Jährigen illegal
Kriminalität20:48
Acht Jahre lang Sklavin19-jährige Deutsche wurde jahrelang misshandelt. Mutmaßliche Täter verhaftet.
Raubvögel vergiftet11:09
Falken ausgerottetBregenz: Taubenzüchter vergiftet gesamte Population am Pfänderstock
