Sonntag, 16. September 2001

Rainhard Fendrich geht wieder auf Tour

Der Universal-Entertainer Rainhard Fendrich im Hoch.
2001 feierte er mit "Männersache" ein fulminantes Comeback. Ab 19. September tourt er wieder. NEWS traf den Auferstandenen zum Interview ...

Zehn Wochen lang regierte er die heimischen Charts mit seiner CD „Männersache“ und verkaufte bis dato 50.000 Tonträger. Die TV-Show des kommerziell mehrfach Totgesagten – ursprünglich vom ORF nicht gerade als Liebkind gehandelt – wurde zum Erfolg. Die Kritiker halten den einst arg Gemarterten nun für den „neuen, alten und besseren Fendrich“.

Deutschsprachige TV-Stationen überhäufen den Schauspieler Fendrich mit Drehbüchern, Harald Schmidt hat ihn in seine Talkshow geladen (13. 9., 23.15 Uhr, SAT.1), und für den Herbst 2002 ist die Premiere seines Musicals „Wake up!“ fixiert (siehe Kasten rechts). Rainhard Fendrich, seit dem Rückzug von Peter Alexander regierender Meister aller Unterhaltungsklassen und Perpetuum mobile des Austropop, wird gar schon der „Midas“-Effekt zugeschrieben – was er 2001 in die Hand nahm, wurde zu Gold. Mega-Tournee.

Ab 19. September begibt sich der Prototyp des „Austropoppers“ auf eine ausgedehnte Allround-Tournee durch Österreich, Deutschland und die Schweiz. NEWS befragte den Erfolgsverwöhnten zur Tour, zu Sex & Drugs & Rock ’n’ Roll, Lampenfieber, Erfolg und seinem Musical „Wake up!“

NEWS: Was haben wir von der „Männersache“-Tournee zu erwarten?

Fendrich: Das ist auch für mich die Gretchenfrage. Ich werde versuchen, nicht nur die neue Platte zu featuren, sondern spanne einen Gedankenbogen über die vergangenen zwanzig Jahre. Ich werde versuchen, alle Musikstile, die ich durchlebt habe, noch einmal zu präsentieren.

NEWS: Werden die Konzerte ähnlich wie Ihre TV-Show „Männersache“ präsentiert?

Fendrich: Nein, weil das in großen Hallen völlig unmöglich ist. Ich werde aber zwischendurch schon auch als Conférencier auftreten, die Zwischenmoderationen werden jetzt erst erarbeitet.

NEWS: Sie spielen 50 Konzerte, welches ist Ihnen am wichtigsten?

Fendrich: Das werde ich sicher nicht verraten. Aber wir werden nicht nur in Wien, sondern auch überall sonst unser Bestes geben.

NEWS: Sie wirken etwas nervös. Hat auch ein Rainhard Fendrich noch Lampenfieber?

Fendrich: Ich gebe auch zu, dass ich extrem nervös bin, und Lampenfieber hatte ich immer, nur diesmal hat es schon sehr früh begonnen. Ich habe mich selten so konzentriert und gut vorbereitet wie auf diese Tour. Und was ist passiert? Ich habe jetzt am Wochenende eine riesige Fieberblase bekommen! Das passiert mir immer, wenn ich mir vor etwas in die Hose mache und die Erwartungshaltung so enorm ist.

NEWS: Sie sind mittlerweile mit dem „Midas-Touch“ behaftet. Was Sie angreifen, wird zu Gold.

Fendrich: Das kommt mir schon fast etwas unheimlich vor, wenn jemand so etwas über mich sagt, und es kann einem auch sehr schaden. Wenn man so etikettiert ist, kann man fast überhaupt nichts mehr machen, ohne beobachtet zu werden. Aber ich habe schließlich schon genug Scheiße gebaut.

NEWS: Aber 2001 wurden Sie ausschließlich vom Erfolg verwöhnt.

Fendrich: Erfolg ist im Endeffekt kein wirkliches Geschenk, sondern das Resultat guter Arbeit und glücklicher Umstände. Ich sehe das nicht als Verwöhnen, eher als Zeichen, dass nun die Latte noch höher liegt.

NEWS: Mit „Männersache“ punkten Sie aber auch bei der Kritik wieder als „besserer Fendrich“.

Fendrich: Das freut mich und bestätigt nur, dass auch wenn man etwas in relativ kurzer Zeit macht, es trotzdem das Richtige sein kann – nämlich wieder in meiner Muttersprache, dem Wienerischen, zu singen.

NEWS: Glauben Sie, dass sich durch den Titel der Tour mehr Männer angesprochen fühlen?

Fendrich: Es wird wohl ausgeglichen sein. Zu meinen Konzerten kommen eher Paare als Singles.

NEWS: Früher beherrschten das Tourleben einmal „Sex & Drugs & Rock ’n ’Roll“ …

Fendrich: Da kann ich nur drauf sagen: Rock ’n’ Roll ist ein Gefühl, das gibt es nur noch auf Vinyl! Die Zeiten sind vorbei. Selbst ein Billy Idol oder ein Bon Jovi gehen heute nach ihren Konzerten schlafen. Es ist physisch gar nicht mehr machbar. Man braucht einfach seine Ruhezeiten. Und schöne Frauen, die immer als Groupies abgehandelt werden, das grenzt in meinem Alter schon eher an eine Parodie.

Konzerttermine: 19. 9. Burg Clam; 20. 9. Waidhofen/Ybbs; 21. 9. Hollabrunn; 22. 9. Wiesen; 23. 9. Voitsberg; 25. 9. Kapfenberg; 26. 9. Wien-Stadthalle (ausverkauft!); 28. 9. Pinkafeld; 29. 9. Liezen; 30. 9. Innsbruck; 1.–31. 10. Deutschland/Schweiz; 1. + 2. 11. Feldkirch; 15. 11. Linz; 16. 11. Murau; 18. 11. Wien-Stadthalle; 19. + 20. 11. Salzburg; 23. + 24. 11. Wiener Neustadt; 26. 11. Villach; 27. 11. Graz; 30. 11. Waidhofen/Thaya; 1. 12. St. Pölten.

16.9.2001 15:33

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