Freitag, 14. September 2001

Die Devise heißt: "Ruhe bewahren"

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat die privaten Anleger vor Panikreaktionen nach der Terrorwelle in den USA gewarnt. "Jetzt hektisch zu reagieren und panisch die Aktienbestände auf den Markt zu werfen, wäre ebenso falsch wie in früheren Krisenfällen", sagt DSW-Chef Ulrich Hocker.

Da die internationalen Notenbanken ausreichend Geld zur Verfügung stellten, sei nach den Anschlägen aus heutiger Sicht nicht mit einer Börsenkrise zu rechnen.

"Ruhe bewahren" bis eine bessere Informationsbasis zur Verfügung steht, empfiehlt auch der hessische DSW-Landesgeschäftsführer, Klaus Nieding. Vor allem bei einer möglichen militärischen Auseinandersetzung seien die Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte nicht absehbar. Davon könnten insbesondere die chemische Industrie, die Luftfahrtgesellschaften und die Versicherungen betroffen werden.

Kritik übte die DSW-Geschäftsführung erneut an der Entscheidung der Deutsche Börse AG, den Aktienhandel am Dienstag in Frankfurt nach den Terroranschlägen aufrecht erhalten zu haben. Damit sei die Chancengleichheit der Privatanleger gegenüber den institutionellen Investoren außer Kraft gesetzt worden. Bei Ausschlägen von fünf Prozent und mehr wäre deshalb eine automatische Kursaussetzung sinnvoll gewesen.

Einen "Bärendienst" haben sich nach Einschätzung der Aktionärsvertreter auch die Investmentfondsgesellschaften erwiesen, die Ausgabe und Rücknahme von Fonds-Anteilen zu stoppen. Nun habe jeder Anleger die Erfahrung gemacht, dass Fonds in einer Krise ebenfalls keine sicheren Titel sind, die man jederzeit verkaufen kann.

Auch ohne den jüngsten Schock der Terroranschläge hätten die Kleinanleger bereits das Vertrauen in die Aktie als Anlageform verloren, urteilt der DSW. Dafür seien nicht nur falsche Empfehlungen für Titel des Neuen Marktes, sondern auch die Vorgänge um die Deutsche Telekom verantwortlich. Die Schutzgemeinschaft sprach sich deshalb für schärfere Sanktionen bei Verstößen am Kapitalmarkt und falschen Informationen der Vorstände aus.

Hocker kritisierte in diesem Zusammenhang die Haltung des Bundes als Großaktionär der Telekom. Angesichts der massiven Kursverluste und der umstrittenen Immobilienbewertung bei dem Telefonriesen hätte auch der Bund den DSW-Antrag auf Sonderprüfung und Nichtentlastung der Verwaltungsgremien unterstützen müssen. Nach aktuellem Informationsstand hält der DSW Schadenersatzklagen der Telekom- Aktionäre gegen das Unternehmen nicht für aussichtsreich. Ein Rücktritt von Telekom-Chef Ron Sommer hält der DWS für "vertrauensbildend".

14.9.2001 15:55