Streitigkeiten, wenn Attacke Kriegsfall ist

Die Schadensansprüche an die Versicherungen nach den Terrorattacken in den USA werden von Experten immer höher geschätzt. Die Rede ist von 30 bis 40 Mrd. Dollar. Aber Experten warnen: "Jeder, der jetzt eine Zahl nennt, greift sie aus der Luft."
Die "New York Times" schrieb am Donnerstag in ihrer Onlineausgabe, dass einige Versicherungsexperten von 30 bis 40 Mrd. Dollar (bis zu 44,2 Mrd. Euro/608 Mrd. S) sprachen.
Bisher teuerste Katastrophe war Hurricane Andrew
Die bisher teuerste Katastrophe, der Wirbelsturm Andrew im Jahr 1992, hatte 19 Mrd. Dollar gekostet. Dean R. O'Hare, der Chef der US-Versicherungsgesellschaft Chubb Corporation, hält eine Summe von bis zu 30 Mrd. Dollar für nicht ausgeschlossen.
Schätzungen noch zu früh
Maurice R. "Hank" Greenberg, der Chef des Versicherungsriesen AIG schränkte den Wert dieser Schätzungen in der elektronischen Ausgabe des "Wall Street Journals" am Donnerstag aber ein: "Jeder, der jetzt eine Zahl nennt, greift sie aus der Luft."
Die Versicherungskosten schließen den Wert des zerstörten World Trade Center, die Entschädigungen an die Hinterbliebenen der Opfer, den Wert der zerstörten Büros und die Kosten ihrer Verlagerung sowie den Geschäftsausfall der betroffenen Firmen ein.
O'Hare betonte in der "New York Times": "Wenn es sich um Terrorismus handelt, ist die Absicherung absolut." Dagegen könnte es nach Ansicht von Versicherungsexperten Streitigkeiten geben, falls die Attacke als Kriegsfall deklariert wird. Kriegsschadenansprüche sind in der Regel aus US-Versicherungsverträgen ausgeschlossen.
Von den Folgen des Anschlags sind Dutzende von Versicherern und Rückversicherern in aller Welt betroffen, die einen Teil der Risiken übernehmen. Einige kleinere könnten in Überlebensgefahr geraten.
Allianz senkt Gewinnprognosen
Der Versicherungskonzern Allianz rechnet nach den Terroranschlägen in den USA mit einer Schadensbelastung von bis zu 700 Mill. Euro (9,6 Mrd. S). Was den Jahresgewinn erheblich belasten wird: Der Überschuss wird auf "knapp über zwei Mrd. Euro" sinken. Im vergangenen Jahr hatte er ohne steuerliche Sondereffekte bei 2,4 Mrd., mit Sondereffekten sogar bei 3,5 Mrd. Euro gelegen.
Aber: Die Schadenexperten seien erst dabei, sich vor Ort ein Bild zu machen. Die Fragen der Haftung und der Rückversicherungsdeckungen seien sehr kompliziert. Welche Anforderungen die Allianz für die Auszahlung von Lebensversicherungen stellen wird, ist noch nicht bekannt. Normalerweise ist in jedem Fall ein ärztlicher Totenschein notwendig, sagte ein Sprecher der Allianz-Leben in Stuttgart.
Zurich Financial Services Group erwartet 400 Mill. $
Die Zurich Financial Services Group erwartet nach ersten Schätzungen Belastungen von weniger als 400 Mill. Dollar (442 Mill. Euro/6,1 Mrd. S).
Lloyd's: Um Verlust zu quantifizieren, ist es zu früh
Der Londoner Versicherungsmarkt Lloyd's hat eingeräumt, wesentlich an der Versicherung des bei dem Terroranschlag vom Dienstag zerstörten World Trade Center in New York und der beiden betroffenen Fluggesellschaften beteiligt zu sein. Bei Lloyd's waren die beiden Wolkenkratzer-Türme sowie auch die Fluglinien United und American Airlines versichert. Es ist aber noch zu früh, um die Verluste für Lloyd's zu quantifizieren, sei es noch zu früh.

