Donnerstag, 13. September 2001

Washington nicht auf geplante Proteste vorbereitet

Das ohnehin schon verkürzte Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank am 29. und 30. September in Washington wird wahrscheinlich abgesagt, wie aus informierten Kreisen verlautet. Vertreter der beiden Organisationen wollen sich angesichts der Tragödie in den USA erst in einigen Tagen offiziell zu dem Thema äußern.

Vor einer Entscheidung steht jedoch noch das Votum der US-Bundesregierung an. Die USA sind Gastgeber und größter Anteilseigner des IWF.

Die Zeichen stehen jedoch auf Absage, meinen Beobachter in Washington. Der Polizeichef der US-Hauptstadt, Charles Ramsey, hatte bereits eine Absage empfohlen. Seine Stadt sei nicht vorbereitet, mit dem geplanten massiven Protesten gegen das Treffen fertig zu werden. IWF und Weltbank stecken damit in einer Zwickmühle: Werden die Warnungen der Washingtoner Polizei ignoriert und die Veranstaltungen wie geplant durchgeführt, wird die Kritik hochschlagen, sollte es Tote und Verletzte bei den Protesten geben. Andererseits wäre eine Absage auch ein Symbol für Schwäche und dem Nachgeben auf Protestdruck der Globalisierungsgegner, schreibt das Wall Street Journal.

Eine Verstärkung der Polizeipräsenz durch Kräfte aus anderen Städten, auf die bis Dienstagnachmittag noch gesetzt wurde, dürfte nach den Terroranschlägen mit dem massiven Einsatz von Polizei und Militär in Manhattan und rund um das Pentagon kaum mehr möglich sein, sagt Tony Bullock, der Sprecher von Washingtons Bürgermeister Anthony Williams.

13.9.2001 11:18