Allianz fürchtet bis zu 700 Mill. Euro Schaden für Gruppe

Die verheerenden Terroranschläge in den USA werden zu milliardenschweren Lasten für die Versicherungen rund um den Globus führen. Allein die Münchner Allianz als eine der größten Erstversicherungen bezifferte die Schäden für ihren Konzern am Mittwochabend mit bis zu 700 Mill. Euro (9,63 Mrd. S) und gab deswegen eine Gewinnwarnung heraus.
Der weltgrößte Rück-Versicherungskonzern Münchener Rück rechnet mit Verpflichtungen von bis zu einer Milliarde Euro für die Gruppe. Die Schweizer Rückversicherung Swiss Re erwartet finanziell gesehen Schäden wie bei den Dezember-Orkanen von 1999. Der britische Versicherungsriese Lloyds erklärte, das Ausmaß sei "unmöglich zu beziffern".
Die Allianz senkte ihre Gewinnerwartungen für das laufende Jahr auf knapp über zwei Mrd. Euro; dies sind 400 Mill. Euro weniger als 2000. Das prognostizierte Ergebnis werde "erheblich belastet", räumte das Unternehmen ein. Wegen der schlechten Börsenlage hatte der Konzern bereits im ersten Halbjahr weniger Gewinn erwirtschaftet; dennoch sollten die Profite im Gesamtjahr ohne die neue Tochter Dresdner Bank eigentlich um 13 Prozent steigen. An der Börse war die Allianz-Aktie leicht gestiegen: Sie schloss bei 230,60 Euro und damit 1,59 Prozent über dem Schlusskurs vom Vortag. Am Dienstag, dem Tag der Anschlagsserie, hatte der zu den Schwergewichten im Deutschen Aktienindex (DAX) zählende Anteilsschein 14,05 Prozent verloren; er war von 264,10 auf 227 Euro gestürzt.
Die Schäden werden auch bei der Münchener Rück den Jahresüberschuss "deutlich" beeinträchtigen. Die Solidität der Gruppe sei aber nicht berührt; sie sei auch auf Schadensereignisse dieser Größenordnung ausreichend vorbereitet. "Unsere Finanzkraft wird nicht in Frage gestellt", sagt eine Sprecherin und verwies auf ein Eigenkapital von rund 50 Mrd. Euro.
Ähnliche Schadensbelastungen musste die Münchener Rück nach eigenen Angaben etwa bei Winterstürmen im Jahr 1990, dem Hurrikan Andrew 1992 und den Stürmen im Dezember 1999 in Mitteleuropa verkraften. Auch der zweitgrößte Rückversicherer der Welt, die Swiss Re, verglich die Belastungen mit den Winterstürmen von 1999: "Lothar" und "Martin" hatten den Konzern 1,9 Mrd. Franken gekostet.
Der Online-Ausgabe des französischen Branchenblattes "Argus des Assurances" zufolge taxiert Lloyds die Gesamtschäden auf 20 bis 40 Mrd. Dollar (44,2 Mrd. Euro/608 Mrd. S). Allein der Einsturz der Zwillingstürme des World Trade Center in New York kostet demnach 1,5 Mrd. Dollar, das dritte zusammengebrochene Gebäude in Manhattan 500 Mill. Dollar. Die vier entführten und zerstörten Flugzeuge und die Schadensersatzzahlungen für die Hinterbliebenen der Passagiere bezifferten Experten des britischen Unternehmens angeblich mit 800 Mill. Dollar.

