Mittwoch, 12. September 2001

Konsumentenvertrauen wird entscheiden

Das Konsumentenvertrauen in den USA wird nach Einschätzung des DIW darüber entscheiden, ob die Terroranschläge zu einer weltweiten Rezession führen wird oder nicht. An den Märkten werde sich in den nächsten zwei bis drei Tagen zeigen, ob die Panikverkäufe vorbeigingen, so Wirtschaftsexperten.

Der Bremer Ökonom Rudolf Hickel erwartet, dass in den USA ein "Angstsparen" einsetzt und "die Rezession jetzt schneller und tiefer kommt". Es werde aber keine Weltwirtschaftskrise geben.

Die starke Kapitalflucht dürfte sich fortsetzen, weil die USA bei den Anlegern nicht mehr als risikoarmer Raum gelten. Der Dollar werde erstmals abwerten. Hickel sagte, nachdem die USA sich bisher nie um den Euro gekümmert hätten, seien sie jetzt "auf Gedeih und Verderb auf Kooperation angewiesen". Die großen Notenbanken müssten zu einer kooperativen Strategie kommen, "um das Liquiditätsloch zu stopfen".

Der Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Ulrich Fritsche, bezeichnet das Konsumentenvertrauen als den "Dreh- und Angelpunkt der sehr schwierigen amerikanischen Konjunktur". Entscheidend sei, ob es zu einer "grundlegenden Verunsicherung" komme oder aber die Menschen das Gefühl hätten, dass es sich um einen einmaligen Terrorakt handelte und die US-Regierung die Lage beherrsche.

Liquidität sei von essenzieller Bedeutung. "Wenn die Börsen erst einmal anfangen, abzustürzen, dann gibt es eine ganze Menge Leute, die haben offene Positionen. Die haben auf Kredit gekauft. Die brauchen einfach Geld, um ihre offenen Positionen zu halten. Ansonsten müssen sie ihre ganzen Aktien verkaufen, einfach um ihre laufenden Kredite zurückzuzahlen, und drücken damit die Kurse weiter nach unten." Nachdem die Fed und die EZB rasche Liquidität zugesichert hätten, sei nun entscheidend, wie die Marktteilnehmer darauf reagierten.

12.9.2001 14:38