Gläubiger wollen mehr als 40 Prozent

Der Überlebenskampf der in den Ausgleich geschlitterten börsenotierten Buch- und Medienhandelskette Libro geht in die nächste Runde. Bis Wochenmitte wollen sich Unternehmen, Banken und Gläubigervertreter auf ein tragfähiges Ausgleichserfüllungskonzept einigen.
Gleichzeitig hofft man noch in dieser Woche die angeschlagene Internet-Tochter Lion cc verkaufen zu können. Ohne Käufer droht Lion ebenfalls die Insolvenz, wodurch auch der Libro-Ausgleich gefährdet werden könnte.
Die Verhandlungen um eine Ausgleichsquote für die rund 900 Lieferanten-Gläubiger wird morgen, Dienstag, fortgesetzt. Libro hat bis jetzt lediglich die gesetzliche Mindestquote von 40 Prozent zahlbar innerhalb von zwei Jahren angeboten. Der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) wird sich mit diesem Angebot jedenfalls nicht zufrieden geben. Für KSV-Experte Hans-Georg Kantner steht fest, es muss für die Lieferanten-Gläubiger im Ausgleich genauso viel herausschauen, wie ursprünglich im Rahmen einer außergerichtlichen Lösung vereinbart worden war.
Der KSV werde daher eine verbesserte Quote von 50 Prozent, davon die Hälfte cash, verlangen. Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV), der in einem frühen Rundschreiben vom Juli noch auf ein "Recht der Gläubiger auf 100-prozentige Bezahlung" pochte, würde sich jetzt mit 40 Prozent, allerdings besichert mit einer Bankgarantie, zufrieden geben. Einig sind sich die Gläubigerschutzverbände, dass ein Ausgleich nur mit Hilfe von Rückstehungserklärungen der Gläubigerbanken zustande kommen werde. Diese haben, wie berichtet, bei Ausgleichseröffnung angekündigt, die Fortführung des Unternehmens finanzieren zu wollen. Gleichzeitig sollen die Lieferantenforderungen im Ausmaß von 730 Mill. S vorgezogen werden und die Banken mit ihren Forderungen von 2,3 Mrd. S zurückstehen.
Ob der Ausgleich am 21. September im Landesgericht Wiener Neustadt angenommen wird, hängt davon ab, ob sich Unternehmen, Banken und Gläubigervertreter auf ein akzeptables Angebot einigen können.
Libro hat bei Ausgleichseröffnung im Status Verbindlichkeiten von 4,1 Mrd. S angegeben. Bis vergangenen Mittwoch wurden, laut KSV, Verbindlichkeiten von 2,6 Mrd. S angemeldet. KSV-Experte Kantner rechnet aber, dass die Höhe der angemeldeten Forderungen auf 3,6 bis zu den ausgewiesenen 4,1 Mrd. S steigen werde.

