Mittwoch, 12. September 2001

"Hoffentlich muss Österreich nicht in Israel spielen"

Die Europacup-Spiele am Mittwoch und Donnerstag hat der Europäische Fußball-Verband (UEFA) abgesagt. Am Dienstag aber mussten die Teams noch spielen. So auch der FC Tirol, der am in Prag gegen Viktoria Zizkov antrat, obwohl der Terroranschlag in den USA bereits bekannt war. Die Tiroler erreichten dabei ein torloses Remis, das aber angesichts dieser Tragödie zur Nebensache wurde.

Kurz vor Abfahrt des FC Tirols zum Spiel im Slavia-Stadion saß die Mannschaft gerade beim Kaffee im Hotel, als sie die ersten Bilder des Anschlags auf das World Trade Center via CNN sahen. Während die Spieler sich im Stadion aufwärmten, drängten sich Funktionäre und Journalisten im Presseraum vor den Fernsehern. Erst als der Franzose Duhamel um 17:30 Uhr die Partie gegen Zizkov anpfiff, gewann der Fußball überhand - Business as usual. In den Köpfen schwirrten aber immer noch die Bilder und Meldungen der Katastrophe herum. Gedanken, dass das Spiel abgesagt und verschoben wird, gab es nicht.

"Es war nicht an uns, zu entscheiden, was geschieht", sagt Tirol-Trainer Kurt Jara am Tag nach dem Spiel, "wir sind alle nur Angestellte. Die Entscheidung lag nicht bei uns, sondern bei der UEFA. Was ich über den Anschlag denke, behalte ich für mich, das ist meine persönliche Meinung."

Kogler für Absagen
Konkreter wurde da schon Tirol-Verteidiger und Teamspieler Walter Kogler. Er erzählt, die Mannschaft habe zwar noch den zweiten brennenden Turm des World Trade Centers im Fernsehen gesehen, das ganze Ausmaß des schrecklichen Anschlags aber nicht mehr mitbekommen. Dass die Partie in Prag nicht abgesagt wurde, begründet er so: "Unser Spiel war relativ früh angesetzt. Noch dazu ist die UEFA ein schwerfälliger Apparat. Bis die Herren wissen, wie zu entscheiden ist, dauert es immer relativ lang." Im Nachhinein, sagt Kogler, wäre es aber besser gewesen, nicht zu spielen.

Angst vor Terror in Israel
Familienvater Walter Kogler, der im Oktober mit dem Nationalteam in Israel zum WM-Qualifikationsspiel antreten soll, bringt anlässlich des Terroraktes in den USA die Diskussion um diese Reise neuerlich in Gang: "Ich hoffe, dass wir mit der Nationalmannschaft nicht nach Israel müssen. Nicht auszudenken, wenn jemand ein Flugzeug ins Stadion lenkt, oder es einen anderen Anschlag geben sollte."

Mageres 0:0
Zum Sportlichen: Tirol erreichte vor der mageren Kulisse von nur knapp mehr als 1.000 Zusehern ein ebenso mageres 0:0, schuf sich damit aber eine sehr gute Ausgangsposition, um in zwei Wochen im Rückspiel den Aufstieg in die zweite Runde zu schaffen. Kapitän Michael Baur war besonders damit zufrieden, dass die Tiroler in der jetzigen Formation erstmals in einem internationalen Spiel auswärts kein Tor kassiert haben. Im Vorjahr hatte es in Valencia ein 1:4, in Florenz ein 2:2 und in Stuttgart ein 1:3 gegeben, heuer verlor Tirol bei Lok Moskau mit 1:3.

12.9.2001 17:22