Samstag, 15. September 2001

Reaktor läuft auf 30 Prozent

AKW Temelin: Umfrage, Diskussion

Die Turbine im ersten Block des südböhmischen Atomkraftwerkes Temelin ist am Freitag wieder abgeschaltet worden. AKW-Sprecher Milan Nebesar teilte mit, dass es sich dabei um eine geplante Abschaltung im Rahmen von so genannten dynamischen Tests handle, bei denen die Reaktorleistung gesenkt wird.

Diese habe heute Früh 30 Prozent betragen, sei davor aber auf zehn Prozent gesenkt worden. Vor Beginn der Tests habe der Reaktor mit einer Leistung von 55 Prozent gearbeitet.

Am Freitag werden die Tests, bei denen einige Zirkulationspumpen abgeschaltet wurden, fortgesetzt. Danach werde man den Reaktor wieder auf 55 Prozent hochfahren und die Turbine anschließen, sagte der Sprecher. Im Laufe des kommenden Wochenendes werde die Kraftwerksleitung denselben Test noch einmal durchführen, allerdings werde dabei eine andere Gruppe von Zirkulationspumpen abgeschaltet.

Die gegenwärtige Serie von dynamischen Tests soll nach Angaben des Temelin-Direktors Frantisek Hezoucky voraussichtlich zwei Wochen andauern. Falls die Versuchserie problemlos laufe, werde der tschechische Energiekonzern (CEZ) die Staatliche Behörde für atomare Sicherheit (SUJB) ersuchen, die Reaktorleistung auf 75 Prozent zu erhöhen. SUJB-Chefin Dana Drabova sagte, CEZ erwarte offenbar, dass alles auf ersten Anlauf funktioniere. Dies sei eine zu optimistische Erwartung, meinte Drabova.

Schüssel für eine Temelin-Konferenz
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hat in einem persönlichen Schreiben an EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi den Entschließungsantrag des Europäischen Parlaments zum AKW Temelin begrüßt. Schüssel betonte, dass Österreich bereit sei, sich an einer solchen Konferenz zu beteiligen."Eine internationale Konferenz einzuberufen, um über Ausstiegsmöglichkeiten und Ausstiegskosten sowie über die Möglichkeit eines internationalen Ausstiegsangebotes für Tschechien zu beraten, halte ich für einen verfolgenswerten Weg", schrieb Schüssel laut Aussendung des Bundeskanzleramts in seinem Brief an Prodi.

Wichtig sei auch, dass das Europäische Parlament die so genannte "Null-Variante", das heißt die Möglichkeit einer Nichtinbetriebnahme, die auch Teil des Melk-Prozesses sei, angesprochen habe, erklärte Schüssel. Der Bundeskanzler informierte auch den belgischen Ministerpräsidenten und derzeitigen EU-Ratsvorsitzenden Guy Verhofstadt und den tschechischen Ministerpräsidenten Milos Zeman in persönlichen Schreiben.

Mit der Forderung des Europäischen Parlaments nach einer europäischen Ausstiegskonferenz für Temelin "eröffnet sich die Chance, den Streit um Temelin von der bilateralen Ebene auf die europäische zu heben. Die in der österreichischen Bundesregierung zuständigen Minister müssen diese Chance in den kommenden Ministerratssitzungen in Brüssel ergreifen und konkrete Initiativen setzten", erklärte die freiheitliche Delegationsleiterin im Europaparlament, Daniela Raschhofer, am Freitag in einer Aussendung.

"Das Europäische Parlament hat mit dem Beschluss über eine europäische Stilllegungsinitiative Österreich einen Ball zugeworfen, der in Wien aufgenommen werden muss. Sonst ist nicht nur eine Chance vertan, sondern auch die Glaubwürdigkeit, dass Österreich alle Möglichkeiten ausschöpfen wird, damit der Schrottreaktor Temelin nicht endgültig in Betrieb geht", so Raschhofer weiter. "Das Verhandlungskapitel mit Tschechien wird solange nicht abgeschlossen, bis es nicht ein klares Ausstiegsszenario für Temelin gibt", bekräftigte Rashhofer den Standpunkt der FPÖ.

15.9.2001 13:48